Strom für Villach: "Diktat ohne Alternativen"

28. November 2012, 18:15
47 Postings

Wegen einer neuen 110-kV-Leitung sollen Grundeigentümer enteignet werden

Villach - Die Diskussion um den Bau einer 110-kV-Freileitung im Raum Villach spitzt sich zu. Für Donnerstag ist eine weitere Tagsatzung im Enteignungsverfahren (Einräumung der Dienstbarkeit) angesetzt, das der Kärntner Energieversorger Kelag gegen 15 Grundstückseigentümer eingeleitet hat. Die wollen gemeinsam mit Bürgerinitiativen vor der Verhandlung Protestaktionen gegen die Kelag setzen. Unter den Zwangsenteigneten befinden sich unter anderem die Stadt Villach, die Gemeinde Finkenstein, die Diözese Gurk-Kärnten sowie die Kärntner SPÖ-Umweltlandesrätin Beate Prettner.

Die Bürgerinitiativen verlangen eine Erdverkabelung, da das Gebiet bereits schwer belastet ist: Auf engstem Raum kreuzen sich dort die Südautobahn, der Fürnitzer ÖBB-Großverschiebebahnhof, Erdgas und Ölpipelines sowie bereits bestehende 220- und 110-kV-Freileitungen. Gerade die schon bestehenden Hochspannungsleitungen lassen die Bürgerinitiativen vermuten, dass mit der neuen 110-kV-Leitung nur ein Lückenschluss für eine 220/380-kV-Stromautobahn in den oberitalienischen Raum realisiert werden soll. Außerdem soll ja auch ein neues Umspannwerk errichtet werden.

Umweltverträglichkeitsprüfung abgelehnt

"Man will über uns drüberfahren", empören sich die Aktivisten. Alternativen würden nicht einmal angedacht. Das positive elektrizitätsrechtliche Verfahren ist bereits rechtskräftig, eine Umweltverträglichkeitsprüfung wurde behördlich abgelehnt.

"Seit vier Jahren reden wir mit den Leuten", weist Kelag-Netzdirektor Reinhard Traxler den Vorwurf des Drüberfahrens zurück. Nur 15 von 120 Grundeigentümer hätten eine Ablöse abgelehnt. Es sei auch keine Rede von Stromtransit, "es geht nur um die Versorgungssicherheit für Villach und den wichtigsten Wirtschaftsraum Kärntens". Mehrere Verfahren sind anhängig, darunter eine Aufsichtsbeschwerde. (stein/DER STANDARD, 29.11.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Massive Proteste gegen eine neue 110-kV-Freileitung.

Share if you care.