Kochshow mit Essen aus der Mülltonne

29. November 2012, 05:30
  • Ein "Dive" in Salzburg, bei dem etwa 40 Personen "mittauchten" und rund 
70 Kilo tipptoppe Lebensmittel aus dem Mist holten.
    foto: daniel samer

    Ein "Dive" in Salzburg, bei dem etwa 40 Personen "mittauchten" und rund 70 Kilo tipptoppe Lebensmittel aus dem Mist holten.

  • Showmaster David Gross und Koch Tobias Judmaier.
    foto: daniel samer

    Showmaster David Gross und Koch Tobias Judmaier.

Die "Wastediver" holen kiloweise einwandfreie Lebensmittel aus Mülltonnen - Eine Internet-Kochshow dokumentiert, wie daraus Essen wird

Wien - "Der springende Punkt war die eigene Erfahrung", erinnert sich David Gross im STANDARD-Gespräch. "Wenn man einmal erlebt, welche gewaltigen Mengen in den Mülltonnen gefunden werden, dann macht das etwas mit einem."

David Gross ist gelernter Koch, Journalist und Dokumentarfilmer - und vor rund einem Jahr machte er in Salzburg seinen ersten "Dive", der alles veränderte. Der erste nächtliche Ausflug zu den Mülltonnen bei den Supermärkten, in die tipptoppe Lebensmittel - mehr als die Hälfte sogar noch originalverpackt - weggeschmissen wurden. Und dann hat sich Gross auch noch ordentlich geärgert - "über all diese flachen TV-Shows, in denen doch nichts zählt außer dem Promi-Faktor".

Also hat der Salzburger all das einfach kombiniert: Das, was er tut - das Müllfischen - und das, was er gelernt hat - das Recherchieren und Filmen. Und daraus wurde die konsumkritische Kochshow wastecooking.com, die im Mai dieses Jahres erstmals präsentiert wurde. In den Episoden wird dokumentiert, welche Unmengen frischer Lebensmittel bei den nächtlichen Streifzügen gefunden werden und wie die vom "Showkoch" Tobias Judmaier ganz lecker verkocht werden.

Und so ganz nebenbei werden bei diesen Video-Shows dann auch noch teils verblüffende Details zum Thema mittransportiert. Dass beispielsweise je nach Quelle ein Drittel bis sogar die Hälfte aller weltweit produzierten Lebensmittel im Mistkübel landet - das wären bis zu rund 1,3 Milliarden Tonnen im Jahr. Und dass durch diese weggeworfenen Lebensmittel mehr CO2 ausgestoßen wird, als bei den Lebensmittel-Transporten mit Lkw.

EU-Normen: Gutes Gemüse bleibt am Feld

Und ein Gutteil der Lebensmittel bleibt überhaupt gleich auf dem Feld, weil beispielsweise das Gemüse nicht zu 100 Prozent den EU-Normen oder den Anforderungen des Handels entspricht. "Das ist vollkommen absurd", ärgert sich Gross - weil "eine Verformung oder Verfärbung die Qualität null beeinträchtigt".

Das sei auch "das eigentlich Ekelhafte: "Nicht dass das Essen aus dem Müll kommt - ekelig ist, dass so viele Lebensmittel weggeworfen werden." Denn bei den Dives und den Kochshows "legen wir den höchsten Wert darauf, dass die Qualität einwandfrei ist. Das ist sehr wichtig, dass man da sehr gewissenhaft vorgeht."

Gelegentlich tritt die Gruppe rund um Gross und Judmaier auch öffentlich auf - etwa beim jüngsten Frequency-Festival, wo auf der Bühne während des Auftritts der Band "Restmüll" vor Ort gefundene Restln verkocht wurden.

Diese Woche vernetzt sich die wastecooking-Crew mit der Wiener Szene. Erst wurde im Müll gefischt - und mit diesen Lebensmitteln wird heute, Donnerstagabend, das Catering bei der Eröffnung des Internationalen Filmfestivals der Menschenrechte this human world im Gartenbaukino bestritten. Die Lebensmittel aus der Tonne werden verkocht - und den geladenen Festgästen angeboten.

Kochen auf Müllwägen

Eine zweite Session folgt dann am Wochenende: Erst wieder ein nächtlicher Streifzug mit der Wiener Wastedivern - dann ein Auftritt am Samstag, 1. Dezember, ab 22 Uhr im Top-Kino: In der Topkino-Bar wird das "Ertauchte" live gekocht - auf Müllwägen, die der Künstler Andreas Strauss zu Kochnischen umfunktionierte. Um 23 Uhr wird drinnen im Kinosaal erstmals die wastecooking-Serie auf Leinwand zu sehen sein. Der Eintritt ist frei.

"Wir wollen mit diesen Aktionen dieses Thema einfach erlebbar machen", betont Gross. "Ziel ist es nicht, dass ganz Österreich Mülltauchen geht. Das ist nicht die Lösung. Ziel ist es, dass sich endlich etwas auf politischer und gesetzlicher Ebene tut - sei es bei Lebensmittelnormen oder im Kampf gegen die Spekulation mit Lebensmitteln." (Roman David-Freihsl/DER STANDARD, 29.11.2012)

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"wastediver" haben die mülltonnen entdeckt?

o weh, das bedeutet: ich muß künftig früher aufstehen.

(schließlich will man ja nicht wegen abgelaufener lebensmittel handgemein werden)

Wastediver, Müllschlucker finde ich passender.

der david gross war mir immer schon sympathisch. gross am land war wohl die beste sendung des damaligen salzburg tv.
http://www.youtube.com/watch?v=1OCza-AkLCk

wozu hat denn wien "wastewatcher"? sollen die doch schauen, dass gute sachen nicht weggeworfen werden.

wastequeen und wastecooking

noch eine kleine ergänzung zum artikel- hinter der band "restmüll", die am frequency aufgespielt hat, verbirgt sich die geniale musikerin cilly kar, alias wastequeen, die auch den sound-track für wastecooking produziert hat-trotz allen deprimierenden aspekten, die das thema mit sich bringt, darf man die freude am tun und den humor nicht vergessen...essen ist schließlich mehr als nur ernährung- ist auch lebensfreude, selbst wenn der politische beigeschmack bitter ist...

Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann....

Da fehlt aber noch etwas..

..nämlich "wenn das letzte Bier getrunken und die letzte Line gezogen ist".

..warum sollte man Geld auch essen wollen?

Chicken McNuggets mit Currysauce schmecken viel besser!

Alternativ auch scharfes Huhn in Kokosmilch.

Zahme Vögel träumen von Freiheit.

Wilde Menschen von zahmen Vögel in Currysauce!

Erst wenn ich dieses Zitat zum 5.000sten Mal bedeutungsschwanger gehört habe, bin ich dann RICHTIG abgestumpft drauf.

In die gleiche Kategorie überstrapazierter Floskeln fällt leider auch auch das Bild "Der Schrei" von Edvard Munch, das über jahrzehnte hinweg auf keinem anti-irgendwas-Flugblatt fehlen darf, oder besser gesagt durfte.

Es ist mit genügend Ausdauer tatsächlich möglich, jeden Spruch oder Erkenntnis in eine Banalität zu verwandeln, indem man einfach Abstumpfung durch Dauerberieselung erzwingt.

Hmmm...

...Cordon Bleu...

occupy Anhänger?

also ich ess geld schon.

und wenn ich noch mehr solchen platten schwachsinn lese, ess ich bald noch was anderes ausser geld.

irgendwo im TV brachten sie mal einen Beitrag

über 2 (?) Wiener, die ebenfalls nach Ladenschluss auf Lebensmittel-Tour gehen. Wahnsinn, was die da herausgeholt haben - originalverpackte Lebensmittel, Salate und Fleisch noch eingeschweißt, Joghurts, Milch, usw....
Ganz findige Supermärkte kippen dann noch giftige Putzchemikalien drüber, damits nur ja niemand mehr verwenden kann. Anstatt es irgendwelchen Ausgaben für Bedürftige, Asylwerberheimen, Obdachlosenzentren, oder sonst wem zugute kommen zu lassen. Im Gegenzug könnte man den Unternehmen Werbeflächen oder -zeiten im Fernsehen dafür anbieten.

Es ist irgendwie verboten obdachlose mit muell zu fuettern.

irgendwo im internet gibts einen der einen kennt, der sagt er kennt einen, der wen kennt der essen aus dem müll nimmt und dran gestorben ist.

Wenns so weitergeht ...

ich freue mich schon auf die Sendung :

Spass am Galgen

Hatte letztens auch ne "Diskussion" mit ner Hofer Kassierin: Habe Eier gekauft, bei der Kassa komm ich drauf dass eines eingedepscht ist. Aof die Frage ob ich das austauschen kann: Ja, ich soll mir einfach eine neue Packung nehmen, diese wird

entsorgt! Es war trotz rumdiskutieren NICHT möglich einfach nur ein Ei auszutauschen! 9 gute Bio Eier werden vernichtet weil eines daneben eingedepscht ist... (Denn die müssen ja aus dem Lagerstand ausgebucht werden usw...) Völlig krankes System!!! Vor der Türe sitzt jemand der bettelt, und übern Hinterausgang werden die Lebensmittel entsorgt...

Versteht Du eigentlich, dass Du ein Teil des Systems bist? Du gehst zum DISKONTER, und wunderst Dich noch? Denn wenn nichtmal *DU* eine Packung mit 9 Eiern kaufst, wer denn dann? 10 Eier sind ein Milliardstel des Gesamtumsatzes, klar schmeisst der Hofer das ruckzuck weg, da wird nicht mit der Wimper gezuckt, Abbuchung unter "Schwund", und danke wiederschaun, das ist Teil der Gesamtbuchhaltung. Da schaut beim Monatsabschluss ein Controller drauf, und solange der Schwund unter 1% liegt, ist die Welt in Ordnung!

Zufall, mir ist grad erst gestern an der Kassa am Fliessband ein Ei aus der Packung gefallen, so what, hab ich halt nur 9 gekauft. Übrigens Bio Freilandeier.

Mann, hier geht's um 30 Cent !!!

tolles bio ei um 30 cent

Haettest dir das ei gebraten.

Würd's dich wirklich so beschäftigen, hättest halt die Packung mit dem kaputten ei genommen... Ich mein wo soll das ei herkommen?

Du hättest aber auch die Packung mit den 9 nehmen können. Das ist genau der Grund, warum natürliche Produkte mit unterdurchschnittlicher Qualität (ist ja fast gleich wie z.B. ein kleines Stück Obst das nach Stück gezahlt wird) in den Läden liegen bleibt und dann entsorgt wird. Also ist dein eigenes Handeln Teil des Systems, das du kritisierst...

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