Occupy schnürt Paket für Privatschuldner

Die finanzkritische Bewegung "Occupy Wall Street" kauft Forderungspakete mit Spendengeldern auf und annulliert sie

Mit der Aktion "Rolling Jubilee" will die finanzkritische Bewegung Occupy Wall Street verschuldeten Privatpersonen helfen. Mit Spendengeldern kauft sie Forderungspakete auf und annulliert sie.

 

New York - Die Aktion wird von der Wochenzeitung Die Zeit als die "erste gute Idee von Occupy" gefeiert: Die finanzkritische Organisation Occupy Wall Street hat damit begonnen, ein Rettungspaket für heillos verschuldete US-Bürger zu schnüren. Selbst das US- Investmentmagazin Forbes zeigte sich begeistert von der Aktion, genannt The Rolling Jubilee. Die Idee dahinter ist eine Entschuldung oder zumindest ein Schuldenschnitt auf Privatkredite.

Dabei kauft Occupy Wall Street die billig am Markt kursierenden Schuldenpakete auf, die derzeit den Markt überschwemmen. Solche Forderungen, etwa gegenüber Familien, die sich Häuser auf Pump kauften, wurden vor der Finanzkrise in Paketen gebündelt und gehandelt - unabhängig davon, welche Bonität die Schuldner hatten. Diese Forderungspapiere sind nun billig zu haben- oft nur um ein paar Pennies pro Schulden-Dollar. Inkassounternehmen und so manche wagemutige Investorengruppe wollen damit Geld machen und aus den Schuldnern doch noch etwas herausholen.

Finanzmittel begrenzt

Auch Occupy Wall Street kauft neuerdings solche Papiere auf, allerdings mit altruistischen Motiven. Im Gegensatz zu Investoren, die versuchen, die Schulden zumindest teilweise einzutreiben, verzichtet Occupy nach einem Kauf darauf und nimmt die Schuld damit quasi aus dem Markt.

Natürlich sind die Finanzmittel der Bewegung begrenzt. Während die gesamten Privatschulden der Amerikaner auf elf Billionen Dollar geschätzt werden, wurden gerade mal rund 475.000 Dollar an Occupy Wall Street gespendet. Damit allerdings können, so die Aktivisten auf ihrer Homepage optimistisch, rund 8,7 Millionen Dollar Schulden, der 16-fache Wert der Spenden, "zum Verschwinden" gebracht werden. Großsponsoren, die der Idee etwas abgewinnen können, sollen nun gezielt angesprochen werden.

Schulden sei das, was die "99 Prozent" der nicht reichen Amerikaner am meisten behindere, so das Credo der Organisatoren. Sie wollen ihre Initiative auch auf Kreditschulden ausweiten, die aus der Finanzierung eines Studiums resultieren. Auch die kostenpflichtige Gesundheitsversorgung in den USA führt zu Kreditschulden, die Menschen mit schlecht bezahlten Jobs nur schwer abbauen können. (ruz, DER STANDARD, 29.11.2012)

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