Uniqa verkauft Medien-Beteiligungen

28. November 2012, 18:38
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Die Uniqa Versicherung hat ihre Medienbeteiligungen "mit einem kleinen Buchgewinn" an die Raiffeisen Holding verkauft

Die Uniqa-Versicherung hat ihre Medienbeteiligungen "mit einem kleinen Buchgewinn" an die Raiffeisen Holding verkauft. Für Erstaunen sorgte der vorzeitige Rückzug von Gottfried Wanitschek aus dem Uniqa-Vorstand - "im besten Einvernehmen".


Wien - Am Mittwoch, um acht Uhr früh, erfuhren es die Uniqa-Mitarbeiter: Gottfried Wanitschek, der sein gesamtes Berufsleben bei Raiffeisen verbrachte und vor seiner Vorstandsfunktion bei Uniqa Kurier -Geschäftsführer war, verlässt mit Jahresende "im besten Einvernehmen", wie es offiziell heißt, die Versicherung. Wanitschek (57) war für die Bereiche Großkunden, Beteiligungen, Immobilien und Recht zuständig. Den Großteil seiner Agenden übernimmt Finanz-Vorstand Hannes Bogner.

Wanitschek hatte über all die Jahre ein persönliches Naheverhältnis zur Raiffeisen-Legende Christian Konrad. Konrad war bis Ende Mai Aufsichtsratschef der Uniqa. Glaubt man Uniqa-Chef Andreas Brandstetter, so wollte Wanitschek mit 60 Jahren aufhören. Da aber die Vorstandsverträge vorzeitig (sie wären bis September 2013 gelaufen) bis 2016 verlängert wurden, habe man diese Lösung gewählt. Für Wanitschek wäre eine andere Vertragslaufzeit nicht sinnvoll gewesen, so Brandstetter zum Standard. Einen Zusammenhang mit den sich hinziehenden Verhandlungen über den Verkauf der elf Uniqa-Hotels bestreitet der Konzernchef.

"Kleiner Buchgewinn"

Neu im Uniqa-Vorstand ist, von der Allianz kommend, Thomas Münkel (52). Er soll dafür sorgen, dass Prozesse und Organisation samt IT konzernweit funktionieren. Mit dem noch heuer geplanten Verkauf der Hotels an Günther Kerbler & Co, dem Verkauf der Mannheimer Versicherung und dem Verkauf der 25-prozentigen Medienbeteiligung Medicur an die Raiffeisen Holding NÖ/Wien (mit einem "kleinen Buchgewinn") "haben wir eine große Baustelle geschlossen", sagte Brandstetter. Uniqa hat die Medicur-Beteiligung (hält Anteile an Kurier, Sat.1, News, Profil etc.) bereits im Vorjahr auf null abgewertet. Mit dem Verkauf von Nicht-Kernbeteiligungen will sich die Versicherung für einen größeren Börsengang fit machen, der in den nächsten ein bis zwei Jahren erfolgen soll.

Die Raiffeisen Holding hat sich vom Plakatriesen Epamedia getrennt, die zusammen mit der Gewista den österreichischen Außenwerbemarkt in einem Duopol beherrscht. Der Außenwerberiese schrieb allein 2011 einen Verlust von 90 Millionen Euro, 80 Millionen Euro davon aus Abschreibungen, insbesondere in Ungarn. Beteiligungen in Osteuropa wurden spät und teuer eingekauft, sagen Branchenkenner. In den vergangenen Jahren brach in den Märkten zudem die Konjunktur ein. Die Raiffeisen-Holding musste binnen zweier Jahre 100 Millionen Euro zuschießen; seit Jahresbeginn wird, wie berichtet, ein Käufer gesucht.

Der österreichische Plakatriese und seine Beteiligungen in Osteuropa gehen nun komplett an das slowakische Medienunternehmen Joj. Nach Angaben von Raiffeisen und Joj gehört diese Firma heute zu 100 Prozent Richard Flimel; als Flimel bei Joj 2007 die Geschäftsführung übernahm, gehörte sie noch der tschechisch-slowakischen Finanzgruppe J&T. Joj besitzt Privatsender und Plakatfirmen in der Slowakei und in Tschechien.

Flimel spricht in einer gemeinsamen Aussendung von "hohem" Synergiepotenzial, Expansion in Zentral- und Süd-Ost-Europa. Die Profitabilität in den Märkten wolle er "weiter verbessern".

Die Uniqa präsentierte im ersten vollen Geschäftsjahr von Andreas Brandstetter einen Vorsteuergewinn für die ersten drei Quartale von 152,4 Millionen Euro. Im Vorjahr wurde wegen massiver Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen ein Vorsteuerverlust von 174 Millionen Euro geschrieben. (Claudia Ruff, Harald Fidler, DER STANDARD, 29.11.2012)

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