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Berlin - Diabetespatienten, die unter mehrfach verengten Herzkranzgefäßen leiden, sollten sich eher einer Bypass-Operation unterziehen als sich eine Gefäßstütze, einen sogenannten Stent, legen zu lassen. Zu diesem Schluss kommt eine internationale Studie, die in der Fachzeitschrift "New England Journal of Medicine" erschienen ist. Demnach überleben Diabetespatienten nach einer Bypass-OP deutlich länger als Diabetespatienten mit einer Gefäßstütze.
An der Studie nahmen von 2005 bis 2010 insgesamt 1.900 Diabetespatienten aus 140 internationalen Behandlungszentren teil - darunter Kliniken aus den USA, Spanien, Kanada, Brasilien, Indien, Frankreich und Australien. Die Patienten litten unter mehrfach verengten Herzkranzgefäßen, die einen Eingriff erforderlich machten.
Die Ärzte teilten die Patienten dafür nach dem Zufallsprinzip in zwei Behandlungsgruppen ein. Einer Gruppe legten Chirurgen bei einer offenen Herzoperation Bypässe, um die verstopften Herzkranzgefäße zu überbrücken. Die zweite Gruppe unterzog sich einer perkutanen Koronarintervention mit Medikamenten freisetzenden Stents. Bei diesem Eingriff schieben Herzspezialisten über einen Katheter eine kleine Metallstütze bis zur Engstelle vor, um das Gefäß zu weiten. Die Medikamente sollen zusätzlich verhindern, dass sich die Arterie wieder verschließt. Zum Zeitpunkt des Eingriffs waren die Patienten im Schnitt 63 Jahre alt. Bei den meisten waren die Herzkranzgefäße an drei Passagen verengt.
Ergebnis der Vergleichsstudie nach einem Beobachtungszeitraum von fünf Jahren: Todesfälle und Herzinfarkte traten insgesamt seltener nach einer Bypass-Operation auf. Während innerhalb von fünf Jahren 10,9 Prozent der Patienten in der Bypass-Gruppe verstarben, betrug die Rate der Todesfälle in der Stent-Gruppe 16,3 Prozent. Einen Herzinfarkt hatten sechs Prozent der Bypass-Patienten erlitten, bei den Stent-Patienten waren es dagegen 13,9 Prozent.
Lediglich bei den Schlaganfällen schnitt die Stent-Gruppe etwas besser ab: Nur 2,4 Prozent der Patienten mit einer koronaren Gefäßstütze bekamen innerhalb von fünf Jahren einen Schlaganfall, bei den Bypass-Patienten waren es 5,2 Prozent.
"Herzkranke Diabetespatienten sollten dies bereits vor einer geplanten Katheteruntersuchung erfahren, damit sie eine informierte Entscheidung für Bypass oder Stent treffen können. Nur so ist sichergestellt, dass der Patient ausreichend Zeit hat, seine Therapieentscheidung mit seiner Familie, dem behandelnden Herzteam und seinem Diabetologen gründlich zu besprechen", betont Andreas Fritsche, Pressesprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft aus Tübingen.
Eine derartige Forderung enthält auch das begleitende Editorial zur Studie in der Fachzeitschrift "New England Journal of Medicine". In Anbetracht der Studienergebnisse müsse man wohl davon ausgehen, dass viele herzkranke Diabetespatienten derzeit nicht richtig behandelt würden, lautet die Schlussfolgerung.
Bei einer koronaren Katheteruntersuchung folgt auf die Diagnostik der Herzkranzgefäße häufig sofort auch der Einsatz von Gefäßstützen. Schließlich kann beides - Diagnostik und Stent-Therapie - in einer Sitzung erfolgen. Dies gilt unter Experten als einer der Gründe, warum immer mehr Stents eingesetzt werden, die Zahl der Bypass-Operationen hingegen abnimmt. (red, derStandard.at, 28.11.2012)
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