"Grüßen, was sich bewegt"

28. November 2012, 17:25
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Vielleicht wären sie noch richtig ins Zanken geraten, so ihre ZiB 2-Diskussion etwas länger gedauert hätte

Vielleicht wären sie noch richtig ins Zanken geraten, so ihre ZiB 2-Diskussion etwas länger gedauert hätte. Womöglich hätte Hannes Androsch (einst SPÖ-Finanzminister) seinem Gegenüber Veit Sorger (Ex-Präsident der Industriellenvereinigung) dann in der verwirrenden Hitze des Gefechts vorgeworfen, ein SPÖ-Parteisoldat zu sein. Und Sorger, ÖVP-nah, hätte Androsch beschuldigt, als ÖVP-Charge keinen Mut zur eigenen Meinung zu haben.

Nichts wäre verständlicher gewesen. So blieb aber an den Haudegen zu bewundern, dass sie ihre eigene Partei (in der Frage der Abschaffung oder Beibehaltung der Wehrpflicht) jederzeit erkannten. Eine mentale Meisterleistung von Androsch, der das SPÖ-Komitee (für die Abschaffung) anführt und von Sorger, der ebenfalls ein Komitee anführt (eines der ÖVP, die gegen die Abschaffung ist). Schließlich kämpften beide wacker in der bekannten verkehrten Welt:

Argumentierte Androsch mit einer Studie der Industriellenvereinigung (eher ÖVP) gegen die Wehrpflicht, konterte Sorger mit einem Zitat des SPÖ-Verteidigungsministers Norbert Darabos, der die Wehrpflicht "in Stein gemeißelt" sah. Androsch jedoch lachte nicht, outete seinerseits Ex-ÖVP-Kanzler Wolfgang Schüssel als Berufsheerbefürworter und entlarvte Landesfürst Erwin Pröll (ÖVP) mit einem alten Zitat als einen ebensolchen.

Keine Ahnung, wer recht hat. Sorgte Sorger mit seinem Sager, die ÖVP hätte keinesfalls ihre Meinung um 180 Grad gewendet, für Heiterkeit, so gebührt dennoch Androsch der Pointen-Preis der ZiB 2. Die Arbeit der Präsenzdiener beschrieb er wie folgt: "Alles, was sich bewegt, grüßen, alles, was sich nicht bewegt, putzen." (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 29.11.2012)

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