Trauer kann sozialen und ökonomischen Abstieg fördern

28. November 2012, 16:39
  • Wissenschaftler untersuchten wie sich der plötzliche Unfalltod eines Kindes auf die berufliche, familiäre und gesundheitliche Situation der Eltern auswirkt. Die Betroffenen seien zum Teil in einer regelrechten "Abwärtsspirale" gefangen, lautet ein Fazit der Studie.
    foto: dpa/arne dedert

    Wissenschaftler untersuchten wie sich der plötzliche Unfalltod eines Kindes auf die berufliche, familiäre und gesundheitliche Situation der Eltern auswirkt. Die Betroffenen seien zum Teil in einer regelrechten "Abwärtsspirale" gefangen, lautet ein Fazit der Studie.

Bonn - Der Tod des eigenen Kindes ist für Eltern ein traumatisches Erlebnis, das mit langfristigen negativen Arbeitsmarktfolgen einhergehen kann. Darauf weist eine aktuelle Studie hin, die das Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) am Mittwoch veröffentlicht hat. Neben psychischen Erkrankungen und vorübergehender Arbeitsunfähigkeit kommt es in vielen Fällen zu einem dauerhaften Ausstieg aus dem Erwerbsleben mit gravierenden wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen.

Die Forscher untersuchten anhand umfangreicher Daten aus Schweden, wie sich der plötzliche Unfalltod eines Kindes auf die berufliche, familiäre und gesundheitliche Situation der Eltern auswirkt. Gegenüber anderen Eltern mit einem vergleichbaren sozialen und familiären Hintergrund stieg die Wahrscheinlichkeit einer stationären psychologischen Behandlung um das Dreifache. Zudem kam es zu erheblichen Einkommenseinbußen und erhöhten Scheidungsraten. Auch mehrere Jahre nach dem Tod des Kindes war das Arbeitslosigkeitsrisiko der betroffenen Eltern noch um neun Prozent erhöht.

Wirksamere therapeutische Angebote gefordert

Keine nennenswerten Unterschiede zeigten sich hingegen im Hinblick auf das Alter des verstorbenen Kindes oder die Familiengröße. Väter litten jedoch, gemessen am Rückgang des Arbeitseinkommens, stärker unter dem Verlust eines Sohnes. Auch die negativen gesundheitlichen Langzeitfolgen waren bei Vätern ausgeprägter als bei Müttern.

"Natürlich gehen die Menschen sehr unterschiedlich mit ihrer Trauer um - der eine stürzt sich in Arbeit, der andere verfällt in Lethargie. Wir waren allerdings überrascht, wie häufig vor allem Väter nach dem tragischen Verlust ihres Kindes ganz aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden", so der Mannheimer Wirtschaftswissenschaftler und IZA-Programmdirektor Gerard van den Berg. Die Betroffenen seien zum Teil in einer regelrechten "Abwärtsspirale" gefangen, wenn vorübergehende Arbeitsunfähigkeit in Langzeitarbeitslosigkeit münde und die Familie an den Folgen zerbreche.

Die Autoren fordern daher wirksamere therapeutische Angebote für trauernde Eltern mit dem Hauptziel der Wiedereingliederung ins Erwerbsleben. (red, derStandard.at, 28.11.2012)

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Wer vermag es, wenn das Liebste, Geliebteste und dem Herzen Teuerste entrissen wird, stabil zu bleiben?

Alles verliert seine Bedeutung wenn das Kind für immer geht.

So ist es.

Man kann sich eigentlich nichts schlimmeres vorstellen. Der eigene Tod ist dagegen ein harmloses Szenario.

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