Tanz der Projektionen

28. November 2012, 17:34
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Bisher stand eher die Dekonstruktion der Filmapparatur im Zentrum von Nadim Vardags Arbeit. Nun ist in der Galerie Georg Kargl auch ein Film des Künstlers zu sehen

Wien - Es entspricht der Arbeit von Nadim Vardag, dass sich den Besuchern gleich zu Beginn eine leere "Projektionsfläche" in den Weg stellt. Sie dreht sich langsam auf einer Bühne und gibt erst im richtigen Winkel den Blick auf die dahinterliegende Rezeption frei.

Wie jede andere Wand, hinter der sich in Film oder Fernsehen langsam etwas auftut, hat die mit Tischen des Designers der Nachkriegsmoderne, Egon Eiermann, zusammengebaute Skulptur eine spannungssteigernde Wirkung. Formal reduziert, aber effektvoll eröffnet sie den Ausstellungsparcours. Zunächst folgt man auf diesem noch der Logik des Kinos, denn im Untergeschoß stößt man als Erstes auf ein Filmplakat: Versehen mit den Filmcredits und einem Cocktailglas, wird darauf der gemeinsam mit Michael Franz produzierte Film Entropie (2012) angekündigt, der im folgenden Raum auch zu sehen ist.

Die Befürchtung, dass man im Ausstellungskontext den Beginn dieses Kurzfilms verpassen könnte, sei hiermit jedoch zerstreut. Denn selbst die tatsächlichen Anfangsbilder lassen erahnen, dass die darin auftauchende Partygesellschaft schon seit längerem feiert. Man wähnt sich schnell gefangen in einer Geschichte ohne Ende und Anfang, so als hätten die beiden Macher bereits beim Konzipieren des Films auf die Präsentationsform im Rahmen einer Ausstellung Rücksicht genommen. "Lange genug geloopt, verändern die Dinge ihre Semantik", stellt in einem der sinnigeren Dialoge auch ein Partygast fest. Insgesamt zeichnet sich der Film jedoch mehr atmosphärisch als auf der Gesprächsebene durch Informationsdichte (Entropie) aus.

Im Oberlichtsaal werden die Bezüge zum Film wieder abstrakter: Als hätte man Platz schaffen müssen, sind dort mehrere Eiermann-Tische in einer Ecke gestapelt, während kleinere, runde Skulpturen locker im Raum verteilt sind.

Vardag hat Letztere in Anlehnung an sogenannte Zoetrope (ein mechanischer Vorläufer der Kinematografie) gestaltet. Ihre neue Funktion als Abstellfläche hat er überdies mit einem Objekt von Astrid Wagner verdeutlicht: Sowohl der "Ausstattungsgegenstand" als auch eine Zeichnung des Koregisseurs Michael Franz weisen darauf hin, dass Filmemachen ein kollektiver Prozess ist. Für das Video im letzten Raum hat Vardag tanzende Discokugeln aus dem Internet montiert. Es macht Lust auf Gesellschaft und bringt einen plötzlich auf den Gedanken, ob man im Kunstkontext vielleicht auch aufgrund der darin eher angelegten Arbeits-Soli zum Ausgleich einfach mehr feiern muss. (Christa Benzer, DER STANDARD, 29.11.2012)

  • Gestapelte Eiermann- Tische und runde Skulpturen: In 
Nadim Vardags Ausstellung bei Georg Kargl ist 
Platz für Feste.
    foto: galerie kargl

    Gestapelte Eiermann- Tische und runde Skulpturen: In Nadim Vardags Ausstellung bei Georg Kargl ist Platz für Feste.

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