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Die deutsche Debatte über die Krise der Printmedien trifft zufällig mit einer wesentlichen Änderung meiner Lesegewohnheiten zusammen. Ich habe nämlich mein letztes verbliebenes Printabo einer Tageszeitung auf ein Digitalabo umgestellt, sodass ich nun alles auf dem Laptop lese. Ein Tablet mag ich nicht haben, und auf dem Telefon die Zeitung zu lesen, so weit haben sich meine Gewohnheiten noch nicht den neuen Gegebenheiten angepasst. Ich hänge also irgendwo in der Mitte dieses gerade voranschreitenden Übergangs, und halte mich im übrigen für jemanden, der sich hier selbst als Beobachtungsmenge nehmen kann. Immerhin versuche ich, vier Tageszeitungen und zwei Wochenzeitungen auf diese digitale Weise im Blick zu behalten (inwiefern ich sie noch "lese", darauf komme ich gleich zurück), während ich ein paar besondere Publikationen (den New Yorker, Lettre, Kunstzeitschriften, die NYRB) immer noch als Printprodukte lese. Dass sich daraus ein ständiger Balanceakt ergibt, wann ich was unterkriege, ist klar – ich bin potentiell exzellent informiert, de facto aber häufig ein wenig frustriert darüber, was ich alles links liegenlassen muss.
Die grundlegende Frage, die sich mir seit dem PDF-Abo stellt, rührt an das Selbstverständnis der Zeitungen. Braucht es noch die eine Ausgabe, die für den Tag steht (und die de facto ja auch schon durch Mutationen auf verschiedene Regional-, Abend- und Morgenausgaben aufgeteilt wird)? Früher hatte ich jeweils die Berliner Ausgaben der deutschen Blätter den ganzen Tag in der Tasche, bei allen möglichen Gelegenheiten habe ich sie hervorgezogen, und auf diese Weise am Ende des Tages häufig mehr gelesen, als ich beim ersten Durchsehen vorgehabt hatte. Heute gehe ich morgens einmal schnell durch die PDF-Blätter, lese drei bis fünf Texte, und speichere drei, vier weitere für eine spätere, gründlichere Lektüre ab (das sind in der Regel solche, die ich vor zwanzig, dreißig Jahren noch ausgeschnitten hätte, und die dann irgendwann verloren gingen, häufig ungelesen). Heute habe ich für diese "überzeitlicheren" Texte einen Dropbox-Ordner, der natürlich nach wenigen Wochen schon wieder sehr voll ist.
Das Gefühl, ein Blatt den ganzen Tag dabeizuhaben, ist einer wesentlich schnelleren (Vor-)Auswahl gewichen, die mir allerdings noch viel schwerer fallen würde, wenn nicht das Blatt auch in der PDF-Variante schon eine Auswahl wäre – andernfalls stünde ich ja den gesamten Internetseiten gegenüber, was mir eindeutig zu viel wäre. Toll finde ich, wie gut eigentlich alle Zeitungen im PDF aussehen. Die hyperscharfe Auflösung der Seiten hat beinahe schon etwas Magnetisches, ich genieße da zweifellos den digitalen Unterschied zur Papierausgabe, und kann mich auch an gelungenen Details oder Tools der jeweiligen Präsentationen delektieren. Andererseits verspüre ich nun den Stress viel deutlicher, der von den Abos ausgeht: Hier liegt ein irrationales Motiv versteckt, denn die herumliegenden Hefte und Zeitungen, denen ich ja auch nicht hinterherkam, haben mich nicht so beunruhigt. Ich kann mir das nicht anders erklären als mit einer unbegriffenen Panik vor der Immaterialität, die ja auch eine zeitliche Dimension hat. Nach einer Weile verschwinden die Inhalte ja hinter den Bezahlschranken der Archive (nur der New Yorker hat da eine wirklich radikale, großartige Zugänglichkeit geschaffen).
Insgesamt überwiegt da aber eindeutig der Vorteil der nicht mehr entstehenden Papierberge. Die "Printkrise" läuft vor meinem Erfahrungshintergrund also auf folgende Frage hinaus: Werden die Medientitel in absehbarer Zukunft überhaupt noch "Blätter" produzieren (unabhängig von der Frage, ob diese noch, und sei es auch nur on demand, gedruckt werden)? Ich glaube, dass dafür eine Menge spricht. Der Erscheinungsrhythmus der Tages-, Wochen-, Monatspublikationen enthält eine innere Logik der Informationsformen, die nicht einfach in die minütliche Aktualisierungsfrenetik der einschlägigen Webseiten aufhebbar ist (von der größten deutschen habe ich mich deswegen schon lange verabschiedet), die aber auch in gescheiten Aggregatorseiten wie Aldaily nicht richtig erkennbar wird. Es spricht also auch auf den digitalen Endgeräten vieles für die Zeitung.
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irgendwie habe ich nie verstanden, was an PDF-ausgaben von zeitungen gut sein soll. die unhandlichkeit des zeitungsformats, auf einem relativ kleinen bildschirm - das heißt vor allem mühsames blättern und zoomen. dann lieber gleich bei der printausgabe bleiben.
texte müssen am bildschirm nun mal anders dargestellt werden, und das ist auch gut so. außerdem ist eine online-ausgabe ein dynamisches medium, was eigentlich auch nur vorteile hat.
vieles in dem artikel klingt ein bißchen nach gewollter distinktion eines alternden intellektuellen ("ich lese täglich fünf internationale zeitungen") oder aber nach gepflegten schrullen. ist ja auch ok so, aber in der heutigen zeit doch etwas anachronistisch.
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