Planeten können die Sonnenaktivität beeinflussen

Forscher analysieren Zyklus der vergangenen 9.400 Jahre: "Es deutet alles auf einen externen Taktgeber hin"

Bern - Nüchtern betrachtet besteht unser Sonnensystem aus der Sonne, Punkt. Sie macht 99,86 Prozent der Gesamtmasse des Sonnensystems aus, als nächstgrößtes Objekt bringt es der Jupiter auf knapp 0,1 Prozent. Und doch scheinen auch so vergleichsweise winzige Himmelskörper ihr riesiges Zentralgestirn zu beeinflussen, wie Forscher nun berichten. Ihnen zufolge könnte die Anordnung der Planeten für langfristige Zyklen erhöhter Sonnenaktivität verantwortlich sein.

Wissenschafter des eidgenössischen Wasserforschungsinstituts eawag und der ETH Zürich haben zusammen mit Kollegen aus Spanien und Australien für die vergangenen knapp 10.000 Jahre die Zyklen der Sonnenmagnetfelder aus Eisbohrkernen und fossilen Hölzern rekonstruiert und mit der Wirkung der Planeten verglichen. Ihre daraus abgeleitete Vermutung: Das Drehmoment der Planeten könnte die Ursache für die langfristigen Zyklen der Sonnenaktivität sein. "Die Übereinstimmung ist verblüffend und lässt hoffen, dass die Vorhersage von Zeiten mit erhöhter Sonnenaktivität näher rückt", berichtet die Forschergruppe um die beiden Hauptautoren Jose Abreu und Jürg Beer.

"Externer Taktgeber"

Die bereits bekannten Perioden von 88, 104, 150, 208 und 506 Jahren stimmen nach Feststellungen der Wissenschafter während der 9.400 Jahre des Untersuchungszeitraums genau mit den periodischen Änderungen des Drehmoments überein, das die Planeten auf eine dünne Schicht im Innern der Sonne ausüben. Auf diese Schicht, so vermuten die Forscher, wirkt sich das Drehmoment der Planeten ähnlich aus wie der Einfluss des Mondes auf die Gezeiten auf der Erde. "Es deutet alles auf einen externen Taktgeber hin", sagt Beer, "und dafür kommen eigentlich nur die Planeten infrage."

Noch bezeichnen Abreu und Beer ihre Schlüsse vorsichtig als Hypothese. Doch sollten sich die Befunde ihres Teams bestätigen, wären sie von großer Bedeutung. Zum einen würden sie mithelfen, die Sonne besser zu verstehen und realistischere Modelle der Sonne zu konstruieren. Zum anderen könnten sie dazu dienen, zuverlässigere Prognosen für das "Weltraumklima" oder gar das "Weltraumwetter" zu machen. Das wäre nicht nur im Hinblick auf längere Weltraumreisen wichtig, sondern auch um sich gegen Auswirkungen von solaren Eruptionen auf unsere Kommunikations- und Stromnetze zu wappnen. (APA/red, derStandard.at, 28. 11. 2012)

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