Weiterhin Bedenken gegen Liesinger "Gartenstadt"

28. November 2012, 12:32
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Bezirksvorsteher Bischof ist über die 6.000 geplanten Wohnungen "nicht sonderlich glücklich"

Wien - "Gartenstadt" klingt nach viel Grün, nach bunten Beeten und selbst gezogenen Paradeisern. Südlich vom Wohnpark Alt Erlaa in Wien-Liesing, wo es jetzt schon "In der Wiesen" heißt, soll ein neues grünes Grätzel für tausende Bewohner entstehen.

Wo jetzt noch Brachland ist, möchte Planungsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) Wohnbauten rund um Freiflächen, auf denen die Bewohner ihr eigenes Gemüse ziehen können, errichten lassen - mit begrünten Dächern, Vertical Green auf den Fassaden und Leihstationen für E-Bikes.

Leitbild "nicht das Gelbe vom Ei"

Das Leitbild, das der Architekt Ramesh Kumar Biswas im Auftrag der Stadt für das Gebiet zwischen der Erlaaer Straße und der Altmannsdorferstraße entwickelt hat, ist seit einem Jahr fertig. Bloß war bisher im rot regierten Bezirk die Begeisterung für das Öko-Wohnprojekt enden wollend. Manfred Wurm, bis zum September diesen Jahres Bezirksvorsteher von Liesing, hatte das vorliegende Konzept als "nicht das Gelbe vom Ei" abgetan, die geplanten Wohnungen seien zu weit von der U6 entfernt, die Anbindungen für den Autoverkehr nicht geklärt. Vassilakous Ankündigung, in zwei Jahren mit dem Bau beginnen zu wollen, hatte der frühere Bezirksvorsteher "unrealistisch" genannt.

Sein Nachfolger Gerald Bischof formuliert seine Bedenken "im Konjunktiv" , wie er im Gespräch mit dem STANDARD betont: "Es liegen schließlich noch keine konkreten Pläne vor". Das Leitbild mit dem großen Grünraum in der Mitte wirke jedenfalls "sehr sympathisch" und sei sicher ein "Blick in eine ideale Zukunft". Das Projekt zu "erden" und zu finanzieren, stelle allerdings eine große Herausforderung dar.

Frage nach Verträglichkeit

"Es müsste überprüft werden, wie aufnahmefähig die bestehenden Straßen sind, auch wenn man von einem optimistischen Modal Split ausgeht", sagt Bischof. Die Frage, wie viele Wohnungen das Gebiet verträgt, müsse ebenso geklärt werden. Die 6.000 Wohnungen, die in den nächsten Jahren "auf einem relativ kleinen Areal" rund um die grüne Wiese entstehen sollen, stellt sich Bischof als "sehr schwierig" vor. Das bedeute rund 20.000 neue Einwohner im Bezirk. Und die "unvergleichliche Verdichtung", würde ihn, wie Bischof es diplomatisch formuliert, "nicht sonderlich glücklich stimmen". Bettina Fernsebner-Kokert, DER STANDARD, 28.11.2012)

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