Weg mit dem Salat

28. November 2012, 12:49
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Der Salat ist ins Kreuzfeuer der Kritik geraten - Laut Lebensmittelexperten wird das satte Grün im Vergleich zu anderen Gemüsesorten überschätzt

Regensburg - Sind Kopfsalat, Eisbergsalat und Rucola nur wertlose Zellulosebüschel? Abenteuerliche Theorien verunsichern die Verbraucher, berichtet der Online-Reportagedienst obx-medizindirekt.

Salat habe den gleichen Nährwert wie ein Papiertaschentuch mit einem Glas stillen Wasser, behauptet etwa der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer in seinem neuen Buch "Esst endlich normal!". Mit dieser Behauptung hat Pollmer kräftigen Rückenwind von vielen Salatgegnern erhalten, aber auch stürmischen Gegenwind von gesundheitsbewussten Lesern. Der Ernährungsexperte Pollmer rät überhaupt dazu, nur noch zu essen, was man mag - und alles zu meiden, was Gesundheit verspricht.

Falsch essen - aus Tradition

Es liegt die Vermutung nahe, dass die Wohlstandsgesellschaft nur deshalb so sehr unter Übergewicht und durch Überernährung bedingten Krankheiten leidet, weil sie über viele Jahre eben nie konsequent das gegessen hat, was vom gesundheitlichen Standpunkt aus empfehlenswert wäre. Das heißt, wenig Salat, Obst und Gemüse, kaum Vollkornprodukte, aber viel Wurst, Fleisch, fettes Geflügel, Süßigkeiten, Schokolade, gezuckerte Limonaden und gehaltvolle Brotaufstriche.

Nun steht allerdings auch der Salat auf dem Prüfstand. Ernährungswissenschaftler Hans Hauner von der Universität München meint dazu: "Salat wird im Vergleich zu anderen Gemüsesorten eher überbewertet". In der direkten Gegenüberstellung sind demnach Spinat, Brokkoli, Kraut, Kohl und Karotten die reinsten Vitalstoffbomben. Blattsalate haben aber laut Meinung des Experten einen unschätzbaren Vorteil: Sie bringen ein großes Volumen bei sehr geringem Brennwert mit sich. Das füllt den Magen und macht eher satt. Außerdem enthalten sie neben Vitaminen und Mineralstoffen auch Ballaststoffe, die unverzichtbar für unsere Gesundheit sind.

Hunger stillen ohne Kalorien

Sogar der Gehalt an Ballaststoffen ist für Udo Pollmer Anlass zum Spott: "Eine Currywurst enthält wahrscheinlich mehr Ballaststoffe als ein Kopfsalat", sagt er. Damit liegt er jedoch falsch. - 100 Gramm Currywurst enthalten 0,1 Gramm Ballaststoffe, dafür aber 23,5 Gramm Fett. Eisbergsalat enthält immerhin 1,8 Gramm Ballaststoffe - also 18-mal mehr - und nur 0,3 Gramm Fett, also 78-mal weniger als das populäre Fleischprodukt aus Berlin.

Außerdem enthalten Salate so genannte sekundäre Pflanzenstoffe: Citrin, Rutin, Quercetin, Kaempferol, Myricetin, Apigenin, Lycopen oder Luteolin. Diese Stoffe können Entzündungen hemmen, Allergien bekämpfen, die Kraft von Vitaminen verstärken und Ablagerungen in Arterien verhindern.

So gesehen, ist es weniger ratsam Pollmers Papiertaschentuch zu essen, sondern sich nach genussreicher Mahlzeit damit den Mund abzuwischen. (red, derStandard.at, 28.11.2012)

  • Salat habe den gleichen Nährwert wie ein Papiertaschentuch mit einem 
Glas stillen Wasser, meint Lebensmittelchemiker Udo 
Pollmer. Ernährungswissenschaftler Hans Hauner von der Universität München kann dieser Behauptung aber nicht zustimmen.

    Salat habe den gleichen Nährwert wie ein Papiertaschentuch mit einem Glas stillen Wasser, meint Lebensmittelchemiker Udo Pollmer. Ernährungswissenschaftler Hans Hauner von der Universität München kann dieser Behauptung aber nicht zustimmen.

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