Keine Köttbullar für Indiens Ikea-Kunden

Indien macht dem schwedischen Möbelhaus den Markteintritt nicht leicht. Auf Smörrebröd und Kinderpartys müssen die zukünftigen Kunden verzichten

Das - laut Eigenwerbung - unmögliche Möbelhaus aus Schweden ist für manche Familien immer wieder einen Wochenendausflug wert. Nicht nur weil man bei Ikea das eine oder andere mehr oder weniger Wichtige erstehen kann. Wer keine Möbel braucht, schlägt beim Hausrat zu. Wer da nicht fündig wird, braucht vielleicht eine Pflanze und das passende Behältnis dazu. Deko in jeglicher Form kann man ohnedies nicht genug haben. Dann wäre da noch die Kinderbetreuung. Ein nicht zu unterschätzendes Asset für gestresste Eltern. Und nicht zu vergessen sei auch das Essen im Restaurant. Für gut und günstig halten es viele. Manch einem reicht es zumindest als Labung nach getanem Einkaufswerk.

Nun will Ikea auch aufstrebende Länder wie Indien mit seinem Konzept beglücken und dort die wachsende Mittelschicht erreichen. Ganz leicht machen es die Behörden des Subkontinents den Schweden aber nicht. Nur unter strengen Auflagen will Indien das Möbelhaus auf seinen Milliardenmarkt lassen, berichtet die Financial Times Deutschland. Das Finanzministerium wolle den Indern den Ikea-Spaß verderben, heißt es in einem entsprechenden Bericht. Zwar sollen die Reichen und Reichgewordenen künftig Billy-Regale und Poäng-Sessel kaufen dürfen, auf Smörrebröd, Köttbullar-Fleischleibchen und Strandutensilien sollen die potenziellen Kunden aber verzichten.

Essen und Trinken auf der schwarzen Liste

Auf der schwarzen Liste, die die Behörde zur Förderung von Auslandsinvestitionen zusammengetragen haben soll, stehen "Essen und Trinken". Und das ist laut dem Bericht nur eine von 18 Produktkategorien, die Ikea beim seit Langem geplanten Markteintritt in Indien nicht verscherbeln darf. Seit Monaten ringen die Schweden über die Bedingungen für die 1,5 Milliarden Euro schwere Investition, die Ikea in den kommenden 15 bis 20 Jahren in dem hoch regulierten Markt plant. Bisher ging es laut dem FTD-Bericht um den Anteil der lokal gefertigten Produkte, den der Möbelriese in Indien zukaufen sollte.

Gefallen dürften den Schweden die Einschränkungen nicht. Gerade in Schwellenländern, wo die Mittelschicht vor Dreck, Lärm und Armut in die Konsumtempel flüchte, sei beim Ikea-Besuch der Möbel-Kauf eher Nebensache. In Peking zum Beispiel, so die FTD, nutzten Büroangestellte das Möbelhaus gern, um ein Mittagsschläfchen auf einem der ausgestellten Betten zu machen. Die Musterküchen seien bevorzugte Kulissen für Familienfotos. Und im Ikea-Restaurant würden häufig Kindergeburtstage gefeiert. (rb, derStandard.at, 28.11.2012)

Share if you care