Ägypten: Demonstranten mit Tränengas attackiert

28. November 2012, 12:31
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Hunderte Demonstranten weiterhin am Tahrir-Platz - Rücktritt von Präsident Mursi gefordert

Kairo - Die Proteste gegen den Kurs der islamistischen Führung in Ägypten reißen nicht ab. Zwar leerte sich der Tahrir-Platz in Kairo am frühen Mittwochmorgen, nachdem sich rund um den Platz am Vorabend mehr als 300.000 Ägypter versammelt hatten. Ein harter Kern von einigen hundert Demonstranten setze die Protestaktion gegen die Verfassungserklärung von Präsident Mohammed Mursi jedoch fort und wurde von der Polizei mit Tränengas attackiert.

Bei einer gewaltigen Massendemonstration in Kairo haben viele Tausend Ägypter den Rücktritt von Präsident Mohammed Mursi gefordert. Es war die größte Protestkundgebung seit dem Sturz seines Vorgängers Hosni Mubarak Anfang 2011.

Richter streiken weiterhin

Auch der Streik der Richter wurde am Mittwoch in zahlreichen Städten fortgesetzt. In der Provinzstadt Tanta im Nil-Delta versammelten sich nach Medienberichten die Richter, um über ihr weiteres Vorgehen zu beraten. Die Richter wollen durch einen Streik erzwingen, dass Mursi die Entscheidungen zurücknimmt, mit denen er sich selbst und den von Islamisten dominierten Verfassungsrat dem Zugriff der Justiz entzogen hatte. Der Bürochef des Präsidentenamtes, Mohammed al-Tahtawi, schloss einen Rückzieher Mursis jedoch kategorisch aus, berichteten lokale Medien.

Demonstrationen auch in Alexandria

Nicht nur in Kairo, sondern auch in mehreren ägyptischen Provinzstädten gab es am Dienstag Kundgebungen gegen Mursis umstrittene Erklärung. In der Hafenstadt Alexandria und in der Industriestadt Al-Mahalla kam es zu Schlägereien zwischen Islamisten und Demonstranten. Dutzende von Menschen wurden verletzt. In Kairo starb nach Angaben des Gesundheitsministeriums ein junger Mann, als die Polizei mit Tränengas auf eine Gruppe von Jugendlichen feuerte.

An der Demonstration auf dem Tahrir-Platz nahmen auch führende Oppositionelle sowie Schauspieler, Anwälte und Journalisten teil. Einige von ihnen riefen: "Oh Mubarak, sag dem Mursi, auf den Thron folgt die Zelle!" Die Mursi-Gegner zeigten sich von dem Zulauf begeistert. "Die Muslimbrüder haben immer behauptet, dass wir den Tahrir-Platz ohne ihre Unterstützung nicht voll kriegen, jetzt haben wir ihnen gezeigt, dass dies nicht stimmt", erklärte ein Aktivist.

Auch in den Städten Luxor, Assiut, Kena, Tanta, Al-Arish, Bani Sueif und Suez protestierten Menschen gegen Mursis Erklärung, mit der er sich selbst und das von Islamisten dominierte Verfassungskomitee vor dem Zugriff der Justiz schützt. Die Muslimbrüder, denen Mursi vor Amtsantritt angehört hatte, und die Salafisten sagten eine ursprünglich geplante Solidaritätskundgebung für den Präsidenten kurzfristig ab, "um Blutvergießen zu verhindern".

US-Regierung zurückhaltend

Die US-Regierung äußerte sich unterdessen zurückhaltend zur politischen Krise in Ägypten. "Die Situation ist nicht klar. Wir besprechen uns mit den verschiedenen Parteien, um zu verstehen, wie sie die Lage einschätzen", sagte die US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland am Dienstag. Mit Blick auf Treffen von Mursi mit Vertretern der Justiz sagte Nuland, zwar sei der Ausgang dieser Gespräche noch offen, doch handle es sich bei Mursi "keineswegs um einen Autokraten, der einfach sagt 'dies oder nichts'".

Mursi will trotz des Widerstandes der Opposition und der Justiz nicht von seiner umstrittenen Position abrücken. Zahlreiche Richter erschienen aus Protest gegen die Entmachtung der Justiz auch am Dienstag nicht zur Arbeit, zum dritten Mal in Folge. Wegen er Unruhen sagten mehrere Reiseveranstalter Ausflüge in die ägyptische Hauptstadt ab. (APA, 28.11.2012)

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    Am Mittwoch kam es am Tahrir-Platz in Kairo zu Zusammenstößen der Demonstranten mit der Polizei.

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    Demonstrant am Tahrir-Platz.

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    Alte Tränengaskanister als Protestmittel am Tahrir-Platz in Kairo. Die Demonstranten wehren sich gegen die Auweitung der Machtfülle von Präsident Mursi.

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    Hunderttausende demonstrierten in der Nacht auf Mittwoch im Zentrum von Kairo. Proteste fanden aber auch in anderen Städten statt.

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