AWD heißt jetzt Swiss Life Select

Bis zu 400 Stellen fallen zudem einem Gewinneinbruch zum Opfer

Zürich/Wien - Der Schweizer Lebensversicherer Swiss Life schafft bei seiner Finanzvertriebstochter den bisherigen Namen AWD ab. Die Marke heißt ab 2013 "Swiss Life Select". Zudem kündigt der Konzern einen Gewinneinbruch und einen neuerlichen Stellenabbau an.

Die immateriellen Vermögenswerte von AWD senkt die Swiss Life in ihren Büchern auf einen Schlag von 1,34 Mrd. auf 765 Mio. Franken (auf 635,07 Mio. Euro), wie am Mittwoch bekannt gegeben wurde. Damit anerkennt die Swiss Life, dass sie beispielsweise die Geschäftsaussichten des Finanzprodukteverkäufers bei der Kaufentscheidung 2007 überschätzt hatte.

Anlegerklagen setzen zu

AWD kämpft auch hierzulande seit einigen Jahren mit Anlegerklagen. Tausende Kunden werfen dem Finanzvertrieb vor, sie beim Verkauf von Immobilienaktien nicht ausreichend über das Risiko aufgeklärt zu haben. Sie haben zum Teil hohe Verluste erlitten. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat namens 2.500 Anlegern Sammelklagen mit einem Gesamtstreitwert von rund 40 Mio. Euro eingebracht. Der Vorwurf: AWD habe seine Kunden systematisch falsch beraten, um hohe Provisionen zu kassieren. Der AWD hat dies stets vehement zurückgewiesen. 

"Es hat den Anschein, dass die Swiss Life durch diesen Namenswechsel versucht, die Altprobleme des AWD zu billig entsorgen", sagt Peter Kolba, Leiter des Bereiches Recht im VKI, in einer Aussendung. Die AWD verzögere zudem die Verfahren hinaus, weil sie ihre aufgeworfene Vorfrage, ob Prozessfinanzierung in Österreich zulässig ist, bis zum Obersten Gerichtshof (OGH) trägt.

"Wir erwarten in den nächsten Monaten die Entscheidung des OGH und dann wird in den Sammelklagen endlich um die Frage der Fehlberatungen zu verhandeln sein", skizziert Kolba die weitere Entwicklung. 

Österreich und in Osteuropa schwach

Der hohe Abschreiber in der Bilanz, der von Analysten seit geraumer Zeit erwartet worden war, wird den Gewinn der Gruppe deutlich schmälern. 2012 sei nur ein Resultat in zweistelliger Höhe möglich, hieß es. 2011 hatte der Konzern 606 Mio. Franken (rund 505 Millionen Euro) verdient. Operativ dürfte die Swiss Life im laufenden Jahr aber gut abschneiden. Die Dividende von 4,50 CHF pro Aktie bleibt unverändert.

Vor allem in Österreich und in Osteuropa, wo Swiss Life AWD die Rolle eines Türöffners in die Märkte zudachte, erfüllt das Geschäft die einst beträchtlichen Erwartungen nicht. Aus Ungarn und der Slowakei zieht sich AWD nun ganz zurück.

2007 sei die Zukunft von AWD vielversprechend gewesen, sagte Swiss-Life-Chef Bruno Pfister im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Das wirtschaftliche Umfeld habe sich aber geändert.

Der vom schillernden deutschen Geschäftsmann Carsten Maschmeyer gegründete AWD hat im Zuge der Finanzkrise über längere Zeit gar Verluste geschrieben. Zudem haben Klagen von AWD-Kunden, die sich fehlberaten fühlen, aus früheren Jahren den Ruf des Unternehmens angekratzt.

Sparprogramm

Pfister gab zudem bekannt, dass er bis 2015 in der Swiss-Life-Gruppe 130 bis 160 Mio. Franken. einsparen will. AWD soll organisatorisch mit den Swiss-Life-Versicherungsgesellschaften verschmolzen werden. Dabei fallen bis 2015 möglicherweise bis zu 400 Stellen weg, 90 davon in der Schweiz.

Betroffen sind Verwaltungs- und Stabsstellen. Durch den Abbau werden in den kommenden vier Jahren Restrukturierungskosten von 80 bis 100 Mio. Franken. fällig. Der heute rund 7500 Stellen zählende Konzern hatte schon 2009 eine Schlankheitskur durchgemacht und mehrere hundert Stellen abgebaut. (APA/red, derStandard.at, 28.11.2012)

Share if you care