RBI trotz Gewinnen im leichten Abwärtstrend

28. November 2012, 13:07
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Drittes Quartal sehr schwach. Die Ostkredite bleiben ein Problem, es ist ein Anstieg des Volumens notleidender Kredite zu erwarten

Wien - Die börsenotierte Raiffeisen Bank International (RBI) hat in den ersten neun Monaten 2012 einen Nettogewinn von 842 Mio. Euro gemeldet, das war ein Plus von 13 Prozent im Jahresvergleich. Das dritte Quartal lief aber deutlich schwächer, hier sank der Nettogewinn im Quartalsvergleich um 11,5 Prozent auf 141 Mio. Euro. Die RBI strich seit Krisenbeginn 8.600 Jobs, heuer werden es fast 2.000 werden.

Hohe Ungarn-Ausfälle

RBI-Chef Herbert Stepic sprach in einer Mitteilung Mittwochfrüh von einem "ansprechenden Ergebnis" nach drei Quartalen, gerade mit Blick auf das schwache Wirtschaftswachstum in Europa, die Kapitalstärkungsmaßnahmen und die niedrigen Zinsen. Zum Ausblick hieß es, dass wegen der Konjunktur die Lage in einigen Märkten "angespannt" bleibe. "Für die nächsten Monate ist daher ein leichter Anstieg des Volumens der notleidenden Kredite zu erwarten, vor allem getrieben durch höhere Ausfälle in Ungarn, aber auch in den südosteuropäischen Ländern." Das Geschäftsvolumen wird im Gesamtjahr als "stabil" beschrieben.

Durch die Bankensteuern in Österreich und Osteuropa werde das RBI-Ergebnis heuer mit 160 Mio. Euro belastet. Weiterhin eine "Option" bleibt eine Kapitalerhöhung, abhängig von den Märkten, so die RBI in ihrer Quartalsmitteilung. Der Funding-Bedarf 2012 sei gedeckt.

Im Neunmonatsergebnis waren Sondereffekte von 272 Mio. Euro enthalten, die im ersten Quartal gebucht worden waren. Negativ schlugen im jetzigen dritten Quartal u.a. Bewertungsverluste aus Fremdwährungsswaps in der Konzernzentrale und in Ungarn zu Buche.

Umwälzungen

160.000 Stellen haben die größten Banken Europas und der USA seit Beginn der Finanzkrise 2008 abgebaut. Auch Raiffeisen hat sich dem bitteren Trend nicht entziehen können. In der Raiffeisen Bank International (RBI) fielen seit 2008 fast 8.600 Arbeitsplätze dem Rotstift zum Opfer, hauptsächlich in den Tochterbanken im Osten. "Wir sind aber in der glücklichen Lage, in einer Region zu sein, die deutlich stärker wächst als der Westen", sucht RBI-Chef Herbert Stepic Trost. Wenngleich die Euro-Schuldenkrise jetzt auch die Konjunktur in Osteuropa stark in Mitleidenschaft zieht. "Wir sind natürlich gefordert", so Stepic.

Seit 2008 hat die RBI in ihren Ost- und Südeuropatöchtern 8.580 Beschäftigte abgebaut, 13 Prozent der damaligen Belegschaft. Heute hat der Konzern 57.322 Leute. In der neu erworbenen Polbank sind es 6.500. Wieviele Jobs der in Polen gerade laufenden Integration zum Opfer fallen, wurde weiter nicht bekannt gegeben.

Allein im heurigen Jahr wurden RBI-konzernweit 1.939 Stellen gestrichen. Auch in Österreich wurde reduziert. Hier aber vor allem durch natürliche Fluktuation, also durch Nicht-Ersatz freiwerdender Stellen, die im Jahr bei 6 bis 7 Prozent liege. Im Inland werden die Strukturen weiter gestrafft, heuer wurden beispielsweise 100 IT-Mitarbeiter "ausgegliedert".

Weniger Kreditrisikovorsorge

Nach neun Monaten war der Zinsüberschuss um knapp 5 Prozent geringer, das Handelsergebnis sank um 25 Prozent, während das Provisionsergebnis nur marginal rückläufig war. Innerhalb der Betriebserträge ist der Zinsüberschuss nach wie vor der wichtigste Ertragsbringer, zu immerhin 67 Prozent. Die Position ist aber unter Druck. Der Rückgang resultierte laut RBI überwiegend aus niedrigeren Zinserträgen - die hatten nach Wertpapierverkäufen abgenommen -, aus geringeren Zinsmargen vor allem bei Forderungen an Banken sowie aus der niedrig verzinsten Veranlagung von Überliquidität der Konzernzentrale.

Die Nettodotierungen zu Kreditrisikovorsorgen fielen bis September insgesamt auf 623 Mio. Euro, ein Rückgang um 20 Prozent oder 158 Millionen. Vorerst nicht mehr so viel zur Seite zu legen war für Kredite in Ungarn (minus 226 Mio. Euro). Ein Anstieg in Polen lag an der Erstkonsolidierung der jüngsten Tochter, der Polbank. In der Slowakei, Rumänien, Polen, China und der Konzernzentrale Wien hätten diverse Einzelfälle für Neudotierungen gesorgt.

Der Vorsteuergewinn der RBI lag wieder über der Milliardenschwelle: Nach drei Quartalen wies der Konzern einen Periodenüberschuss vor Steuern von 1,115 Mrd. Euro aus, das waren 8,1 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Die Bilanzsumme der RBI lag Ende September stabil bei 147 Mrd. Euro.

Raiffeisen verkauft Epamedia

Die Medicur-Holding, in der die Medienbeteiligungen der Raiffeisen-Gruppe gebündelt sind, verkauft ihre Plakatwerbungs-Tochter Epamedia (Europäische Plakat-und Aussenmedien Gmbh) an die slowakische Medienholding JOJ Media House, a.s. Der Verkauf muss noch von den Kartellbehörden akzeptiert werden, über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, teilte die Raiffeisen-Holding NÖ-Wien mit.

Die Epamedia hat 2011 90 Mio. Euro Verlust gemacht, davon 10 Mio. Euro operativ, 80 Mio. Euro wegen Abschreibungen und Einmaleffekten, vor allem in Ungarn. Die Raiffeisen-Holding musste binnen zwei Jahren 100 Mio. Euro Kapital zuschießen.

Epamedia ist eine 100-prozentige Tochter der Medicur-Holding, die bisher zu 50 Prozent der Raiffeisen Holding gehört. Mit heutigem Tag wurde bekanntgegeben, dass die Raiffeisen-Holding NÖ-Wien den 25-Prozent-Anteil der UNIQA übernimmt und somit künftig 75 Prozent an der Medicur hält. Die restlichen 25 Prozent gehören der RZB. (APA, 28.11.2012)

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