Ratingagentur stuft Argentinien radikal ab

28. November 2012, 08:56
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Fitch reagiert auf US-Urteil zu ausstehenden Schulden

Buenos Aires - Nach einem Urteil der US-Justiz zur Zahlung ausstehender Schulden Argentiniens, hat die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit des Landes um fünf Stufen herabgesetzt. Die Herabstufung auf CC "spiegele Fitchs Ansicht wider, dass ein Zahlungsausfall Argentiniens wahrscheinlich ist", erklärte die US-Agentur. Fitch reagierte damit auf das Urteil eines New Yorker Gerichts vom 21. November, worin es Argentinien angewiesen hatte, seit elf Jahren ausstehende Schulden zu begleichen.

Auch Geier sind Gläubiger

Der Richter wies Buenos Aires an, die Schulden von 1,3 Milliarden Dollar (1,0 Milliarden Euro) bis zum 15. Dezember an die privaten Gläubiger zurückzuzahlen. Fitch erklärte am Dienstag, es erwarte nicht, dass Argentinien dies tun werde. Aus Sicht von Fitch würde dies einen Zahlungsausfall bedeuten. Der argentinische Wirtschaftsminister Hernan Lorenzino hatte nach dem Gerichtsurteil gesagt, die Regierung finde es "nicht richtig und legitim, Geier-Fonds zu zahlen". Er kündigte an, gegen das Urteil in Berufung zu gehen.

Argentinien will die Schulden nicht begleichen, da diese von Hedge-Fonds gehalten werden, die sich nicht an einem Anleihentausch mit privaten Gläubigern beteiligt haben, mit dem Buenos Aires ausstehende Forderungen aus dem Bankrott von 2001 begleichen wollte. Fitch erklärte, die Herabstufung spiegele die "anhaltende Verschlechterung" von Argentiniens Finanzen. Die Unsicherheit über das US-Urteil werde voraussichtlich das Vertrauen weiter beschädigen und die Aussicht auf Wachstum untergraben.

EU nimmt Agenturen in Pflicht

Die EU hat sich unterdessen auf schärfere Regeln für Ratingagenturen geeinigt. Diese sollen künftig für grobe Fehlentscheidungen haftbar sein und ihre Urteile besser begründen. Darauf haben sich Vertreter der EU-Kommission, des Europaparlaments und der EU-Staaten geeinigt, wie die Kommission bekanntgab. Die drei EU-Institutionen überarbeiten derzeit die geltenden Vorgaben.

So sollen die Agenturen künftig Bewertungen von EU-Staaten nur zu vorher gewählten Terminen verkünden, nur außerhalb der Geschäftszeiten und rechtzeitig bevor in Europa die Börsen öffnen. Dies soll nervöse Reaktionen der Märkte abmildern. Die Agenturen müssen zudem offenlegen, nach welchen Kriterien sie ihre Entscheidung gefällt haben.
Kein Wohlwollen für Geldgeber

Für fahrlässige oder falsche Bewertungen sollen die Agenturen haften. Bei der Bewertung bestimmter komplexer Papiere müssen sich die Agenturen abwechseln. Dies soll verhindern helfen, dass sich die gewinnorientierten Ratingagenturen mit zu rosigen Einstufungen das Wohlwollen ihrer Geldgeber sichern.

Ratingagenturen wie Moody's, Fitch oder Standard & Poor's bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen oder Staaten. Sie spielen eine wichtige Rolle in der Finanzkrise: Je schlechter sie einen Staat bewerten, desto mehr Zinsen muss dieser seinen Gläubigern für geliehenes Geld zahlen. (APA, 28.11.2012)

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