Neue Geschäftsmodelle aus dem Weltall

27. November 2012, 19:03
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Technologieforum thematisierte, wie mit europäischer Weltraumtechnologie neue Anwendungen entstehen könnten

TV, Navi, Telekommunikation - zahlreiche nützliche Dinge des Alltags sind ohne Satellitentechnologie und -daten undenkbar. Doch auch darüber hinaus tun sich weitere Nutzungsmöglichkeiten und damit potenzielle Geschäftsmodelle auf. Darin waren sich die Experten des Technologieforums, das die Wirtschaftskammer (WKO) am Dienstag veranstaltete einig. Daran beteiligt waren neben der Kammer das Wirtschaftsministerium, die FFG, das Verkehrsministerium, die Europäische Weltraumbehörde Esa und das European Space Policy Institute.

Es wurde dementsprechend die Frage erörtert, wie europäische Weltraumtechnologie für kommerzielle Zwecke genutzt werden kann und wie vor allem österreichische Firmen davon profitieren könnten. "Unser Ziel ist es, die österreichischen Beiträge zur Esa über Projekte nach Österreich zurückfließen zu lassen", betonten Stephan Mayer von der Agentur für Luft- und Raumfahrt (ALR) der FFG und Michael Love von der Außenwirtschaft Austria unisono.

2012 lag die Höhe dieser Beiträge bei rund 52 Millionen Euro. Der Rückfluss sei aber, obwohl in der Esa-Konvention festgeschrieben, nicht garantiert: "Jedes Mitgliedsland muss sich mit seinen Projekten einem offenen Wettbewerb stellen", ergänzte Mayer. In bestimmten Nischen sei Österreich bereits gut aufgestellt, beispielsweise in der Telekommunikation, aber es gelte neue Märkte zu erschließen, meinte auch Andrea Kleinsasser vom Verkehrsministerium, die dort für nationale und internationale Raumfahrtangelegenheiten zuständig ist.

Nutzer im Mittelpunkt

Aber auch der Esa scheint es ein Anliegen zu sein, dass sich die Mitgliedstaaten mehr engagieren, sie hat mit dem Integrated Application-Promotion-(IAP-)Programm, eine Initiative gestartet, auch Firmen an Bord zu holen, deren Kernkompetenz nicht unbedingt Weltraumtechnologie ist. "Die Technologie ist da, jetzt brauchen wir Anwendungen", sagte Ralf Huber von der Esa. Diese sollten den End-User in den Mittelpunkt stellen. Die Esa wolle mit IAP Unternehmen unterstützen, neue potenzielle Milliardenmärkte zu erschließen. "Wir wollen alle Akteure zusammenbringen", schloss Huber seinen Vortrag.

Zwei Projekte, bei denen dies in ersten Zügen gelungen scheint, wurden präsentiert. Beide beschäftigen sich im Kern mit Katastrophenmanagement. So geht es bei Sasisa (Small Aircraft Service for Instant Situational Awareness), einem Projekt von Joanneum Research in Graz, um eine zeitnahe Lagebeurteilung bei Kriseneinsätzen, etwa nach einem Sturm oder bei einem Waldbrand.

Ebenfalls auf Einsatzkräfte als End-User zielt das Projekt Fully Automated Aqua Processing Service (FAAPS) ab, das unter Federführung der österreichischen Niederlassung des Beratungs- und IT-Dienstleistungsunternehmens Capgemini entstanden ist. Mit an Bord sind die TU Wien und das Innsbrucker Unternehmen GeoVille. "Die Daten bestimmter Erdbeobachtungssatelliten werden über FAAPS unter Einbeziehung anderer relevanter Daten, wie Geodaten, aufbereitet und kommen direkt auf Endgeräte der Rettungskräfte, die anhand dieser Daten immer aktuelle Infos über den Zustand in den Überflutungsgegenden haben" , umriss Helmut Schnabl von Capgemini Austria das Ziel von FAAPS.

Das Unternehmen greift dabei auf das hauseigene Know-how im Umgang mit großen Datenmengen zurück. "Wir sprechen hier von riesigen Datenmengen, die man speichern und verarbeiten muss, daher setzen wir auf ein Cloud-Konzept, das sich beispielsweise bereits im Business-Intelligence-Bereich bewährt hat", sagte Schnabl. Auf diese Weise sollen den Einsatzkräften die aufbereiteten Daten in rund drei Stunden zur Verfügung stehen und so das Katastrophenmanagement vereinfachen und beschleunigen. (max, DER STANDARD, 28.11.2012)

  • Nutznießer neuer Anwendungen, die auf Satellitendaten basieren, sollen zum 
Beispiel Einsatzkräfte sein.
    foto: bundesheer / guenter filzwieser

    Nutznießer neuer Anwendungen, die auf Satellitendaten basieren, sollen zum Beispiel Einsatzkräfte sein.

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