Zwei alte Freunde, eine blöde Geschichte

Sigi Lützow
27. November 2012, 19:28
  • Alois Stadlober (li) will mitreden, aber eben auch mitentscheiden. Markus Gandler (re) hält für Teresa Stadlober stets ein G'wandl bereit.
    foto: apa/ gindl

    Alois Stadlober (li) will mitreden, aber eben auch mitentscheiden. Markus Gandler (re) hält für Teresa Stadlober stets ein G'wandl bereit.

Weltmeister Stadlober will seine Tochter Teresa derzeit nicht der Verbandsbetreuung aussetzen

Wien - Nicht bei Philippi, nein in Seefeld sieht man sich wieder. Am Wochenende trifft Markus Gandler (46) anlässlich der Langlauf-Fis-Rennen in der noch ziemlich schneearmen Olympia-Region ob Innsbruck Alois Stadlober (50). Die beiden waren 1999 in Ramsau die Hälfte der goldenen österreichischen Langlaufstaffel und nach der Karriere kurzzeitig auch Geschäftspartner.

Ihre jahrzehntelange Freundschaft hat aber gelitten, als der österreichische Skiverband, dem Gandler als sportlicher Leiter für Biathlon und Langlauf dient, Anfang Oktober Stadlobers 19-jährige Tochter Teresa ebenso wie deren Kollegin Veronika Mayerhofer aus seinem Langlaufkader und damit auch sämtliche Förderungen strich.

Funktionär wie Vater empfinden das als eine für die Öffentlichkeit nicht leicht nachvollziehbare, "blöde G'schicht". Nicht nachvollziehbar auch, weil der ÖSV vor dem Eklat die Bildung eines Damenteams angekündigt hatte, das 2014 und in Sotschi olympisch die Staffel laufen soll.

Dafür wurde in Alexander Marent ein Trainer nominiert. Der ist zwar auch noch mit Stadlober aktiv gewesen, kam aber mit dem Trainervater auf keinen Nenner, was die Betreuung von Teresa betrifft. "Mitreden ist gut, mitentscheiden ist besser", sagt Stadlober, der von Auffassungsunterschieden zu Training und Trainingsplanung spricht. Er meint auch, dass die aktuelle Trainergeneration viel vor dem Laptop sitze, um Leistungskurven zu studieren, auf den Athleten selbst aber weniger schaue. "Im Training müssen alle bis zu 90 Prozent das Gleiche machen, darüber hinaus sollte die Betreuung individueller sein."

Gandler kann Stadlober verstehen ("Er schaut halt auf sein Dirndl"), sagt aber auch, dass die letzte Entscheidung beim Trainer liegen müsse. Schließlich wurde Sportdirektor Hans Pum mit dem Fall beschäftigt - mit bekanntem Ergebnis, aber auch der Zusicherung, dass die Türen für die Athletinnen jederzeit offen stünden. Gandler: "Ihre ÖSV-G'wandln liegen jedenfalls bereit."

Einstweilen organisiert und finanziert Alois Stadlober das Training und die Starts seiner Tochter. Natürlich hat er als nordischer Sportkoordinator des Landes Steiermark mit Sitz in Ramsau viele Möglichkeiten, "mit 10.000 bis 15.000 Euro muss ich aber rechnen". Teurer käme es, wenn auch sein Sohn Luis dem ÖSV den Rücken kehrte, weil der 21-Jährige dann mit Bundesheer und Sporthilfe Probleme bekäme. Also bleibt der B-Kader-Athlet im ÖSV, der übrigens Roswitha Stadlober seine Vizepräsidentin nennt.

Die Einbindung ihres Gatten in den ÖSV ist auch zum Bedauern Gandlers nicht gelungen. Alois Stadlober, zuweilen als Experte beim ORF und auch sonst gut beschäftigt, hat dafür triftige Gründe: "Als Trainer kann ich ja von heute auf morgen weg sein." Zum Beispiel bei Erfolglosigkeit.

Hat Teresa Stadlober aber, was bei ihrer Leistungsentwicklung anzunehmen ist, auch außerhalb des Verbandes Erfolg, dürfte der Druck eher aufseiten des ÖSV liegen. Zumal Österreich im Langlauf seit Zerschlagung des Herrenteams infolge des Olympiaskandals von Turin auf Weltcup-Niveau nahezu inexistent ist. "Man kann aus einem Ackergaul kein Rennpferd machen. Es gibt auch keine Abkürzungen auf dem Weg zum Erfolg. Aber ein bisschen mehr sollte mit unseren Strukturen drinnen sein", sagt Alois Stadlober.

Gandler sagt, dass der Aufbau "genauso zach wie erwartet" ist, verweist aber auf gute Resultate im Nachwuchs. Solche hat auch Teresa Stadlober geliefert. Bei Philippi, nein in Seefeld, sieht man sich wieder. (Sigi Lützow, DER STANDARD, 28.11.2012)

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24 Postings
Tja: So gehts, wenn alle mit allen verhabert sind !

Es kommt beim Langlauf erfahrungsgemäß

viel weniger als auf funtionierende Strukturen als auf die gesunde Ernährung an. Ich hab da meine Bedenken, ob der Stadlober will, daß die Tochter seinen (vermutlichen) Weg gehen soll. Die Alternative heißt aber zwingend Erfolgs- und Perspektivlosigkeit.

Ich hätt gern einen halben Liter Frischblut bitte. Nein, nicht aufspritzen! So wie immer.

ich nehm

true blood ;-)

und andere athletinnen bieten sich nicht an??

das soll die gesamte ausbeute an spitzenlangläuferinnen in österreich sein??wo bleibt das nachwuchsmodell?im alpinen bereich tut sich bei den damen und herren zwar um einiges mehr,qualität ist aber speziell bei den herren scheinbar mangelware,wenn sich der schöni im slalom noch immer gegen die jugend behauptet!

gscheit sind die Leut

wie blöd trainieren und dopen müssen, damit man überhaupt ein bisserl vorn mitmischen kann und bei einem Platz hinter den ersten 3 wird man als Loser hingestellt.

Da kann man in Österreich in anderen Bereichen mit viel weniger Leistung viel besser verdienen und braucht sich nicht noch die Kommentare der ahnungslosen Medien und Bevölkerung anhören.

wer muß denn "wie blöd" trainieren und "dopen"?

den wahren athleten wirds egal sein,und den neid muss man sich ohnehin erst verdienen ;)

Neid?

selbst der zuständige Minister kritisiert die Olympiateilnehmer als Touristen.

Wenn du nix gwinnst, bist der Depp.

der zuständige minister??

den als maßstab zu nehmen ist kläglich,sorry...

noch abgrundtief kläglicher wär

dich als Maßstab zu nehmen.

Außer für Ahnungslosigkeit und Realitätsverlust.

Lieber sauber und nix gewinnen als neue Nachfolger von Steffi Graf, Lisa Hütthaler, Berni Kohl, Georg Totschnig, Susi Pumper (die jetzt sogar Präsidentin des LLC geworden ist, was für eine Farce), Elmar Lichtenegger, Walter Mayer, Andreas Berger, Franz Ratzenberger, Thomas Renner, Gernot Kellermayr, Christian Hoffmann, Stefan Matschiner, Christian Pfannberger, Matthias Buxhofer, Stefan Koubek, Wolfgang Rottmann, Wolfgang Perner, und Johannes Eder. Es lebe der Amateursport!

und HANS KNAUSS.

"Man kann aus einem Ackergaul kein Rennpferd machen. Es gibt auch keine Abkürzungen auf dem Weg zum Erfolg." Da redet der Richtige :-) Doping hat Österreicher zu Langlaufweltmeistern und Olympiamedaillengewinnern gemacht.

"Doping hat Österreicher ..."

Du glaubst, dass das nur für Österreicher gilt?

Setze einfach Österreicher in diesem Zusammenhang mit Ackergaul gleich dann verstehst du wie es gemeint ist

ironing mit Esel gleichsetzen passt auch.

Stadlober Fan? Der war sicher als Einziger sauber! :-)

Wer seine Tochter eine Ausdauerleistungssportart machen lässt ist eh nicht ganz bei Trost. Da gehört Doping schließlich zum Training dazu.

Pappnase Nr.1
klarer Spitzenreiter! congrats

Mich wundert, ob die Tochter überhaupt langlaufen will. Schaut ein bisschen nach dem überehrgeizigen Vater aus.

in einem halben Tag 13 rote Striche! Leider begründet keiner den Strich. Da es in AUT schwierig ist, Langläuferinnen zu finden, schließe ich Willkür aus. Die Frage, ob Stadlober jr wirklich langlaufen will, oder das nur der Ehrgeiz vom Vater ist, ist berechtigt. Wer kennt nicht diese Väter. Nicht alle sind damit so erfolgreich wie Papa Williams, Kostelic, Giradelli u.ä. Erfolgreiche Langläufer rennen Jahre einsam durch Wälder und sind keine Teamplayer. Das macht den Umgang schwierig. Stadlober ist so ein Erfolgreicher. Die ÖSV-Verweigerung ist für sie ein Glücksfall, sie soll ordentlich studieren gehn, mit dem Sport kann sie nix verdienen und landet nur mit 35 als nichtvermittelbar beim Verein von der Mama.

Pappnase Nr.2

Interessante Situation

danke fuer den Berich

Sorry - 'Bericht' ...

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