Zwei alte Freunde, eine blöde Geschichte

  • Alois Stadlober (li) will mitreden, aber eben auch mitentscheiden. Markus Gandler (re) hält für Teresa Stadlober stets ein G'wandl bereit.
    foto: apa/ gindl

    Alois Stadlober (li) will mitreden, aber eben auch mitentscheiden. Markus Gandler (re) hält für Teresa Stadlober stets ein G'wandl bereit.

Weltmeister Stadlober will seine Tochter Teresa derzeit nicht der Verbandsbetreuung aussetzen

Wien - Nicht bei Philippi, nein in Seefeld sieht man sich wieder. Am Wochenende trifft Markus Gandler (46) anlässlich der Langlauf-Fis-Rennen in der noch ziemlich schneearmen Olympia-Region ob Innsbruck Alois Stadlober (50). Die beiden waren 1999 in Ramsau die Hälfte der goldenen österreichischen Langlaufstaffel und nach der Karriere kurzzeitig auch Geschäftspartner.

Ihre jahrzehntelange Freundschaft hat aber gelitten, als der österreichische Skiverband, dem Gandler als sportlicher Leiter für Biathlon und Langlauf dient, Anfang Oktober Stadlobers 19-jährige Tochter Teresa ebenso wie deren Kollegin Veronika Mayerhofer aus seinem Langlaufkader und damit auch sämtliche Förderungen strich.

Funktionär wie Vater empfinden das als eine für die Öffentlichkeit nicht leicht nachvollziehbare, "blöde G'schicht". Nicht nachvollziehbar auch, weil der ÖSV vor dem Eklat die Bildung eines Damenteams angekündigt hatte, das 2014 und in Sotschi olympisch die Staffel laufen soll.

Dafür wurde in Alexander Marent ein Trainer nominiert. Der ist zwar auch noch mit Stadlober aktiv gewesen, kam aber mit dem Trainervater auf keinen Nenner, was die Betreuung von Teresa betrifft. "Mitreden ist gut, mitentscheiden ist besser", sagt Stadlober, der von Auffassungsunterschieden zu Training und Trainingsplanung spricht. Er meint auch, dass die aktuelle Trainergeneration viel vor dem Laptop sitze, um Leistungskurven zu studieren, auf den Athleten selbst aber weniger schaue. "Im Training müssen alle bis zu 90 Prozent das Gleiche machen, darüber hinaus sollte die Betreuung individueller sein."

Gandler kann Stadlober verstehen ("Er schaut halt auf sein Dirndl"), sagt aber auch, dass die letzte Entscheidung beim Trainer liegen müsse. Schließlich wurde Sportdirektor Hans Pum mit dem Fall beschäftigt - mit bekanntem Ergebnis, aber auch der Zusicherung, dass die Türen für die Athletinnen jederzeit offen stünden. Gandler: "Ihre ÖSV-G'wandln liegen jedenfalls bereit."

Einstweilen organisiert und finanziert Alois Stadlober das Training und die Starts seiner Tochter. Natürlich hat er als nordischer Sportkoordinator des Landes Steiermark mit Sitz in Ramsau viele Möglichkeiten, "mit 10.000 bis 15.000 Euro muss ich aber rechnen". Teurer käme es, wenn auch sein Sohn Luis dem ÖSV den Rücken kehrte, weil der 21-Jährige dann mit Bundesheer und Sporthilfe Probleme bekäme. Also bleibt der B-Kader-Athlet im ÖSV, der übrigens Roswitha Stadlober seine Vizepräsidentin nennt.

Die Einbindung ihres Gatten in den ÖSV ist auch zum Bedauern Gandlers nicht gelungen. Alois Stadlober, zuweilen als Experte beim ORF und auch sonst gut beschäftigt, hat dafür triftige Gründe: "Als Trainer kann ich ja von heute auf morgen weg sein." Zum Beispiel bei Erfolglosigkeit.

Hat Teresa Stadlober aber, was bei ihrer Leistungsentwicklung anzunehmen ist, auch außerhalb des Verbandes Erfolg, dürfte der Druck eher aufseiten des ÖSV liegen. Zumal Österreich im Langlauf seit Zerschlagung des Herrenteams infolge des Olympiaskandals von Turin auf Weltcup-Niveau nahezu inexistent ist. "Man kann aus einem Ackergaul kein Rennpferd machen. Es gibt auch keine Abkürzungen auf dem Weg zum Erfolg. Aber ein bisschen mehr sollte mit unseren Strukturen drinnen sein", sagt Alois Stadlober.

Gandler sagt, dass der Aufbau "genauso zach wie erwartet" ist, verweist aber auf gute Resultate im Nachwuchs. Solche hat auch Teresa Stadlober geliefert. Bei Philippi, nein in Seefeld, sieht man sich wieder. (Sigi Lützow, DER STANDARD, 28.11.2012)

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