Ehrendoktorat für drei aus Wien vertriebene Forscher

27. November 2012, 18:01
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Alfred Bader, Walter Kohn und Peter Pulzer mussten in ihrer Jugend vor den Nazis fliehen

Wien - Der kanadische Chemiker und Unternehmer Alfred Robert Bader, der US-Physiker und Chemienobelpreisträger Walter Kohn und der britische Historiker und Politikwissenschafter Peter George Julius Pulzer wurden in den 1920er Jahren in Wien geboren und mussten in ihrer Jugend vor den Nationalsozialisten fliehen. Nun werden die drei renommierten Wissenschafter von der Universität Wien mit Ehrendoktoraten ausgezeichnet. Die Verleihung findet kommenden Dienstag (4.12.) an der Uni Wien statt, hieß es am Dienstag in einer Aussendung.

Die Uni Wien zählt Bader, Kohn und Pulzer gemeinsam mit dem Chemiker und Entwickler der Antibaby-Pille, Carl Djerassi, zu den "Vier Weltstars der Wissenschaft", die ihre Wurzeln in Wien haben und aufgrund ihrer jüdischen Herkunft 1938/39 von dort vertrieben wurden. Djerassi wurde bereits vergangenen Juni zum Ehrendoktor der Universität Wien ernannt.

Alfred Robert Bader wurde 1924 in Wien geboren. Ende 1938 floh er mit einem Kindertransport nach Großbritannien und kam als "Enemy Alien" in ein kanadisches Kriegsgefangenenlager. 1941 begann er an der Queen's University in Kingston (Kanada) das Studium der Technischen Chemie und machte 1950 in Harvard sein Doktorat. Er war Gründer und Präsident der Firma Sigma-Aldrich, einem der weltweit größten Produzenten von Forschungschemikalien. Als Kunstsammler und Mäzen finanziert er zusammen mit seiner Frau Isabel Projekte aus Kunst und Naturwissenschaften. Mit seiner Unterstützung wurde an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) der Ignaz L. Lieben Preis wieder eingerichtet.

Walter Kohn wurde 1923 in Wien geboren. So wie Bader floh er mit einem Kindertransport nach Großbritannien und wurde von dort als "Enemy Alien" nach Kanada gebracht. Zwei Jahre später kämpfte er für Kanada mit den Allierten. Er studierte Mathematik und Physik, 1948 wurde er in Harvard promoviert. 1959 veröffentlichte er seine Entdeckung zur Kohn-Anomalie. 1979 wurde er Professor an der University of California, Santa Barbara, wo er auch emeritierte. Gemeinsam mit John A. Pople erhielt er 1998 für die Entwicklung der Dichtefunktionaltheorie den Chemie-Nobelpreis. 2011 wurde Kohn Ehrenmitglied der ÖAW.

Peter George Julius Pulzer wurde 1929 in Wien geboren und floh 1939 mit seiner Familie nach Großbritannien. Er studierte an der Universität Cambridge Geschichte und wurde 1960 promoviert. Im Jahr 1964 erschien sein Standardwerk der Antisemitismusforschung "The Rise of Political Anti-Semitism in Germany and Austria". 1985 wurde Pulzer an die Universität von Oxford berufen, wo er auch emeritierte. Pulzer ist Vorsitzender des Leo Baeck-Instituts in London - eine Dokumentations- und Forschungsstätte für die Geschichte und Kultur des deutschsprachigen Judentums. (APA, 27.11.2012)

Verleihung von Ehrendoktoraten der Universität Wien an Alfred Bader, Walter Kohn und Peter Pulzer, 4. Dezember, 11.00 Uhr, Großer Festsaal, 1., Universitätsring 1

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