Stronach geht in die Gegenoffensive

27. November 2012, 18:33
461 Postings

Frank Stronach beschuldigt die ehemalige schwarz-blaue Regierung, Magna-Geschäfte als Gegengeschäfte deklariert zu haben - obwohl dies "normale Geschäfte" gewesen seien

Wien - "Einer sagt die Unwahrheit: entweder Magna oder Frank Stronach", greift jetzt der ehemalige Wirtschaftsminister der ÖVP, Martin Bartenstein, massiv in die Debatte um die Eurofighter-Gegengeschäfte ein.

Bartenstein, der in der schwarz-blauen Regierung für die Abwicklung der Kompensationsgeschäfte zuständig war, weist auf eine Aussage Stronachs anlässlich der Eröffnung der Parteizentrale des Team Stronach in Baden Anfang der Woche hin, wo Stronach sinngemäß gemeint hatte, die Regierung habe seinerzeit Geschäfte von Magna, die mit EADS abgewickelt wurden, als Gegengeschäfte anerkannt, obwohl diese längst im Laufen, also nicht neu waren.

Ex-Minister droht zu klagen

Wenn diese Behauptung von Stronach stimme, sagte Bartenstein am Dienstag im Standard-Gespräch, "dann hat Frank Stronach ein Riesenproblem - und mit ihm Magna". Laut Vertrag gelten nämlich als Gegengeschäfte nur neue Geschäfte, also zusätzliche Aufträge, die als Kompensationen angerechnet wurden. "Wenn die Geschäfte schon gelaufen sind, wie jetzt Frank Stonach sagt, heißt das, dass wir angelogen worden sind und das müsste natürlich auch rechtliche Konsequenzen haben."

Für Magna hieße das, dass die bereits genehmigten Gegengeschäfte obsolet seien, denn man sei dann ja getäuscht worden, argumentiert Bartenstein. Sollte aber Magna die Wahrheit sagen, und dabei bleiben, dass es sehr wohl echte Gegengeschäfte gab, dann "hat Frank Stronach ein wirklich großes Problem".

"Scheingeschäfte"

Ähnlich argumentiert jetzt auch der heutige Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP). Der Minister pocht darauf, dass es Unterschriften aus dem Magna-Konzern gebe, die die Anrechnung als Gegengeschäfte besiegelten. Gegenschäfte seien an sich "nichts Irrationales, nur sollte man auch dazu stehen". Ansonsten entstehe eben der Eindruck von " Scheingeschäften". Mitterlehner geht bei Magna mittlerweile von Gegengeschäften in Summe von 350 Millionen Euro aus.

Frank Stronach geht im Gespräch mit dem Standard nun in die Gegenoffensive. Er beharrt darauf, dass nicht er oder Magna, sondern die Regierung selbst die damals bereits laufenden Geschäfte als Gegengeschäfte ausgewiesen habe. Stronach: "Wir hatten immer schon Aufträge, auch von Daimler-Mercedes. Vor dem Ankauf, während des Ankaufes und auch danach, weil Autoeinkäufer Produkte mit dem besten Preis und der besten Qualität einkaufen. Ich kann nicht verhindern, dass die Regierung Geschäfte, die wir sowieso hatten, als Gegengeschäfte ausweist. Tatsache ist: Wir haben in keinster Weise vom Ankauf profitiert, und ich habe nie mit EADS gesprochen, verhandelt und habe auch nie jemanden getroffen." Im Übrigen sei er sich "ziemlich sicher, dass wir in dieser Zeit in Österreich nur minimalen Gewinn gemacht haben."

Brief aus dem Jahr 2001

Stronachs Aussagen könnten zumindest im Zusammenhang mit jenem vom Profil veröffentlichten Brief Sinn machen, den der ehemalige Aufsichtsratschef des Eurofighter Konzerns EADS, Manfred Bischoff - auch Vorstand der an EADS beteiligten Daimler-Chrysler AG - im Jahr 2001, also noch weit vor der Eurofighter Typenentscheidung, an den damaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser geschrieben hatte.

Darin war von einer "Paketlösung" die Rede und von Hinweisen, dass Daimler-Chrysler "... entsprechende Beiträge zur Erfüllung der Kompensationsforderungen bereits heute leistet". Genau auf diese erwähnten Geschäftsbeziehungen weißt auch Stronach hin.

Zu klären wird jetzt sein, wie diese Geschäfte dann auf die Liste der genehmigten Gegengeschäfte gekommen sind.(Walter Müller, DER STANDARD, 28.11.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Neo-Politiker und Magna-Gründer Frank Stronach bleibt dabei: Sein ehemaliger Konzern Magna habe nicht von Gegengeschäften für den Eurofighter- Ankauf profitiert. Er habe nie mit dem Eurofighter-Konzern EADS gesprochen.

Share if you care.