Die größten Akrobaten der Erde

  • Ein Blauwal taucht ab. Um sich möglichst viel Krill einzuverleiben, drehen sich 
die Riesen um die eigene Achse.
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    foto: ari friedlaender

    Ein Blauwal taucht ab. Um sich möglichst viel Krill einzuverleiben, drehen sich die Riesen um die eigene Achse.

Trotz ihrer gewaltigen Dimensionen führen auch Blauwale - ähnlich wie ihre kleineren Verwandten - erstaunliche Manöver durch - Ihre Pirouetten um die eigene Achse dienen allerdings nur einem einzigen Zweck: die Futteraufnahme zu maximieren

Sie sind mit einer Länge von bis zu 33 Metern und einer Körpermasse von bis zu 200 Tonnen die größten und schwersten bekannte Tiere, das jemals auf unserem Planeten gelebt haben. Um solche gigantische Körper zu formen und in Schuss zu halten, müssen die Meeressäuger eine ganze Menge von ihren bevorzugten Nahrungsmitteln vertilgen, nämlich Plankton und Krill.

Das wiederum sind im wesentlichen kleine Krebstiere (und ihre Larven), die gerade einmal einige Millimeter oder Zentimeter klein sind und die Blauwale mit ihren Barten aus dem Meerwasser sieben. (In raren Fällen müssen auch Fischschwärme daran glauben.) Da Blauwale im Winter nichts fressen, müssen sie sich ihre Energiereserven im Sommer anfuttern. Und dann können es schon einmal vier Tonnen Krill pro Tag sein, die aus dem Wasser gefiltert werden.

Video: National Geographics Crittercam - Erste Hälfte der Rolle eines Blauwales während des Fressens.

Trotz ihrer in jeder Hinsicht gewaltigen Dimensionen scheinen Blauwale echte Unterwasserakrobaten zu sein. Und das hat ursächlich mit ihrer speziellen Form der Nahrungsaufnahme zu tun, wie ein US-amerikanisches Forscherteam um Jeremy Goldbogen nun durch einzigartige Videoaufnahmen belegen kann.

Erstaunliche Manöver

Wenn sich Blauwale einem Krillschwarm näheren, dann lässt der sich nicht einfach so mit einem gewaltigen Schluck einverleiben, sondern versucht auszuweichen. Das wiederum fordert von den gigantischen Meeressäugern ein rasches Reagieren und führt zu ziemlich erstaunlichen Manövern, berichten die Wissenschafter in den Biology Letters: Die am Walkörper angebrachten Sensoren und Kameras zeigten, dass die Tiere sich bei ihren Beutezügen regelmäßig 360 Grad um die eigene Achse drehen. Auf diese Weise dürfte es den Tieren möglich sein, das Unterkiefer so auszuklappen, dass maximale Mengen an Meerwasser mit Krill eingesaugt werden können.

Blauwale machen ihre Pirouetten indes nicht nur beim Fressen selbst, sondern auch bei der Suche nach Futter, wie die Meeresbiologen herausgefunden haben. Die Drehungen dienen dabei dazu , die Krill- und Planktonschwärme besser einzuschätzen, um sich beim nächsten Maul-Aufreißen eine möglichst große Menge Futter einzuverleiben. (Klaus Taschwer, DER STANDARD, 28.11.2012)

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