Neuer Chef für Bank of England

27. November 2012, 18:52
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Amtswechsel in London: Der Kanadier Mark Carney wird neuer Gouverneur der Zentralbank in Großbritannien

Vieles wird sich ändern im Herzen der Londoner City, dafür hat Mark Carney schon vor Amtsantritt gesorgt. Sein Gehalt als Leiter der Bank of England wird um rund die Hälfte höher liegen als das des derzeitigen Gouverneurs Mervyn King. Dafür will der 47-Jährige nur halb so lang im Amt bleiben wie seine vier Vorgänger, die es auf jeweils zehn Jahre brachten.

Carney erhält deutlich mehr Verantwortung als King: Von 2013 an ist der Gouverneur nicht mehr nur für die Zinspolitik im Vereinigten Königreich zuständig, ihm fällt auch wieder die Aufsicht zu über den wichtigsten Finanzplatz der Welt. Vor allem aber übernimmt zum ersten Mal in der 318-jährigen Geschichte der "Dame von der Threadneedle Street" ein Ausländer den Chefposten: Carney ist Kanadier.

"Großbritannien braucht den Allerbesten", begründete Finanzminister George Osborne seinen Überraschungscoup. Monatelang hatte der Konservative den derzeitigen Chef der kanadischen Zentralbank über den großen Teich zu locken versucht. Dessen Vorbehalte sollen vor allem im Privaten gelegen haben: Carneys Frau, eine englische Ökonomin, und die vier Töchter fühlen sich in Ottawa pudelwohl. Andererseits gibt es kaum eine reizvollere Aufgabe für die Generation "ehrgeiziger, international ausgerichteter Zentralbanker mit Marktorientierung", zu der die Financial Times Carney zählt.

"Größte Herausforderung"

Er gehe immer gerne dorthin, wo "die größte Herausforderung" ist - ein ambivalenteres Kompliment hätte der Ex-Eishockeyspieler und Heavy-Metal-Fan seinem neuen Arbeitgeber kaum machen können.

Tatsächlich übernimmt der Kanadier eine mächtige, aber auch im Kern verunsicherte Institution. Unter Kings professoraler Führung ließ die Bank of England der City viel zu lang freie Hand und zeigte im globalen Finanzcrash große Unsicherheit. Die Rettung insolventer Finanzunternehmen wie Royal Bank of Scotland und Lloyds bugsierte Ex-Premier Gordon Brown weitgehend an King vorbei. Unter der konservativ-liberalen Koalition hat der Gouverneur brav immer neue Milliarden gedruckt, 375 Milliarden bisher. In der Realwirtschaft merkt man davon wenig: Das Wachstum stottert, die Inflation liegt mit 2,7 Prozent dauerhaft über der angestrebten Zwei-Prozent-Marke, die Erwerbslosenquote bei 7,8 Prozent.

Carney hat das Finanzsystem kritisiert, "in dem Gewinne privatisiert und Verluste nationalisiert" werden. Freilich diente er nach Studium und Doktorarbeit in Harvard und Oxford 13 Jahre bei der legendären Geldmaschine Goldman Sachs, ehe er zum Zentralbanker umschulte. Linke Ökonomen wie Ann Pettifor von der New Economics Foundation befürchten daher auch, dass sich wenig ändern wird: "Carney steht für Business as usual."

Finanzminister Osborne, die Koalition, aber auch die Labour-Opposition sind hingegen begeistert. Nicht einmal die Nationalität des neuen Mannes ficht die Claqueure an. Erstens wolle Carney die britische Staatsbürgerschaft annehmen, beteuert Osborne. Und als Kanadier sei er immerhin schon jetzt "Untertan der Queen". Manches ändert sich eben nicht. (Sebastian Borger aus London, DER STANDARD, 28.11.2012)

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    Ein Ex-Eishockeyspieler, Oxford- Absolvent und Kanadier rückt an die Spitze der Bank of England: der derzeitige Notenbankchef Kanadas, Mark Carney.

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