"Von kulturellen Gütern sollten alle profitieren"

Interview |
  • Projekte mit Do-it-yourself-Charakter: Die Musiker Johannes Bode, Patricia Moreno, Peter Schroll und Darius Edlinger (von links) machen von der Werbung bis zur CD-Produktion das meiste selbst.
    foto: standard/urban

    Projekte mit Do-it-yourself-Charakter: Die Musiker Johannes Bode, Patricia Moreno, Peter Schroll und Darius Edlinger (von links) machen von der Werbung bis zur CD-Produktion das meiste selbst.

Die vier Musiker Patricia Moreno, Peter Schroll, Darius Edlinger und Johannes Bode über ihr studentisches Künstlerleben, ihre Projekte und Ansprüche

UNISTANDARD: Wien gilt gemeinhin als die Weltstadt der Musik. Wie gestaltet sich die Situation für Jungmusiker in Österreich verglichen mit anderen Ländern?

Moreno: Ich war am Berklee College in Boston, und dort gibt es viele junge gute Musiker, wodurch die Konkurrenz groß ist und man kaum Gigs bekommt. Hier ist das einfacher, doch leider erhält man als Musiker für seine Arbeit oft nicht genug Wertschätzung.

Bode: Viele erkennen Musik nicht als Arbeit im klassischen Sinne an und sind irritiert vom Gedanken, dass ein Beruf auch Spaß machen kann. Zudem gibt es in Österreich zu wenig Förderungen für junge Leute, die davon leben wollten.

UNISTANDARD: Wie steht ihr zur Forderung nach einer Quote für einheimische Musik im öffentlich-rechtlichen Radio?

Schroll: Österreich ist hier sehr hintennach. Ich war letztes Semester auf Auslandssemester in Finnland, wo sogar über 50 Prozent heimischer Musik im Radio gespielt werden. Die 30-Prozent-Quote, die hierzulande von SOS-Musikland (Initiative zur Erhöhung des Anteils heimischer Musik im Radio, Anm.) mit dem ORF vereinbart wurde, ist leider bisher noch nicht erreicht worden.

UNISTANDARD: Wie relevant ist die Uni für euch und euer Schaffen?

Bode: Auf der Bildenden sind viele Musiker, und es gibt auch viel Austausch. Die Musikuni fehlt mir speziell insofern nicht, weil bei mir nicht die Ausbildung an einem Instruments im Vordergrund steht, da ich viel mit elektronischen Sounds arbeite.

Moreno: Neben Berklee habe ich an zwei Unis in Wien studiert. Der Fokus lag immer auf dem Künstlerdasein und der Persönlichkeitsentwicklung. Das hat mir künstlerisch sehr viel gebracht.

UNISTANDARD: Was sagt ihr zur Debatte zum Urheberrecht und zur Ahndung illegaler Downloads?

Edlinger: Urheberrecht ist wichtig, aber ich finde es gefährlich, sich für Dinge wie Acta (Anti-Produktpiraterie-Handelsabkommen, Anm.) auszusprechen, nur weil ein einziger Punkt davon mir als Künstler zugutekommt.

Bode: Wir brauchen keine weiteren Beschränkungen, sondern müssen uns fragen, wie wir alle von kulturellen Gütern profitieren können, ohne die kommerzielle Verwertung komplett außer Acht zu lassen, beispielsweise über Abgaben auf Internetanschlüsse.

Schroll: Das würde uns Künstlern gegenüber auch von einer höheren Wertschätzung zeugen.

Edlinger: Die Frage ist, wie diese Abgaben aufgeschlüsselt werden. Bei Streamingdiensten beispielsweise sind die Beträge, die pro Stream an den Künstler gehen, verschwindend gering.

UNISTANDARD: Viele gehen jetzt zurück zu Vinyl oder Kassetten. Wie wollt ihr produzieren?

Bode: Ich baue gerade das Netlabel Dickgelb auf, bei dem wir Gratisdownloads anbieten, mit Spendenmöglichkeit. Wir wollen auch Tonträger mit Do-it-yourself-Charakter produzieren, vielleicht LP-Covers im Siebdruckverfahren. Vinyl ist ein super Medium.

Schroll: Hält länger als Festplatten!

Moreno: Meine letzte CD-Aufnahme ist schon einige Zeit her, bei dieser haben wir alles selbst produziert. Die meisten CDs verkaufen wir bei Konzerten.

UNISTANDARD: Was bedeutet Musik für euch persönlich?

Bode: Das Besondere an der Musik ist für mich, dass es ein stark zeitgebundenes Medium ist. Ein Bild kann man so lange anschauen, wie man will. Das Lied dauert, solange es dauert.

Schroll: Musik kann unheimlich viel sein. Ein Medium, um sich selbst zu spüren, eine universelle Sprache, um sich mit der Welt zu verbinden. Schön wäre auch, wenn wir davon leben könnten.

Edlinger: Das Business ist zwar nicht zu unterschätzen, aber mein musikalisches Schaffen ist für mich zuerst individueller Ausdruck und erst in zweiter Linie etwas, das ich für andere mache.

UNISTANDARD: Welche musikalischen Projekte verfolgt ihr derzeit?

Moreno: Mit der Patricia Moreno Band spielen wir Latin Jazz, weil ich Jazz studiert habe und meine Wurzeln in Lateinamerika liegen.

Edlinger: Ein Projekt sind die Nebenzimmer-Sessions. Wir machen clubtaugliche, beatlastige Musik, aber live und improvisiert. Mit wechselnden Gästen spielen wir Jazz, Hip-Hop und Elektronik.

Schroll: Ich bin in der Family Kuti Band, einer Afrobeat-Bigband, und beim Indian Funk Project, einer großteils improvisierten Fusion indischer und westlicher Musik.

Bode: Ich mache Soundprojekte auf der Uni, habe ein elektronisches Soloprojekt namens the neary heart und die Band Ryo Sketch. (Selina Thaler, Jakob Kraner, UNISTANDARD, 22.11.2012)

JOHNNES BODE (30) studiert Kunst und digitale Medien an der Akademie der bildenden Künste.

DARIUS EDLINGER (27) studiert Gitarre (Popularmusik) an der Universität für Musik und darstellende Kunst.

PATRICIA MORENO (24) studierte Jazzgesang am Konservatorium Wien, derzeit ist sie in Instrumental- und Gesangspädagogik an der Universität für Musik und darstellende Kunst inskribiert.

PETER SCHROLL (33) studiert Gitarre (Popularmusik) an der Universität für Musik und darstellende Kunst.

Nächste Konzerte in Wien: Nebenzimmer-Sessions 20. 12., Café Leopold; Patricia Moreno 12. 12. (Jazzlokal "Zwe"); Indian Funk Project 15. 12. (Jamhouse)

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10 Postings

Soso. Bobo-Kinder wollen sich ihr Zeug von mir über meinen beruflich erforderlichen Internet-Zugang finanzieren lassen, um sich ungestört in Zeiten wie diesen aus allem Politischen raushalten und sich der "Persönlichkeitsentwicklung" und dem "künstlerischen Dasein" widmen zu können.

Hipster-Musiker im Bildungsbereich ...

...verlangen Abgaben auf Internetanschlüsse.

Und zugleich die Downloads gratis feilbieten wollen...das Einkommen kommt eh Durch die Abgabe . Das ist vermutlich der künsterlische Lebensstil, auf den sie. A derjenige vorbereitet werden

Neoliberale Nummer aller ÖVP-linge: Man finanziert sich das schöne Leben aus den Börseln der Arbeitenden.

der nachwuchs

von "kunst hat recht"

lächerliche individuen ...

man will sich bezahlen lassen für seine ergüsse die keinen interessieren und wundert sich warum ...

Mal wieder

super ignorante Kommentare. Als würde nie jemand Radio/Musik hören, Filme/Serien schauen, ins Kino/Theater gehen oder Bilder/Fotos bei sich hängen haben. Aber schön laut die junge Kunst durch den Dreck ziehen.

Üblicherweise bieten KünstlerInnen etwas an, und wenns gefällt, wird es gekauft.

Diese Kinder hier wollen sich auf Kosten der Allgemeinheit, frei von allem Produktionsdruck, ein schönes Leben machen.

Da besteht schon ein gewisser Unterschied zu schöpferischen und hart arbeitenden Individuen, glauben Sie nicht?

super ignorant

ich zahl nur was ich konsumiere...
oder
kohle her ich bin künstler (Abgaben auf Internetanschlüsse)

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