Ulrich Seidl: "Meine Filme sind keine Karikaturen"

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Der heuer bei den Filmfestspielen von Venedig ausgezeichnete Regisseur von "Paradies: Liebe" stellte sich den Fragen der Userinnen und User

"Ich verfilme nicht die derbe Realität, sondern die Realität wie sie ist", so Filmregisseur Ulrich Seidl im derStandard.at-Chat über seine filmische Arbeit. Er sehe sich nicht als "Deix des Filmes", da es sich bei seinen Filmen nicht um Karikaturen handle. Der Film "Hundstage" sei keineswegs eine Überzeichnung. Hinsichtlich seines aktuellen Filmes "Paradies: Liebe" spricht sich Seidl für eine unterschiedliche Beurteilung von weiblichem und männlichem Sextourismus aus. Im Chat nahm der zuletzt bei den Filmfestspielen von Venedig mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnete Regisseur auch zum Zwist mit der Viennale und dem "österreichischen Filmwunder" Stellung und verriet, dass sein nächstes Filmprojekt mit dem Waldviertler Räuberhauptmann Grasel zu tun hat.

ModeratorIn: Wir begrüßen Ulrich Seidl, dessen Film "Paradies: Liebe" jetzt in die Kinos kommt, ganz herzlich im Chat und freuen uns auf viele Fragen.

Ulrich Seidl: Guten Tag, ich freu mich auf spannende Fragen.

KeineMeinung: Die Art, in der Sie die Kammera führen lassen, lässt den Menschen vor ihr oft irgendwie verloren - ja auch lächerlich - erscheinen. Ich finde, daß Sie dadurch bestimmte sehr beeindruckende Wirkungen erzielen. Aber wenn man darüber nachdenkt, erschei

Ulrich Seidl: Nein, keineswegs.

rigalomania: Haben Sie eigentlich manchmal Lust einen biederen Unterhaltungsfilm zu drehen und wenn ja, was wäre die Story?

Ulrich Seidl: Nein. Ich habe genug Stoffe und Drehbücher in der Schublade für den Rest meines Lebens.

neck: Hallo! Wie gestaltete sich die Arbeit mit Laiendarstellern in Kenia, bzw. wie lange wurde gecastet?

Ulrich Seidl: Es wurde mit Unterbrechungen über einen Zeitraum von zwei Jahren gecastet. Die Rollen wurden von wirklichen beach boys übernommen, wobei es nicht leicht war Vertrauen zu ihnen aufzubauen. Weil sie mussten ja für den Spielfilm das wiedergeben, was sie eigentlich von Beruf wegen machen.

UserInnenfrage per Mail: Warum haben Sie Ihre jüngsten Filme nicht bei der Viennale gezeigt? 18 Uhr ist doch eigentlich kein schlechter Vorführtermin, wie ausverkaufte Premieren von mehreren österreichischen Filmen gezeigt haben.

Ulrich Seidl: Auf allen Festivals dieser Welt hat man Mitspracherecht bei der Programmierung seiner Filme. Bei der Viennale mit Hans Hurch war das nicht möglich und ich finde dass meine Filme sehr wohl einen Hauptabendtermin verdient hätten.

UserInnenfrage per Mail: Nicht nur in feministischen Kreisen wird zunehmend gemunkelt, Sie seien der neue Lars von Trier Österreichs. Was halten Sie dem Vorwurf der Misogynie entgegen?

Ulrich Seidl: Von wem kommt der Vorwurf? Ich hab den Vorwurf eigentlich noch nie bekommen. Eigentlich im Gegenteil.

Breschnew: Sind Sie in Eggenburg (Waldviertel) zur Schule gegangen?

Ulrich Seidl: Meinen Sie die Anstalt für Schwererziehbare? Leider nein.

ModeratorIn: Wie ich sehe, hat Ulrich Seidl ein Buch über den Räuberhauptmann Grasel mitgebracht. Wenn ich mich richtig erinnerte, gibt es ein fertiges Drehbuch und Sie waren auch schon auf Location-Suche in Rumänien. Liegt das Projekt auf Eis?

Ulrich Seidl: Der Grasel-Film wird das nächste Projekt sein. Ich glaube, dass nach der Paradies-Trilogie und dem noch fertig zu stellenden Film Im Keller der richtige Zeitpunkt gekommen ist, endlich dieses große Projekt eines historischen Films anzugehen.

green man: Sehr geehrter Herr Seidl Sehen Sie den Österreicher so, wie er in "Hundstage" dargestellt wird, oder ist dieser Film eine bewußte Überzeichnung?

Ulrich Seidl: Dieser Film ist keineswegs eine Überzeichnung, schauen Sie sich doch selber an. Auch Sie hätten in Hundstage vorkommen können.

gabs0110: Mir fällt auf, dass Sie gerne mit Symmetrie im Bildaufbau arbeiten. Wieso?

Ulrich Seidl: Meine Bilder sind oft kirchliche Altarbilder, was wahrscheinlich aus meiner Zeit als Ministrant inspiriert wurde.

UserInnenfrage per Mail: Man liest immer wieder von einem „österreichischen Filmwunder“. Aber gibt es ein solches wirklich? Wie schaut es mit der Situation für heimische Filmemacher in der Realität aus?

Ulrich Seidl: Der österreichische Film ist im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, insbesondere zu den Filmen aus Deutschland, tatsächlich als Filmwunder zu sehen. Wir werden international allerorts beneidet darum. Das heißt aber nicht, dass alle Projekte realisiert werden können und deswegen ist für viele angehende Filmemacher die Situation schwierig.

Hustler: Woltle nur Danke für deine bisherigen Filme sagen, sie gefallen durch die Bank :)

Ulrich Seidl: Gern geschehen, danke.

eraser head: Herr Seidl, schauen Sie sich eigentlich selbst viele Filme an, bzw. welche Filme hinterliessen bei Ihnen in der jüngsten Vergangenheit einen Eindruck?

Ulrich Seidl: Habe in den letzten Monaten kaum Zeit gefunden Filme anzuschauen. Der letzte Film den ich gesehen habe war Pieta von Kim Ki Duk, mit dem mein Film Paradies: Glaube auch in Venedig im Wettbewerb war.

UserInnenfrage per Mail: Sie wurden als Vertreter eines „österreichischen Miserabilismus im Kino“ bezeichnet. Können Sie damit etwas anfangen?

Ulrich Seidl: Ich kann damit gar nichts anfangen.

UserInnenfrage per Mail: Wie steht es mit dem Verfahren, das katholische Gruppierungen gegen Sie in Italien angestrengt haben?

Ulrich Seidl: Ich habe bis heute keine Anklage zugestellt bekommen. Womöglich arbeitet die italienische Justiz so langsam.

DrBelacqua: Bei der Symmetrie im Bildaufbau - haben dafür die Filme Pasolinis eine besondere Rolle?

Ulrich Seidl: Nein. Soweit ich es beurteilen kann machte Pasolini keine symmetrischen Bilder.

UserInnenfrage per Mail: Ist Sextourismus von Frauen anders zu beurteilen als von Männern?

Ulrich Seidl: Ja. Bei weiblichem Sextourismus spielt auch die Anbahnung, Zärtlichkeit eine Rolle. Im Gegensatz zum männlichen Sextourismus, wo es meist sofort um das Geschäft geht, spielt bei den Frauen immer so etwas wie Verliebtheit eine Rolle.

p1000: Die Frage von eraser head würde ich gerne aufgreifen und nach den Büchern fragen, die ihnen im Sinn geblieben sind?

Ulrich Seidl: David Foster Wallace: Interviews mit fiesen Männern, Philip Roth: Nemesis.

CustomX: Guten Tag Herr Seidl! Mich würde interessieren ob sie ihr neuestes Werk PARADIES: Liebe in Anlehnung an den Film von Laurent Cantet - Vers le Sud produziert haben? Mir scheint da eine frappierende Ähnlichkeit beider Werke in ihrer Handlung zu besteh

Ulrich Seidl: Haben Sie Paradies: Liebe schon gesehen? Sie werden keinerlei Ähnlichkeit feststellen.

Kaets Malhclim: Glauben Sie das sich das Kreuz in den heimischen Schlafzimmern durchsetzt?

Ulrich Seidl: Möglicherweise wenn die Masturbationsszene aus Paradies: Glaube Vorbildcharakter bekommen sollte.

UserInnenfrage per Mail: Freuen Sie sich darüber, wenn das Publikum in ihren Filmen lacht? Programmieren Sie Lacher in ihren Filmen oder passiert das zufällig?

Ulrich Seidl: Ich programmiere keine Lacher in meinen Filmen, bemühe mich aber immer sehr wohl Humor hineinzubringen. Mich interessiert der Grenzgang zwischen Tragik und Komik.

UserInnenfrage per Mail: Ihre Filme bewegen sich oft entlang der Grenze von Dokumentation und Fiktion. Reizt Sie diese Durchlässigkeit?

Ulrich Seidl: Ja. Seit ich Filme mache, habe ich mich damit beschäftigt.

p1000: Herr Seidl, könnte man meinen, das von ATV produzierte Format "Saturday Night Fever" stellt ein proletarisches Equivalent zu ihrem Schaffen da? Vorausgesetzt sie kennen SNF.

Ulrich Seidl: Ich schaue nie fern, insofern kenne ich Saturday Night Fever auch nicht.

erwin77: Ich freu mich schon sehr auf Neues von ihnen. Was würden sie einer jungen Filmemacher raten?

Ulrich Seidl: Konsequent arbeiten und an das glauben was man macht.

p1000: Herr Seidl, sind sie als Autorenfilmer so unabhängig, dass ihnen kein Produzent vorschreibt, was vielleicht lieber nicht im Film gezeigt werden sollte?

Ulrich Seidl: Ich produziere meine Filme selber.

papst benedikt: wie stehen Sie als betroffener künstler zur diskussion über die festplattenabgaben, urheberrechte und internetfreiheit?

Ulrich Seidl: Ich finde es öd, wenn ich höre, dass Kopien meines Films vor der Premiere seit Tagen im Internet kursieren. Ich halte das wirklich für Diebstahl.

UserInnenfrage per Mail: Haben Sie sich geärgert, dass Kulturministerin Claudia Schmied nicht nach Cannes zu den Premieren von Ihrem jüngsten Film und Hanekes „Amour“ gekommen ist?

Ulrich Seidl: Dafür ist sie am Dienstag zur Premiere im Gartenbaukino gekommen.

UserInnenfrage per Mail: Bringt es für einen angehenden Filmemacher etwas, auf die heimische Filmakademie zu gehen? Oder soll man besser versuchen, gleich einen Film auf die Beine zu stellen?

Ulrich Seidl: Beides ist möglich, es liegt an Ihnen. Die Filmakademie hat allerdings den Vorteil, dass man dort Filme machen kann, ohne dafür bezahlen zu müssen.

Kaets Malhclim: Was gefällt Ihnen an der derben Realität, da Sie diese immer verfilmen?

Ulrich Seidl: Ich verfilme nicht die derbe Realität, sondern die Realität wie sie ist.

bencostan: Welcher Film hat Sie zuletzt als Zuseher verstört?

Ulrich Seidl: Keiner.

UserInnenfrage per Mail: Was darf man sich vom dritten Teil der „Paradies“-Trilogie erwarten?

Ulrich Seidl: Hoffnung, Zärtlichkeit und dicke Kinder.

Cavaliere Austriaco: War auch Elfi Eschk e für eine der Hauptrollen in Diskussion? das wäre doch die Idealbesetzung gewesen

Ulrich Seidl: Ich habe sie nicht gecastet, sie ist für mich nicht in Frage gekommen.

UserInnenfrage per Mail: Über welche Auszeichnung haben Sie sich besonders gefreut?

Ulrich Seidl: Zuletzt über den Spezialpreis der Jury in Venedig und jetzt gerade über die Nominierung von Margarethe Tiesel als beste Schauspielerin beim Europäischen Filmpreis.

erwin77: was mich noch interessiert: wo sind ihre Grenzen,... was sie im Film nicht zeigen würden,..bzw. was sie im Film nicht sehen möchten?

Ulrich Seidl: Kindesmissbrauch.

cafedelmare: Fast 60 Prozent der Österreicher bezeichnen sich selbst als „glücklich“ gehören sie dazu?

Ulrich Seidl: Nein. Woher nehmen Sie die Behauptung der Zahl?

nora104: hallo, wie stehen sie dazu, dass ihre lebensgefährtin im kurier film kritikerin ist und ihre unmittelbaren österreichischen kollegen kritisiert? zumal sie selber ja auch bei der entwicklung ihrer drehbücher beteiligt ist..

Ulrich Seidl: Es gibt auch Filmemacher und andere Künstler, die in Zeitungen publizieren.

eindeutig zweideutig: "Hundstage" ist für mich immernoch der beste Österreichische Film der je gedreht wurde, kenn keinen den dieser Film kalt lies. Auch hier nur ein einfaches "DANKE!"

Ulrich Seidl: Freut mich.

sysiphos: herr seidl, wäre es aus heutiger sicht denkbar, dass sie auch einmal etwas ganz anders, zb heiteres machen, oder ist der seidl'sche realismus das einzige mögliche künstlerische format für sie?

Ulrich Seidl: Meine Filme sind immer auch heiter. Der nächste Film der geplant ist, ist ein historischer Film aus historischem Stoff.

wookie0: Vorbilder?

Ulrich Seidl: Keine mehr.

UserInnenfrage per Mail: Was sagen Sie zum Vorwurf, dass Sie Menschen in Ihren Filmen (speziell in den Dokumentarfilmen) vorführen bzw. denunzieren?

Ulrich Seidl: Der Vorwurf ist längst veraltet und überholt.

Filmliebhaberin: Haben Sie Hans Hurch mit der Tatsache konfrontiert, dass Ihr früherer Film "Import/Export" sehr wohl zum Hauptabendtermin gezeigt wurde!? Also warum nicht auch "Paradies: Liebe"?

Ulrich Seidl: Hans Hurch argumentierte damit, dass alle österreichischen Filme für den 18 Uhr Termin programmiert sind. In solchen Schienen will ich nicht denken.

UserInnenfrage per Mail: Wie beurteilen Sie die österreichische Filmförderung?

Ulrich Seidl: Die österreichische Filmförderung ist vor allem für den internationalen Erfolg des österreichischen Films mitverantwortlich und ausschlaggebend.

eraser head: Sie sind ja einiges an Kritik von Zuschauern, Journalisten etc. gewohnt. Gibt es auch Kritik von Seiten ihrer Darsteller bzw. hat es in der Vergangenheit Brüche und Zerwürfnisse mit ihren Darstellern gegeben?

Ulrich Seidl: Nein, es gibt in der Regel keine Zerwürfnisse mit meinen Darstellern, ganz im Gegenteil. Jeder von ihnen würde in meinem nächsten Projekt wieder mitmachen.

P0lym3R: Sie filmen Profi Schauspieler und Laien zugleich, sind die Filme daher eher sehr strikt nach Drehbuch, oder eher improvisiert?

Ulrich Seidl: Es gibt ein Drehbuch in dem es aber keine geschriebenen Dialoge gibt. Die Szenen werden am Set improvisiert.

einfach auch mal wieder: Gibt es "Paradies: Liebe" auch englischsprachig?

Ulrich Seidl: Nein, aber mit englischen Untertiteln.

papst benedikt: gibt es andere österreichische filmemacher, die Sie schätzen?

Ulrich Seidl: Ja, natürlich.

1f6fe11a-d260-45d8-a95c-2893256d8c89: Welche historische Figur ist für Sie die bedeutendste?

Ulrich Seidl: In solchen Kategorien kann ich nicht denken.

sysiphos: gehen ihnen (öffentliche) anfeindungen bisweilen auch persönlich nahe, zweifeln sie manchmal an etwas, dass sie tun oder gemacht haben, oder s ind sie stets zu 100% davon überzeugt, was sie machen

Ulrich Seidl: Ich zweifle immer an dem was ich mache und bin ein scharfer Kritiker meiner eigenen Arbeit.

Count Saurüssel: Ein deutscher Publizist hat kürzlich über Ihre Filme geschrieben, sie würden eine "Gesellschaft im Zustand der fortgeschrittenen Fäulnis" zeigen. Stimmen Sie dem zu?

Ulrich Seidl: Nein. Ich versuche Spiegelbilder unserer Gesellschaft zu vermitteln. Von Fäulnis würde ich nicht sprechen.

AMF19830: Was hat Sie an der Thematik weiblicher Sextourismus interessiert bzw wie ist die Idee zum Filmentsanden?

Ulrich Seidl: Das Thema Tourismus, speziell Massentourismus, beschäftigt mich schon lange Zeit, wobei der weibliche Sextourismus (ein Teilaspekt des Themas) gegenüber dem männlichen auch noch in unserer Gesellschaft tabuisiert ist.

Rich Mosungo: Musste das sein, dass Maria Hofstätter mit einem Kreuz masturbiert?

Ulrich Seidl: Ja. Im Sinne der Handlung und der Figur eine durchaus vorstellbare Situation.

gersput: Im Film Import Export war ich begeistert von der Darbietung von Michael Thomas als Stiefvater. Was ich mich immer gefragt habe: Kam es in der Szene mit der Prostituierten im Hotelzimmer eigentlich zu tatsächlichen sexuellen Handlungen? Die Szene wir

Ulrich Seidl: Es ist das passiert, was Sie gesehen haben.

1f6fe11a-d260-45d8-a95c-2893256d8c89: Hatten Sie eine glückliche Kindheit?

Ulrich Seidl: Mitunter.

1f6fe11a-d260-45d8-a95c-2893256d8c89: Bekamen Sie schon mal Mord- oder sonstige Drohungen von Menschen, die solche Offenlegung menschlicher Abgründe nicht gutheißen?

Ulrich Seidl: Nein, bis jetzt nicht.

UserInnenfrage per Mail: Man wird bei Ihren Filmen oft das Gefühl nicht los, dass Sie große Lust haben, das Publikum zu provozieren und zu verstören. Ist das so?

Ulrich Seidl: Ja, es geht aber nicht darum zu provozieren um des provozierens willens, sondern es geht mir darum, Wahrheiten aufzuzeigen die sehr oft verstörend sind.

Kaets Malhclim: Würden Sie sich als der Deix des Filmes sehen?

Ulrich Seidl: Nein, keineswegs. Meine Filme sind keine Karikaturen.

gersput: Was wurde eigentlich aus Pauli aus Import Export (Paul Hofmann)?

Ulrich Seidl: Er war vor zwei Tagen bei der Premiere von Paradies: Liebe im Gartenbaukino, wo ich ihn getroffen habe. Er lebt so wie er immer gelebt hat.

eraser head: Sehen Sie sich als erfolgreicher Filmemacher in die Pflicht genommen, junge heimische Filmtalente unkonventionell und direkt zu unterstützen bzw. kann es in Österreich eine andere Förderstruktur geben, als die der öffentlichen Hand?

Ulrich Seidl: Ich glaube - und das ist in ganz Europa so - dass es für den österreichischen Film keine anderen Finanzierungsmöglichkeiten als öffentliche Kulturförderung und Fernsehlizenzen geben kann.

UserInnenfrage per Mail: Warum handeln Sie Sextourismus auf einer so individuellen Ebene ab, ohne darauf einzugehen, dass auch Sextouristinnen Ausdruck des Patriarchats sind?

Ulrich Seidl: Haben Sie den Film gesehen? Er erzählt eine klare Spielfilmhandlung.

wookie0: gehen sie nächstes jahr zur wahl? sind sie ein politischer mensch?

Ulrich Seidl: Ja.

Karl Radek: haben sie die autofahrer, die in "hundstage" die anna mitnehmen, vorher irgendwie gecastet oder erst vor dem dreh angesprochen?

Ulrich Seidl: Sie wurden vorher gecastet und ausgesucht.

Svinka Tinka: Inwiefern waren Ihre Aussagen bei Willkommen Österrreich, in denen Sie pauschalisierend von "den Schwarzen" sprachen, die im Bett "einiges können" und "den Weißen" nur Geld abknöpfen wollen, das sie am nächsten Tag dann eh wieder rausgeworfen haben,

Ulrich Seidl: Was ich gesagt habe, ist das Ergebnis von meinen Erfahrungen die ich über einen langen Zeitraum in Kenia gemacht habe. Aber Willkommen Österreich ist auch nicht die Sendung um fundiert über komplexe Dinge zu sprechen. Ich wollte die unterschiedliche Mentalität und Lebensweise zwischen Afrikanern und Europäern andeuten.

UserInnenfrage per Mail: Sie haben für Paradies: Liebe ihre Laien-Darsteller bezahlt. Wieviel haben sie dafür bekommen?

Ulrich Seidl: Die weissen Frauen waren alle Schauspielerinnen, die Schwarzen beach boys haben als Laien Rollen übernommen und wurden genauso entlohnt wie das in Österreich der Fall sein würde.

neck: Was halten Sie von digitalen Ravolution im Kino, auf die Kameratechnik bezogen, birgt das für Sie mehr Vor-oder Nachteile? (RED, Alexa, usw.)

Ulrich Seidl: Es bringt für mich a priori keine Vorteile.

1f6fe11a-d260-45d8-a95c-2893256d8c89: Ich bewundere Sie und wäre froh, wenn es noch viel mehr solcher Filmemacher gäbe, es braucht Offenheit, nicht Vertuschung. Machen Sie bitte so weiter und liefern Sie Ihren Fans noch viiiiiele Filme!

Ulrich Seidl: Ich werde mich bemühen, danke.

ModeratorIn: Wir bedanken uns bei Ulrich Seidl, dass er in den Chat gekommen ist und bei den Usern für die vielen Fragen.

Ulrich Seidl: Vielen Dank für die große Menge an interessanten Fragen. Ich hoffe dass ab 30. November viele von Ihnen ins Kino kommen.

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