Die Sprache hinter den Klischees

27. November 2012, 17:37
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Schau "Multiple Identität" von Georg Salner im Tiroler Landesmuseum

Präzise, konzeptuell und unterkühlt kommt die Ausstellung Multiple Identität von Georg Salner zunächst daher. Beginnt sie doch mit der Serie Units, die aus 20 quadratischen Wandobjekten besteht. In jedes Objekt ist mittig ein Kreis per Fadenapplikation eingearbeitet. Kreisfläche, Restfläche des Quadrats und Seitenfläche verhalten sich jeweils eins zu eins zu eins. Visuell ist das nicht nachvollziehbar, dafür aber die Variation in den Farben. Georg Salner (geboren 1958, Galtür) nutzt typografische, auch geometrisch vordefinierte Gestaltungen, um "der Beliebigkeit im Formfindungsprozess" zu entfliehen.

Deshalb hat er auch in den 1990ern Serien wie Units entwickelt, die von der Ordnung der Quadratteilungen und von Rechtecken geprägt sind. Nun erfährt dieses Konzept eine Aufweichung. Und die Ausstellung entpuppt sich letztlich auch als Überraschung. Denn der Künstler seziert in der Serie geoXplicit Tagespolitik und den Einfluss durch die Medien in bunten, fast comichaften Aquarellen.

In der eigens für die Ausstellung konzipierten Spiegeltextinstallation hidden decision lässt Salner Besucher zwischen zwei Spiegeln stehen. Auf diesen sind jeweils Listen von Sprachfundstücken wie "hidden decision" oder "selffulfilling prophecy" zu sehen. Im Spiegel dieser vieldeutigen Begriffe steht man dann mittendrin in der Problematik zwischenmenschlicher Kommunikation. Und Salner gelingt es (auf dieser Forschungsreise hinter medial forcierte Klischees und Redewendungen) Räume für eine eigene Sprache zu finden. (koty, DER STANDARD, 28.11.2012)

Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum , bis 20.1. 2013

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