Die Wiener Charta: Mehr als Blabla

Kommentar27. November 2012, 18:04
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Die Stadtregierung wäre gut beraten, aus der Charta auch Handlungen abzuleiten

Natürlich könnte man es sich - so wie die Rathaus-Opposition - leichtmachen und die Wiener Charta als belangloses Blabla abtun. Natürlich ist das Ergebnis nicht vollkommen überraschend; dass "Bitte" und "Danke" wohltut, dass die Stadt sauber sein soll, dass die Wiener laute Telefonate in der U-Bahn nicht leiwand finden - das kann herauskommen, wenn sich eine Stadt einen Selbstreflexionsprozess verordnet. Was dieser wert ist, wird allerdings davon abhängen, was Rot-Grün damit anfängt.

8500 Menschen haben mitgemacht, sie haben sich zusammengesetzt und miteinander geredet. Schon allein deswegen wäre die Stadtregierung gut beraten, aus der Charta Handlungen abzuleiten - und zwar nicht nur bei den Themen, die für SP und Grüne angenehm sind.

Das Fahrwasser der Law-and-Order-Politik

Mehr öffentlicher Freiraum - tausend Rosen, damit rennen die Wiener im Rathaus offene Türen ein. Dass alle Stadtbewohner Deutschkenntnisse brauchen, ist für Rot-Grün schon heikler. Zu sehr hat man Angst vor dem Fahrwasser der Law-and-Order-Politiker, von denen sich in Wien nicht nur bei den Blauen, sondern auch bei den Schwarzen viele tummeln. Genau denen aber ist geholfen, wenn die linke Stadtregierung Liberalität falsch versteht.

Es geht eben nicht alles, wenn Menschen auf engem Raum zusammenleben; die Wiener wissen Manieren und Werte offenbar zu schätzen. Es liegt an Rot-Grün, das aufzugreifen. Sonst verkommt die Charta wirklich zum Blabla. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 28.11.2012)

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