Sexualkunde in der Schule: Schmied lässt Aufklärungsbroschüre überarbeiten

Ina Freudenschuss, Rosa Winkler-Hermaden
27. November 2012, 17:02
  • Die umstrittene Broschüre

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  • Der Verein "Selbstlaut" hat die Broschüre erstellt und reagiert gelassen auf Kritik: "Unser Ziel ist es gewesen, das, was normalerweise nicht sichtbar gemacht wird, sichtbar zu machen."
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    Der Verein "Selbstlaut" hat die Broschüre erstellt und reagiert gelassen auf Kritik: "Unser Ziel ist es gewesen, das, was normalerweise nicht sichtbar gemacht wird, sichtbar zu machen."

  • Eltern empören sich auf Facebook. Am Dienstag hatte die Seite 67 "Likes".
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    Eltern empören sich auf Facebook. Am Dienstag hatte die Seite 67 "Likes".

  • Claudia Schmied hält an der Broschüre fest. Der Passus über die Leihmutterschaft wird überarbeitet.
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    Claudia Schmied hält an der Broschüre fest. Der Passus über die Leihmutterschaft wird überarbeitet.

Bildungsministerin hält an Unterrichtsmaterialien fest, Passus über Leihmutterschaft wird aber überarbeitet

Lehrerinnen und Lehrern zur Verfügung gestellte Unterrichtsmaterialen zur Sexualaufklärung sorgen für Wirbel. Der Verein "Selbstlaut", der die Broschüre im Auftrag des Unterrichtsministeriums erstellt hat, reagiert jedoch gelassen auf Kritik von ÖVP, FPÖ und BZÖ. Die Parteien haben parlamentarische Anfragen an Unterrichtsministerin Claudia Schmied gerichtet, weil sie das Idealbild der "Kernfamilie" bedroht sehen, da gleichgeschlechtliche Paare gleichberechtigt dargestellt werden. (derStandard.at berichtete)

Christa Jordan-Rudolf, Vorstandsmitglied des Vereins "Selbstlaut", sagt dazu im Gespräch mit derStandard.at: "Unser Ziel ist es gewesen, das, was normalerweise nicht sichtbar gemacht wird, sichtbar zu machen." Es gebe Kinder, die sich homosexuell fühlen, oder Kinder, die uneindeutige Geschlechtsteile haben, so die Psychologin. "Es geht darum, Diskriminierungsstrukturen aufzubrechen."

Zielgruppe PädagogInnen

Bei der Broschüre handle es sich um einen Leitfaden für PädagogInnen, der als Grundlage für den Unterricht dienen soll. Der Verein "Selbstlaut" arbeitet seit 20 Jahren in diesem Bereich, setzt vor allem Initiativen, um sexuelle Gewalt an Kindern zu verhindern. An dem nun in Kritik geratenen Bericht "Ganz schön intim" haben die Mitglieder des Vereins - darunter LehrerInnen, PolitikwissenschafterInnen und PsychologInnen - mehrere Monate gearbeitet. 

Die ÖVP kritisierte auch, dass eine Leihmutterschaft als mögliche Alternative für die Erfüllung eines Kindeswunsches dargestellt werde, obwohl diese in Österreich verboten ist. Jordan-Rudolf dazu: "Uns ist bewusst gewesen, dass die Leihmutterschaft in Österreich verboten ist. Man kann aber nicht annehmen, dass es keine Kinder gibt, die nicht so auf die Welt kommen."

Keine direkte Kritik

Die Kinder bereits im Volksschulalter über Sexualität aufzuklären, findet Jordan-Rudolf legitim: "Das prinzipielle Interesse an kindlicher Sexualität haben Kinder von Anfang an."

Jordan-Rudolf ärgert, dass die Kritik an den Unterrichtsmaterialien nicht direkt an den Verein gerichtet wird, sondern zunächst anonym verfasst und an das Ministerium geschickt wurde. Im Austausch mit Lehrern erhält der Verein Selbstlaut gute Rückmeldungen. "Wir sind in sehr regem Austausch mit Pädagoginnen und Pädagogen. Wir haben viel positives Feedback erhalten."

"Lose Gruppe von Eltern"

Seinen Ursprung nahm die Kritik an den Unterrichtsmaterialien in einem Elternbrief, der auf der Facebook-Seite "Skandal im bmukk" nachzulesen ist. Eine lose Gruppe von Eltern rund um die Juristin und Theologin Gudrun Kugler kritisiert etwa die gleichwertige Verwendung von lesbisch, schwul, hetero und trans und die starke Repräsentation von homosexuellen Paaren, die nicht der gesellschaftlichen Realität entsprechen würden.

Doch stoßen sich wirklich so viele Eltern an der Broschüre? Ein Blick auf die Facebook-Seite der Initiative lässt andere Schlüsse zu. Ganzen 67 Accounts gefällt derzeit die Seite "Skandal im bmukk", vor zwei Wochen waren es gerade einmal 40.

Gudrun Kugler möchte nicht alleine ins Zentrum der Kritik geraten. "Die Initiative geht von 20 Elternpaaren aus", sagt sie zu derStandard.at. "Wir sind im Urlaub zufällig auf die Broschüre gestoßen. Eine Familie hat sie mitgehabt und hergezeigt." Bei einer Flasche Wein habe man beschlossen, nach dem Sommer einen Brief ans Ministerium zu schreiben.

"Kinder verwirrt"

Kugler, die 2005 als Parteilose für die Wiener ÖVP kandidiert hat, stößt sich vor allem am fehlenden Wertepluralismus, Homosexualität werde vor Heterosexualität gestellt. "Die Kinder sind dadurch verwirrt", sagt die Theologin. Homosexuellen Paaren solle kein Vorrang eingeräumt werden, sagt Kugler. Sie hält jedoch fest: "Verschweigen würde ich homosexuelle Paare nicht, die gibt es ja, man muss jedem Menschen tolerant gegenüber auftreten."

Warum sie sich mit ihrer Kritik nicht direkt an den Verein gewandt hat? "Der Verein kann machen, was er will", so Kugler. Sie sieht den Fehler beim Ministerium, das das Projekt finanziert habe. "Da findet Manipulation und Indoktrinierung statt." Auf dem Rücken der Kinder werde Gesellschaftspolitik gemacht.

Broschüre wird überarbeitet

Am Dienstagabend findet im Ministerium ein Gespräch zwischen der Elternvertreterin und Beamten des Unterrichtsministeriums statt. Die Ministerin wird nicht am Termin teilnehmen, ihr Sprecher lässt aber über derStandard.at ausrichten, dass die Broschüre überarbeitet wird. Betroffen ist davon aber nur jener Passus, in dem es um die Leihmutterschaft geht. 

Schmied halte an der Broschüre fest, weil sie für eine offene Gesellschaft plädiere. Der Verein habe sich bei der Erstellung der Unterrichtsmaterialien an den Prinzipien der WHO orientiert. Sexuelle Gewalt an Kindern müsse bekämpft werden, sagt ihr Sprecher. Mit der Broschüre werde ein wichtiger Teil dazu beigetragten. (Ina Freudenschuss, Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 27.11.2012)

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"Jordan-Rudolf ärgert, dass die Kritik an den Unterrichtsmaterialien nicht direkt an den Verein gerichtet wird, sondern zunächst anonym verfasst und an das Ministerium geschickt wurde."

Ich habe an Jordan-Rudolf geschrieben, sie hat nicht geantwortet.

Die Kritik, die die Eltern an die Ministerien geschickt hat, war keineswegs anonym.

Gudrun Kugler hat wohl zu tief ins Glas geschaut

"Bei einer Flasche Wein habe man beschlossen, nach dem Sommer einen Brief ans Ministerium zu schreiben."

Das ist ja zum zerkugln.

Ich hab als Kind ein Aufklärungsbuch über Sexualität bekommen, das war so um 1990. Ich hab das damals aus Interesse verschlungen, genauso wie jeder andere, dem ich davon erzählt und das gegeben habe. Kinder haben ein natürliches Bedürfnis über diese Dinge was zu erfahren und zu lernen - halt aufgeklärt zu werden, und zwar schon vor der Pubertät.

Aber statt unseren Kindern sämtliche zur lückenlosen Aufklärung notwendigen Informationen zukommen zu lassen, lassen wir uns lieber vom Fanclub eines 2000 Jahre alten Märchens in Sachen menschliche Bedürfnisse und Moral terrorisieren.

Ich hab als Kind ein Aufklärungsbuch über Sexualität bekommen

A) Was stand da alles drinnen?
B) Wurden sie mit dem Buch alleine gelassen oder wurde mit ihnen darüber geredet?
C) Wie alt waren sie? Hatten sie vielleicht ihren Eltern durch Fragen einen Anlass gegeben dieses Buch zu für sie zu kaufen?

In jedem Fall, haben ihre Eltern ihnen das Buch gegeben/autorisiert und nicht eine Ministerin die eine bestimmte Ideologie ins Volk pressen will.

Handsome Bob hat mit seiner/ihrer Erwiderung vollkommen recht. Außerdem werden die Informationen von Lehrern an die Kinder nach eigenem Ermessen weitergegeben, also sind katholische Schulen sowieso nur peripher von dieser "Problematik" betroffen.

Haben Sie schon einmal in Erwägung gezogen, Ihren Nick in Vorgestern zu ändern? Ich nehme an, der Vorschlag ist nicht neu für Sie.

in dem buch wurde das thema sex recht anschaulich beschrieben - quasi gezeichnete pornografie mit Erklärungen. ich kann mich nicht recht erinnern, ob das thema homosexualität angesprochen wurde, ich glaube aber leider nicht - das wäre aber gut gewesen, weil einem da als kind früh toleranz angelernt wird, und jeder weiß wie hart Kinder zueinander sein können.

ach, ich war gegen 8, und meine eltern meinten wohl es wäre an der zeit.

im übrigen sehe ich nicht, welche "Ideologie" schmied ins Volk pressen will. so ein vorwurf kann nur von einem vollkommen ideologisch verblendeten kommen, der angst hat, dass seine ideologie durch information nicht mehr problemlos indoktriniert werden kann. die broschüre bietet information keine Ideologie

liebe menschen,

die ihr die kerzen so liebt und umgarnt.
geht doch einfach! weit weg!
am besten zu den hutteren, dei brauchen eh nachwuchs.
lasst uns hier in ruhe, und seid einfach ganz still!

Warum hat man denn das Bild von Frau Kugler auf einmal

entfernt??

Damit

man sich ned gleich gruselt...

uargh... bad joke

Massive Geldverschwendung.

Die meisten Volksschullehrer werden sich hüten, einen Aufklärungsunterricht nach diesem Muster durchzuführen. Diese Provokation würde nur das Verhältnis zu vielen Eltern vergiften und Vertrauen zerstören.
Dieser Tatsache muss sich auch Schmied (wahrscheinlich auch die Autoren) bewusst sein. Diese Kosten hätte sie sich sparen können.

Unsinn

Vor 15 Jahren war Aufklärungsunterricht ähnlich der Broschüre in Volksschulen möglich.

Die Übungen sind ähnlich - manche ident - hat man sich damals schon nach den auch heute geltenden Richtlinien moderner Sexualpädagogik gerichtet.

Teilweise wurde das von Vereinen der Caritas gemacht.
Frau staune!

Niemanden hat das verstört.
15 Jahre später geht das Abendland unter.

Ich muss das nicht verstehen?
https://www.facebook.com/SkandalImBmukk?

mfg

"Provokation".

Danke für die Demonstration wes Geistes Kind die Gegner manchmal sind ...

zwanzig elternpaare, nur eine weinflasche und diese positionen als resultat. kein alkohol ist offenbar auch keine lösung.

Jede Woche wird ein anderer aus der ÖVP/FPÖ/BZÖ Riege wg. Korruption und sonstigem verurteilt,

aber die armen Kindlein werden durch die Darstellung von realistischen zwischenmenschlichen Beziehungen so stark verstört, dass sie quasi am nur mehr am Spielplatz herumtaumeln. Liebe moralinsaure Korruptionisten schleichts euch bitte einfach! Was ihr der politischen Kultur in diesem Land angetan habt und weiter antut ist noch gar nicht absehbar...
Und NEIN damit sind nicht einmal eure absurden inhaltlichen Positionen (die Bezeichnung "Meinung" wüde diesen Dreck wohl zu sehr adeln) gemeint, sondern euer ganz persönliches gieriges und kriminelles Handeln!

was all die Halawachln in dieser Causa mal wieder gefälligst unter den Tisch fallen lassen, ist:

Dass es sich um Material für den Lehrkörper handelt und nicht um Material für die SchülerInnen.
Das war schon beim sogenannten "Sex-Koffer" so. Da wurde auch so getan, als ob den Kindern der Koffer in die Hand gedrückt würde.
Es geht also darum, dass LehrerInnen diesen Stoff lehren dürfen. Und das ist gut so, dass die wissen, was sie dürfen. Damit nämlich nicht die Katholiban im Lande daherkommt und die Lehrerin oder den Lehrer fertig macht, weil der so schwierige Materie unterrichtet.
Kugler-Lang und Co wollen bestimmte Gruppen von Menschen in dieser Gesellschaft einfach nicht wahr haben. Menschen verschwinden lassen ist eine eigene "Kunst". Hat mit "Integration null zu tun". Ist eine Form des Rassismus und Faschismus. Katholisch eben!

gebe dir recht!

Auf Facebook gibt es ja auch zwei Seiten zum Thema, mir gefällt die am besten: http://www.facebook.com/SkandalImBmukk

Sollte man liken damit Katholiban nicht überhand gewinnen!

ist das nicht herrlich widersprüchlich?

"Das BZÖ verlangt mehr Budgetmittel für Selbstverteidigungskurse. Diese "sollten bereits in der Schule angeboten werden, denn Frauen sollten schon sehr früh psychisch und physisch gestärkt werden", so Schenk."

von heute aus:
http://diestandard.at/135320757... -betroffen

aber kinder sollen bitte auf garkeinen fall lernen sich zu wehren?

ich glaube die meisten kinder und jugendlichen (die sich heutzutage die ärgesten pornos im internet ansehen können, und ohnehin miteinander "schwuchteln", "SM" "transen", "bondage" ,"huren" "budern","blasen", "fisten","wichsen" etc.. reden und witzeln) nur lachen über diese betuliche von politischer korrektheit geprägte broschüre

man sollte die pluralistische gesellschaft auch in der schule abbilden. Wie beim Religionsunterricht sollten die Eltern die kinder zu folgenden Stunden ab- und Abmelden können:

- Scheitlknien und "English for Politicals" für die ÖVP Kinder
- Moderne Sexualkunde für alle links der Mitte, liberale und "Normalos"
- Fahnenschwur (auf welche Fahne, muss noch geklärt werden) und Schuhplatteln für die FPÖ
- Das BZÖ bekommt dasselbe wie die FPÖ nur anders
- gender studies für Grüne...

Sollte die KPÖ was reißen, kriegt sie

- Oktoberclub Gesangsstunden

Sollte der stronach was reißen, kriegt er

- Debattierclub: "Reden, ohne gefragt zu werden und ohne zuhören"

made my day <3

die menschen, die sich an dieser aufklärungshilfe stossen, sollen sich einma darüber gedanken machen, was das verbot und die sanktion von sexueller selbstbefriedigung bei kindern und jugendlichen in den letzten jahrzehneten (und jahrhunderten)

mit menschen und deren sexuellen und zwischenmenschlichen beziehungen angestellt haben. das wäre wirklich angebracht!!!!!!

Da bin ich aber froh, dass ich mich NICHT an der Broschüre stoß.

So bleibt mir jetzt erspart, mir Gedanken über die Masturbationsgewohnheiten meiner Mitmenschen machen zu müssen.

Nochmal Glück gehabt! ;-)

glück gehabt ; )

sie müssten sich aber auch nicht über die masturbationsgewohnheiten ihrer mitmenschen gedanken machen sondern mit den verleugnungsmechanismen und negationsstrategien einiger organisationen auseinandersetzten!
das schadet nie!!!!!!!

Das muss schon eine wirklich mächtige Verleugnungsstrategie sein, wenn man sich damit einreden kann, dass man wem das Masturbieren verbieten kann und der sich dann auch dran hält.

Liebe Frau Dr. Kugler-Lang!

Ich unterstütze Ihre Forderung, dass das BMUKK das jetzt prüft.

Gleichzeitig könnten wir die Bezahlung der Religionslehrer aus Mitteln der öffentlichen hand abstellen und die Kreuze aus den Schulklassen entfernen.

Fände ich fair.

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