NGOs erheben Forderungen für adäquate Asylquartiere

27. November 2012, 14:10
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Quartiere zu abgelegen - Nicht einmal Koch-Gelegenheiten - Flüchtlingsheim in Bleiburg, Kärnten

Wien - Diverse Asyl- und Menschenrechtsorganisationen haben sich am Dienstag mit einem gemeinsamen Appell an die Öffentlichkeit gewandt. Konkret verlangen unter anderem Diakonie, Volkshilfe und Asylkoordination eine deutliche Verbesserung der Grundversorgung von Asylwerbern. Bereits gesetzte Schritte wie die Erhöhung der Tagsätze sehen sie nur als Tropfen auf dem heißen Stein.

Anny Knapp von der Asylkoordination vermisst in der Grundversorgung klar definierte Standards, die respektvolle und menschenrechtskonforme Lebensbedingungen sicherstellten. Christoph Riedl, Leiter des Flüchtlingsdienstes der Diakonie ergänzte, dass der weitaus überwiegende Teil der Unterkünfte für eine zeitgemäße Betreuung völlig ungeeignet sei: "Der Regelfall der Unterbringung sind abgewohnte und oft sehr abgelegene Gasthöfe oder Pensionen, in denen Asylsuchende oft Jahre ausharren müssen."

Krankmachende Qualität

Die schlechte Qualität in der Grundversorgung mache krank, urteilte Martin Schenk, Vorstandsmitglied des Betreuungszentrums für Folter-und Kriegsüberlebende Hemayat. Wo es keine Gestaltungsmöglichkeiten in den Quartieren gebe sondern nur bloßes Warten, dort verfielen und resignierten Menschen.

Christian Schörkhuber von der Volkshilfe Oberösterreich meint, dass eine Vollverpflegung in Quartieren der Vergangenheit angehören müsse. Eigenständige Zubereitung des Essens schafft ein Stück Lebensqualität und lenke vom eintönigen Flüchtlingsalltag ab.

Für die NGOs ist die Unterbringung von Asylsuchenden in Containern oder Kasernen "keine Alternative". Der seit dem Asylgipfel auferlegte Zeitdruck, dass die säumigen Bundesländer innerhalb eines Monats die Quoten zu erfüllen hätten, sei unverständlich, sagte Anny Knapp von der Asylkoordination Österreich beim Asylforum 2012 in Salzburg.

Quoten bis Weihnachten "sicher erfüllt"

Die Menschen für eine Übergangszeit zwei oder drei Monaten in Kasernen zu pferchen und sie dann wieder umzuquartieren, bezeichnete Christian Schörkhuber von der Volkshilfe Oberösterreich als "menschenunwürdig". Mit einer längeren Zeitspanne bei der Suche nach geeigneten Quartieren seien die Quoten bis Weihnachten "sicher erfüllt", sagte Schörkhuber.

Zudem bestehe die Gefahr, dass die Flüchtlinge in den Kasernen bleiben würden, "in einem Provisorium wie Traiskirchen seit 1956 eines ist", wurde kritisiert. Man müsse die Unterkünfte in Kasernen verhindern und stattdessen private Unterkünfte bei höheren Unterstützungsleistungen zur Verfügung stellen. 

In Kärnten fiel indessen am Dienstag die Entscheidung für ein Flüchtlingsheim in Bleiburg. Das bestätigte SPÖ-Bürgermeister Stefan Visotschnig dem Standard. Damit kann Kärnten voraussichtlich die vereinbarten 150 zusätzlichen Betreuungsplätze für Asylwerber bis Ende November doch zur Verfügung stellen. (APA/red, 27.11.2012)

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