Weg zum Strom: Navi soll E-Autos nächste Ladestation zeigen

27. November 2012, 12:43
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Projekt von Wiener Forschern - System soll mit relativ wenigen Informationen optimale Lademöglichkeit finden und Energiespitzenbelastungen vorhersagen können

Die Attraktivität der Elektromobilität hängt in hohem Maße mit der Frage der Flexibilität zusammen. Um mit dem Elektrofahrzeug nicht Gefahr zu laufen, auf der Suche nach einer Ladestation liegen zu bleiben, haben Wissenschafter des Forschungszentrums Telekommunikation Wien (FTW) den Prototyp eines Navigationssystems entwickelt, mit dem vorausschauend Ladestationen je nach Bedarf gebucht werden können. Das Projekt wurde heute, Dienstag, gemeinsam mit weiteren Vorhaben des FTW präsentiert.

"Zentraler Marktplatz"

Im Zuge des Projekts KOFLA (Kooperatives Fahrerunterstützungssystem für optimiertes Lademanagement von elektrischen Fahrzeugen) soll ein "zentraler Marktplatz" entwickelt werden, der Ladewünsche von E-Fahrzeugen entgegennimmt und diese bestmöglich an Ladestationen vermittelt, heißt es in einer Aussendung. Breitet sich die Elektromobilität nämlich aus, erfolgt der Stromverbrauch zukünftig an beliebigen Punkten im Netz und zu beliebigen Zeiten. Daher brauche es Systeme, die das Angebot an Ladeenergie dynamisch verteilen können.

Eine erste Erkenntnis aus dem Projekt sei, dass sich das Ladeverhalten der E-Fahrer an ihrem Fahrtziel orientiert und nicht wie beim Tanken von Benzinfahrzeugen auf dem Weg zum Ziel erfolgt. Der sogenannten "Range-Anxiety", also die Sorge, die nächste Ladestation für die aktuell mit einer Reichweite von etwa 100 Kilometer ausgestatteten Fahrzeuge nicht mehr zu erreichen, will man mit einem Routing-System begegnen. Ziel von KOFLA sei es, dass ein E-Mobilist beim nächsten Aufenthalt sein Fahrzeug dort öffentlich anschließen kann, wo er gerade ist. Das Aufladen der Batterie kann dann abhängig von der Ladeintensität von 30 Minuten bis zu einigen Stunden dauern.

Präferenzen

Der automatische E-Fahrer-Assistent findet die passende Ladestation und reserviert die gewünschte Ladezeit. Auswahlkriterien sind die Verfügbarkeit von Parkplatz und Energie, aber auch Präferenzen des Nutzers, wie Erwartungen bezüglich Preis, Stromerzeugungsart und -lieferant, Wartezeit oder Ladeintensität. Der Nutzer soll jeweils nur ein Minimum an Information eingeben müssen, nämlich die Destination und die Aufenthaltsdauer. Auf Basis dieser Informationen erhält er dann die Adresse und die Route zur passenden Ladestation in der Nähe des geplanten Haltepunkts.

Diese Informationen sollen auch Stromnetzbetreibern und Anbietern von Lade-Services zur Verfügung gestellt werden, die anhand dessen kurzfristig Prognosen über den jeweils anfallenden Strombedarf und damit Energiespitzenbelastungen erstellen können. Das Routing System wurde laut FTW-Angaben "multimodal konzipiert". Wird in Wien etwa keine freie Ladestation in der Nähe gefunden, schlägt das System vor, die Route mit der U-Bahn fortzusetzen.(APA, 27.11. 2012)

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