Giftköder bedrohen geschützte Seeadler in Österreich

  • Ausgelegte Giftköder gefährden den sensiblen Bestand von Seeadlern in Österreich.
    foto: apa/patrick pleul

    Ausgelegte Giftköder gefährden den sensiblen Bestand von Seeadlern in Österreich.

Heuer wurden bereits drei Seeadler vergiftet aufgefunden - Giftköder sind auch für Kinder und Haustiere gefährlich

Mit der kalten Jahreszeit treffen auch die Seeadler wieder in ihren Winterquartieren im Osten Österreichs ein. Besonders in den Aulandschaften der Donau, March und Thaya können sie bei ihren Balzflügen beobachtet werden. Der Besuch kann zum Verhängnis werden: Die Verfolgung durch Giftleger bedroht die prächtigen, streng geschützten Greifvögel. Heuer wurden bereits drei Seeadler vergiftet aufgefunden. WWF und BirdLife sowie der Nationalpark Donau-Auen rufen deshalb Spaziergänger zu erhöhter Vorsicht und aktiver Mithilfe auf. 

Gifthotline

Ausgelegte Giftköder stellen übrigens auch für Kinder und Haustiere eine große Gefahr dar. Die Organisationen wenden sich an Spaziergänger und Wanderer mit der Bitte, im Winter verstärkt auf verdächtige Substanzen am Wegrand zu achten. Giftköder sind oft an ihrer violetten Farbe zu erkennen. Köderfunde und Verdachtsfälle sollen sofort an die Gifthotline unter Tel. 0676/444 66 12 gemeldet werden.

50 Jahre lang ausgestorben

Das violette Pestizid Carbofuran ist zwar seit 2008 europaweit verboten, wird jedoch nach wie vor zur Herstellung tödlicher Giftköder verwendet, die illegal gegen Hunde, Katzen, Füchse, Marder, Krähen oder Greifvögel eingesetzt werden. "Der Seeadler war bei uns 50 Jahre lang ausgestorben und erfängt sich gerade erst langsam wieder. Wenn wir wollen, dass unser Wappenvogel langfristig bei uns leben kann, müssen wir endlich der Giftlegerei ein Ende bereiten!", stellt Flora Hejjas, Leiterin des WWF-Seeadlerprojekts klar. 

Noch immer sensibler Bestand

Zahlreiche meist aus Nordeuropa stammende Seeadler verbringen alljährlich bei uns den milderen Winter, weil die eisfreien Fließgewässer hier eine günstigere Nahrungsbasis bieten, einige bleiben ganzjährig. Vogelexperte Georg Frank vom Nationalpark Donau-Auen ergänzt: "Die Anzahl der Wintergäste nimmt zwar seit Jahren ebenso zu wie die Anzahl der Brutvögel, die sich das ganze Jahr über hier aufhalten. Dieser positive Trend darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass es sich immer noch um einen sehr sensiblen Bestand handelt." 2012 überwinterten 159 Seeadler als Gäste, der Brutbestand in Österreich betrug 15 Paare.

Jeden Winter Vogelzählung

Um genau zu erfassen, wie viele Seeadler in Österreich anwesend sind, führen Vogelkundler unter der Leitung des Wissenschaftlers Remo Probst, jeden Winter eine so genannte Synchronzählung durch. Etwa 50 Ornithologen von BirdLife und anderen Organisationen, verteilen sich in den drei wichtigsten Seeadlergebieten. Sie schreiten die jeweils zugeteilten Abschnitte gleichzeitig ab oder beobachten sie von gut einsehbaren Plätzen aus. „Wir zählen beispielsweise an einem Tag entlang der Donau von Linz bis Hainburg", erklärt Probst. Die Seeadler werden anhand individueller Merkmale wie der Färbung des Federkleides, oder auch anhand des Beobachtungszeitpunktes unterschieden, um Doppelzählungen zu vermeiden. (red, derStandard.at, 27.11.2012)

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