Versauerung der Meere macht Schneckengehäuse mürbe

  • Der Vergleich unter dem Mikroskop macht die Biologen sicher: Das Gehäuse der Flügelschnecke (links intakt) wird durch saures Meereswasser stark ramponiert (rechts).
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    Der Vergleich unter dem Mikroskop macht die Biologen sicher: Das Gehäuse der Flügelschnecke (links intakt) wird durch saures Meereswasser stark ramponiert (rechts).

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    foto: nina bednarsek

Schutzpanzer der Flügelschnecken reagiert sensibel

London/Wien - Wenn ein Tier den Klimawandel verkörpert, dann ist das eindeutig der Eisbär. Konkurrenz könnte er allerdings durch die winzige Schnecke Limacina helicina bekommen. Denn an der Flügelschnecke kann man besonders deutlich ablesen, welche Folgen die Versauerung der Weltmeere einmal haben könnte.

Das wenige Millimeter lange Weichtier lebt - anders als der Eisbär - in der Südpolarregion und ernährt sich dort von winzigem Plankton. Die Schnecke selbst wird von verschiedenen Fischen, Vögeln aber auch Walen gefressen. Obwohl es gegen diese Feinde keinen Schutz darstellt, leben die Tiere in einem Kalkgehäuse, das sie aus Aragonit herstellen - und das sehr sensibel auf die Versauerung der Meere zu reagieren scheint, wie ein Forscherteam um Nina Bednarsek von der US-Wetterbehörde NOAA im Fachblatt "Nature Geoscience" schreibt.

Die Meeresbiologen waren 2008 im Gebiet zwischen den Falklandinseln und Südgeorgien unterwegs, um eine Region unter die Lupe zu nehmen, in der besonders saures Tiefenwasser durch Strömungen in die Nähe der Meeresoberfläche gedrückt wurde. Die Gehäuse der dort gefangenen Schnecken wiesen unter dem Rasterelektronenmikroskop betrachtet schwere Schäden auf, die für die Tiere nicht letal waren, aber sie für äußere Einflüsse und Infektionen empfindlicher machten.

In einem Kommentar werden die Ergebnisse als Vorbote dafür interpretiert, "was den Flügelschnecken in großen Teilen des Südozeans bevorstehen könnte". Und das wiederum könnte erhebliche Folgewirkungen haben: Wenn die toten Tiere nicht mehr mit intaktem Kalkgehäuse zum Meeresboden absinken, würde weniger Kohlenstoff gebunden - die Meere würden noch saurer. (tasch, DER STANDARD, 27.11.2012)

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13 Postings

ab einem ph wert von unter 7,1 löst sich eh der großteil des im meer schwimmenden und sitzenden zeugs auf! und wenn nicht direkt dann auf grund der trophischen ordnung ;)
in ca. 70 jahren haben wir es nach derzeitigen studien geschafft.
mit dem plankton wirds beginnen, das beinhaltet nämlich kalk.

Prinzipiell geht es ja weniger darum, dass

sich das Carbonat im zunehmen weniger alkalischen Meerwasser auflöst, sondern dass es für die Tierchen immer schwieriger wird, die Ca2+-Ionen aus dem Wasser aufzunehmen.

der zusammenbruch der nahrungsketten im meer wäre der ultimate feedback-effekt für global warming

das, die auftauenden permafrostböden, und methanhydrate am meeresboden sind so ziemlich die apokalyptischten möglichen effekte...

Ganz normal...

In einer Tiefe über 3500-4000 m ist aufgrund von Druck und Temperatur soviel CO2 im Wasser gelöst, dass dort aller Kalk aufgelöst wird. Das ist Basis-Wissen für Erdwissenschafter, schon lange bekannt und hat nichts mit dem jetzigen CO2-Niveau zu tun.
Wenn also kaltes Tiefenwasser hochströmt, dann kommt es aus diesem Bereich und ist dann kurzzeitig CO2-übersättigt und kann solche Korrosions-Erscheinungen verursachen. Das war aber auch schon vor 1.000 bzw. 10.000 jahren so, weil sich Naturgesetze nicht ändern.

Nicht böse sein, daber das ist geballtes Halbwissen!

Wenn das so wäre, dann gäbe es in allen Upwelling-Gebieten derartige Korrossionserscheinungen. Gibt es aber nicht, oder? Das Wasser entgast nämlich sofort, sobald es wärmer wird und der Druck beim Aufsteigen abnimmt.

Außerdem hat der hier beschriebene Effekt gar nix mit kalten Tiefenwässern zu tun.

quatschen Sie nicht und gehen Sie nicht strohhalme suchen...

...alle Analysen zeigen klar, dass die Ozeane netto aus der atmosphaere CO2 aufnehmen und deshalb saurer werden. Nicht weil es in TripsTrue spontan aufgestiegenes CO2 gesaettigtes tiefenwasser gegeben hat.

"quatschen Sie nicht und gehen Sie nicht strohhalme suchen..." Und SIE haben die Wahrheit gepachtet, oder wie?

.
Warum sollten denn gerade die Ozeane nicht in der Lage sein -durch uns unbekannte Mechanismen- die atmosphärischen CO2 Werte signifikant zu erhöhen, gelten diese doch als die größten CO2 Senken auf der Erde.

Sind Sie etwa auch schon vom "Anthropogenen-Weltklimaerwärmungs-Fanatiker-Virus" angesteckt worden und sind Sie auch der Meinung dass uns allen ein Weltuntergang mit bitterem Ende bevorstünde- sollte a)Atemluft nicht besteuert und b) ein carbon footprint von 0 pro Mensch und Vieh nicht erreicht werden?? ^^

Die Antropogene CO2-Freisetzung ist gut belegt. CO2-Freisetzung aus den Ozeanen spielt natürlich auch eine Rolle, momentan nehmen die Ozeane aber mehr CO2 auf als sie abgeben.

Da die Nahrung von Mensch und Tier fast gar keinen fossilen Kohlenstoff enthält, sehe ich kein Problem mit der Atmung.

die skrupellose industrielle Verschmutzung und Verunreinigung der Weltmeere wird uns viel eher -und vor allem rascher- um die Ohren fliegen, als die "prophezeiten" Probleme durch den Klimawandel je werden!!

na dann ...

Gibts eben mehr Fischfutter. Passt eh.

Kohlenstoff in Kalkschalen

"Wenn die toten Tiere nicht mehr mit intaktem Kalkgehäuse zum Meeresboden absinken,würde weniger Kohlenstoff gebunden […]" Damit kann wohl nur der organisch gebundene Kohlenstoff in den Tierchen gemeint sein.

Kalziumkarbonat (daraus bestehen die Kalkschalen) ist nämlich ein ineffizienter Speicher für Kohlenstoff. Im Meerwasser gelöstes Kalziumbikarbonat würde die doppelte Menge Kohlenstoff speichern.

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