Kärntens Schätze, verlottert und verschimmelt

Elisabeth Steiner, 26. November 2012, 18:02
  • Rund 3000 Exponate sind von Schimmel 
befallen, darunter dieses Fass der Volkskundeabteilung - aber auch Objekte aus 
Leder und Eisen sind betroffen.
    vergrößern 800x533
    foto: landesmuseum kärnten

    Rund 3000 Exponate sind von Schimmel befallen, darunter dieses Fass der Volkskundeabteilung - aber auch Objekte aus Leder und Eisen sind betroffen.

Kärntens Landesmuseum befindet sich in einem verwahrlosten Zustand. Die Depots mussten wegen Schimmels unter Quarantäne. Mitarbeiter sind gesundheitsgefährdet. Die Politik streitet ums Geld

Klagenfurt - Das historische Gedächtnis des Landes Kärnten im Landesmuseum: verlottert, vergammelt, verschimmelt. Das stellt ein Gutachten des Grazer Joanneums fest, mit dem Kärntens Kulturreferent Wolfgang Waldner (ÖVP) und Museumsdirektor Thomas Jerger am Montag an die Öffentlichkeit gingen. Es liegt auch dem STANDARD vor.

Das Kärntner Landesmuseum Rudolfinum - kaum 100 Meter von der Kärntner Landesregierung entfernt - befindet sich in einem verwahrlosten Zustand. Die Mauern sind völlig durchfeuchtet, Regenwasser rinnt durch nicht einmal mit Schlagbrettern vernagelte Löcher im Dach und beschädigt im desolaten Dachboden lieblos abgestellte Biedermeiermöbel, Gemälderahmen und Wappenschilde.

Noch schlimmer ist die Situation in den Depots im Keller. Dort schimmeln Sammelstücke - achtlos in enge Regale gestopft - wie nutzloses Gerümpel vor sich hin, wie der STANDARD bei einem Lokalaugenschein feststellten konnte. Rund 3000 Objekte dürften akut gefährdet, wenn nicht gar völlig zerstört sein.

Kulturerbe geschädigt

Es handelt sich meist um volkskundliche Stücke aus unterschiedlichen Epochen, aber auch um Bücher aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die Böden des 200 Quadratmeter umfassenden Depotbereichs sind völlig verdreckt, die Wände modern und platzen wegen der hohen Feuchtigkeit auf. Infolge des Schimmelbefalls musste der gesamte Depotbereich unter Quarantäne gesetzt werden und darf nur mit Schutzanzügen und Schutzmasken betreten werden. Die Mitarbeiter der hauseigenen Tischlerei sind laut einem AUVA-Gutachten massiv gesundheitsgefährdet.

Doch auch einige Exponate in den Ausstellungsräumen weisen Schäden auf: so etwa berühmte Funde aus den Keltengräbern von Frög. Die Bleifigurinen und der bekannte Kultwagen zeigen deutlichen Spuren von Korrosion. Diese sei durch schädliche Lacke in der Ausstellungsvitrine hervorgerufen worden, sagt Museumsleiter Jerger zum Standard. "Wenn nichts passiert, drohen die Figurinen zu verklumpen." Auf einem Kultgefäß aus Frög seien die abgelösten Bleiornamente einfach mit Uhu aufgeklebt worden.

"Man hat dieses Museum unwürdig verkommen lassen", zeigt sich Waldner entsetzt. Er hatte das Kulturressort im September übernommen und stellt jetzt einmal eine Soforthilfe von 600.000 Euro bereit. Für die dringendsten Notmaßnahmen seien mindestens 1,1 Millionen Euro notwendig, sagt der neue Museumschef Jerger.

Im Kulturreferat sei die Misere seit langem bekannt gewesen. Die politische Verantwortung für die "Kulturschande Kärntens" sieht Waldner bei seinen Vorgängern, die sich trotz oftmaliger Hilferufe aus dem Museum nicht um die Rettung der Kulturgüter geschert hätten: Jörg Haider und Harald Dobernig (FPK). Letzterer habe Waldners Forderung nach einer Mio. Euro Soforthilfe verweigert. Finanzreferent Dobernig weist Waldners Kritik zurück. Die LIG habe bereits 2,5 Mio. Euro für die Sanierung des Museumsgebäudes eingeplant. Auch für SPÖ und BZÖ trägt Dobernig die Verantwortung für das desolate Landesmuseum. Die SPÖ fordert einen Landesgipfel zur Rettung von "Kärntens Schätzen". (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, 27.11.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 287
1 2 3 4 5 6 7
LMfK

Man(n) fragt sich schon, warum eine museale Einrichtung nicht eigenständig in der Lage ist, Sammlungobjekte ordnungsgemäß zu verwahren. Politikern dafür die Schuld zu geben erscheint doch etwas weit hergeholt.

Die nächste Sitzung der Landesregierung im Rudolfinum?

Das Rudolfinum ist offensichtlich ein Spiegelbild des desolaten Zustands der Kärntner Politik. Jörg Haider und Konsorten waren öffentlich wirksame, teure Kultur-Events rund um den Wörthersee wichtiger als museale Pflege Kärntner Kulturschätze. Verwahrlosung, Schimmelbefall, Durchfeuchtung, Vergammelung der Ausstellungsstücke was könnte wohl diese Zustände besser beschreiben?

Peinlich.

Zitat:

Das historische Gedächtnis des Landes Kärnten im Landesmuseum: verlottert, vergammelt, verschimmelt.

Ein guter Anfang finde ich...........

PS: Das Fass ist ein Butterfass

Kärnten soll endlich

zum Freistaat werden, od. zu Südtirol u. Italien dazugehen. Braucht man sich über sie nicht mehr ärgern. San eh nur gfeanzt.

ein stinknormales holzfass.... hätts kein besseres bild gegeben?

Ein Fass, vor X Jahren von Meisterhand geformt; genau diese Herstellungstechniken sterben gerade aus.

Wie viele Leute kennst du, die einen Klapotetz bauen können oder einen Pferdewagen? Jahrhunderte altes Wissen geht da einfach verloren.

... und grade jene, deren Parteibroschüren Dinge von "Tradition" und "Volkstum" daherlügen, lassen die volkstümlichen Gegenstände verrotten und pfeifen drauf, ob jahrhunderte altes Wissen einfach stirbt.

Was ist an diesem Fass stinknormal?

Ich traue mich zu wetten, dass das Fass während seiner aktiven Nutzung noch keinen derartig wüsten Schimmelbefall gezeigt hat.

echt traurig!

da wird überall für diverse projekte in kärnten investiert und das museum wird seinem schicksal überlassen!echt eine schande!danke an die FPK, die ja immer so aufs land kärnten schauen!

bei einer regierenden Partei,

der die Kultur nichts bedeutet, wundert mich das nicht.

Die kümmern sich sehr wohl um Kultur!

Die Frau Unterreiner setzt sich tagtäglich im Parlament dafür ein, dass im Radio nur noch deutsche Musik von deutschen Künstlern mit deutschem Stammbaum gespielt wird.

"Passt mir auf mein Kärnten auf".

Darf man erfahren, wieviel in Wien, Graz, Salzburg usw. verschimmelt. Es ist schlimm wenn mit der Geschichte so umgegangen wird allein ich glaube nicht, dass dies nur in Kärnten der Fall ist.

es gibt den tag der offenen museen in allen bundesländern

schauen sie einmal in andere bundesländer, dann werden sie sehen, dass ihre sorge nur dem braunen kärnten gelten sollte.

Das Landesmuseum Joanneum genießt einen guten Ruf, und die steirischen Politiker scheinen es ausreichend zu finanzieren.

Gerade die Wiener Museen sind international bekannt und lassen mit Sicherheit sehr wenig verschimmeln.

Diese Mischung aus Arroganz, Kulturlosigkeit und der Annahme, dass alle anderen Länder mindestens eben so große Sauställe seien, ist leider für Kärnten typisch.

Ach im Übrigen bin ich kein Kärtner. Des weiteren
http://www.kleinezeitung.at/nachricht... tina.story
und auch in Deutschland und anderen Staaten gibt es arge Probleme in der Museumslandschaft. Nur meist werden die Mängel nicht bekannt, denn sonst müßte man sich Sorgen machen.

Achja sorry aber schauen sie vielleicht mal in die Depot's dieser Einrichtungen. Ich weiss selbst von international höchst angesehenen Einrichtungen, wo man das Problem hat.
Denn ausstellen tut man meist nur 5 - 10 % des Bestandes und für den Rest sieht es düster aus.

Prioritäten setzen

Liebe Leute, wen interessiert der oide Schas denn. Mer brauchn unsa Göd für des GTI Treffen. Denn jeden Euro, den wir do einisteckn, der kummt doppelt zruck. (zwar net in die Landeskasse, aber zumindest in unsrige) Des alte verschimpelte Glumpert verkaufen. In des Musehum bau ma a event location ein.

Das heisst: "...den wos mir do einisteckn...", bitteschön!

Unterm Haider hätt's des nit gebn! :)

Genau!

Denn die Haider-Partei, die die letzten Jahre für das verantowrtlich war, steht für Tradition und Geschichtsbwusstsein.

Das einzige wahren Kärtner Kulturgüter sind in Haider Musseum!ermu

Und das ist doch tip top, oder ??

Es gab und gibt kein Haider-Museum. Es gab 2009 eine Haider-Gedächtnisausstellung im Klagenfurter Bergbaumuseum.

Das wichtigste Exponat zur karantanischen Geschichte, der Fürstenstein, wurde 2005 unter Haider dem Landesmuseum weggenommen und steht jetzt im Landhaus im Großen Wappensaal.

Der derzeitige Museumsdirektor (Jerger) und sein Vorgänger (Wappis) sind beide keine Freiheitlichen, wahrscheinlich deshalb ist ihre Institution unterfinanziert.

Hingegen für die Leute in der Volkskultur-Abteilung hat LR Dobernig immer Geld im Überfluss.

Manche Teile der Käntner Geschichte sind einem dort vielleicht einfach nicht lieb und wichtig? An das Fürstentum Karantanien, an das Slowenische bei der Herzogseinsetzung, die Herkunft vieler Familiennamen, an die Eingliederung in das Königreich Illyrien usw. wird man lieber nicht denken und die Geschichte möglichst beim Abwehrkampf beginnen lassen?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 287
1 2 3 4 5 6 7

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.