Nach Feuer: Brandstiftung in Textilfabrik in Bangladesh vermutet

27. November 2012, 07:08
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Polizei sucht Fabriksbesitzer - Arbeiter demonstrieren für mehr Sicherheit - Regierung will Fabriken ohne Notausgang schließen

Dhaka - Laut Premierministerin Sheikh Hasina war Brandstiftung die Ursache für jenes verheerende Feuer in einer Textilfabrik in Bangladesch, bei dem am Sonntag mehr als hundert Menschen gestorben waren: Dies würden Bilder von Überwachungskameras beweisen. Zwei Männer seien festgenommen worden, als sie versucht hätten, ein weiteres Feuer in einer Textilfabrik in der Nähe zu legen, einer sei geständig.

Am Montag protestierten tausende Arbeiter für bessere Sicherheitsvorkehrungen in den Fabriken. Die Regierung will künftig alle Fabriken mit keinem oder nur einem Notausgang schließen. Fehlende Ausgänge seien nicht hinnehmbar, sagte Arbeitsminister Rajiuddin Ahmed. Wenn es bei dem Brand genug Notausgänge gegeben hätte, hätten nicht so viele Menschen sterben müssen.

Fahndung nach Besitzer

Die Polizei fahndet nun nach dem Besitzer der Fabrik. Delwar Hossain solle unter anderem zu den Vorwürfen befragt werden, wonach Bauvorschriften bei der neunstöckigen Fabrik nicht eingehalten wurden, sagte der Polizeichef von Dhaka, Habibur Rahman, der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag. Auch gebe es Berichte, wonach Manager der Fabrik trotz des Feuers den Arbeitern verboten hätten, das Gebäude zu verlassen. So sei den Arbeitern gesagt worden, es handele sich um eine Brandschutzübung.

Für Dienstag war im ganzen Land Trauerbeflaggung angeordnet. Zudem verfügte die Regierung per Dekret, dass die rund drei Millionen Arbeiter in der Textilbranche einen Tag lang nicht arbeiten mussten.

Proteste von Arbeitern

Der Großbrand in einer Textilfabrik in Bangladesch hat Proteste von tausenden Arbeitern ausgelöst. Die Menschen prangerten die oftmals schlechten Produktionsbedingungen an. Sie bildeten Barrikaden und forderten mehr Arbeitssicherheit.

Die Regierung versuchte die Stimmung zu besänftigen und erklärte den Dienstag zum offiziellen Trauertag. Viele Fabriken im Industriegebiet Ashulia blieben geschlossen. Ein weiteres Feuer in einer großen Bekleidungsfabrik am Rand der Hauptstadt verlief glimpflich, es gab keine Opfer.

Bestrafung von Verantwortlichen verlangt

Wütende Arbeiter hatten am Montag das Industriegebiet Ashulia und den angrenzenden Highway mit Sitzblockaden abgeschnitten. Überlebende des Brandes in der Fabrik der Tazreen Fashion Limited, wo auch für C&A und andere europäische und US-Firmen produziert worden war, verlangten die Bestrafung der Verantwortlichen. Die Polizei ermittelt noch, zunächst galt ein Kurzschluss als Brandursache.

Die Regierung will künftig alle Fabriken mit keinem oder nur einem Notausgang schließen. "Das ist nicht hinnehmbar", sagte Arbeitsminister Rajiuddin Ahmed über ungenügende Ausgänge. Wenn es bei dem Brand funktionierende Notausgänge gegeben hätte, hätten nicht so viele Menschen sterben müssen.

Samstagabend waren bei dem Brand in dem Werk der Firma Tazreen Fashion nördlich der Hauptstadt Dhaka 110 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als tausend Arbeiter wurden in den oberen Stockwerken der neunstöckigen Fabrik von den Flammen eingeschlossen. Im Zusammenhang mit dem Brand leitete die Polizei Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung ein. (dpa, DER STANDARD, 27.11.2012)

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