Touristiker wollen von Krise nichts wissen

26. November 2012, 17:17
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Vor dem Hintergrund rekordverdächtiger Zahlen aus dem Sommerhalbjahr stellt sich Österreichs Tourismuswirtschaft nun auf eine nicht minder gute Wintersaison ein

Vor dem Hintergrund rekordverdächtiger Zahlen aus dem Sommerhalbjahr stellt sich Österreichs Tourismuswirtschaft nun auf eine nicht minder gute Wintersaison ein. Dennoch gibt es einige Fragezeichen.

 

Wien - Eurokrise hin, Sparpakete her - die heimische Tourismusbranche mit Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner an der Spitze gibt sich betont optimistisch, was die Bettenauslastung in der kalten Jahreszeit betrifft. Der Rekordsommer 2012 jedenfalls sei Rückenwind für die Wintersaison, heißt es sinngemäß.

Tatsächlich könnte der europäische Ferienkalender dafür sorgen, dass es anders als in zurückliegenden Jahren zu einer Entzerrung des Urlauberstroms kommt. Das wäre positiv, weil dadurch eine gleichmäßigere Auslastung möglich wäre. Außerdem sind die Osterferien 2013 bereits Anfang April, eine Woche früher als heuer. Das macht die Saison kompakter und sollte den Betrieben auch betriebswirtschaftlich helfen, weil früher zugesperrt werden kann.

Gespenst der Rezession

Wenn da nicht alarmierende Wirtschaftskennzahlen wären, die auf eine Fortsetzung und Verschärfung der Krise hindeuten. "Es gibt das Phänomen, dass wir vor einer Abflachung der allgemeinen Wirtschaftslage stehen. Ein Halten des Vorjahresergebnisses im heurigen Winter wäre ein schöner Erfolg", sagte der Tourismusexperte des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Egon Smeral, dem Standard.

Es sei richtig, dass sich die Tourismusbranche heuer unterm Strich etwas erholt habe; dennoch gebe es Fragezeichen, was die weitere Entwicklung betrifft. "Wenn Nahmärkte stärker zunehmen, kann das auch als Vorbote für eine Rezession gesehen werden", sagte Smeral. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten gebe es die Tendenz, eher auf Nahmärkte zu gehen, wo man sich auskenne und deshalb auch ein gewisses Maß an Kostensicherheit habe.

Der zurückliegende Sommer jedenfalls war aus touristischer Sicht einer der bisher besten. Laut Statistik Austria gab es bei den Ankünften mit 19,4 Millionen (plus 3,6 Prozent) einen neuen Rekordwert. Die Nächtigungen sind von Mai bis Oktober um 2,6 Prozent auf 65,7 Millionen (siehe Grafik) gestiegen - das beste Sommerergebnis seit 1995. Wirtschaftlich dürfte es den Betrieben weniger gut ergangen sein, schätzt Wifo-Experte Smeral. Zuwächse habe es vor allem in der Stadthotellerie gegeben, wo der Preisdruck stark zu spüren sei, meint auch Johann Schenner, oberster Touristiker in der Wirtschaftskammer.

Wien jedenfalls hat Boden gutgemacht und mit 1,092 Mio. Nächtigungen das beste Oktoberergebnis seiner Geschichte erzielt. Allerdings sind auch die Bettenkapazitäten durch Neueröffnungen von Hotels deutlich gestiegen.

Thomas Cook probt Budget

Positiv blickt auch Thomas Cook Austria (Neckermann) in die angelaufene Wintersaison. Österreich und insbesondere Wien verzeichneten eine anhaltend gute Nachfrage, sagte Österreich-Chef Ioannis Afukatudis bei der Präsentation des Sommerprogramms 2013. Dieses beinhaltet mit " Smartline" erstmals auch eine Budgetschiene für besonders günstigen Urlaub am Strand.

Fernreisen seien im heurigen Winter "der Hit schlechthin", sagte Afukatudis. Bei der Türkei gebe es wegen reduzierter Kapazitäten im Winter ein Minus. (Günther Strobl, DER STANDARD, 27.11.2012)

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    Im Sommer waren die Betten in Österreichs Tourismusbetrieben gut belegt, vor allem in Wien. Darauf hofft man auch im Winter.

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