Doc on Board: "Ein Rückschritt an den Anfang"

  • Wie hebt man einen Passagier alleine aus seinem Sitz? Wie verwendet man medizinische Geräte und Medikamente in der Umgebung einer Druckkabine richtig? Das und mehr lernen Ärzte bei "Doc on Bord".
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    foto: doc on bord

    Wie hebt man einen Passagier alleine aus seinem Sitz? Wie verwendet man medizinische Geräte und Medikamente in der Umgebung einer Druckkabine richtig? Das und mehr lernen Ärzte bei "Doc on Bord".

AUA schließt sich "Ärzte an Bord" der Lufhansa Gruppe an und kündigt "Doc on Board". Für "Doc on Board"-Mitbegründer Gabriel ein unverständlicher Schritt

Das Programm "Doc on Board" wurde 2004 von David Gabriel und Joachim Huber ins Leben gerufen. Seitdem wurden an die 1.000 Ärzte ausgebildet, um Passagieren im Notfall die richtige Hilfe im Flugzeug zuteil werden zu lassen. Damit ist es seit 26. November vorbei, denn Austrian Airlines hat die Zusammenarbeit mit den Ärzten gekündigt.

Die AUA schließt sich laut aktueller Presseaussendung (siehe Artikel) dem Programm "Ärzte an Bord" der Lufthansa Gruppe an. Im Rahmen dieses Programms können sich Ärzte kostenlos registrieren lassen und erhalten für den ersten Flug 5.000 Prämienmeilen und ein Taschenbuch der Flugmedizin.

Laut Austrian soll damit die Notfallversorgung an Bord verbessert werden. Dafür will man auch den 800 Ärzten des auslaufenden "Doc on Board"-Programms von Austrian Airlines noch im Dezember per Brief anbieten, ihre Mitgliedschaft zu übertragen. Damit soll der Pool an mit fliegenden Ärzten in der gesamten Lufthansa Gruppe vergrößert werden, was laut AUA-Aussendung einen wesentlichen Vorteil für die Passagiere bedeute.

"Wir haben heute von der AUA die Kündigung erhalten", so David Gabriel. Für ihn bedeutet der Umstieg der AUA keineswegs einen Vorteil für die Passagiere: "'Bei Ärzte an Bord' handelt es sich um eine reine Registrierung für Ärzte. Es gibt keine speziellen Schulungen, wie sie bei 'Doc on Board' gemacht werden", so Gabriel. Ärzte, die im Flugzeug anwesend sind, müssen im Notfall auf jeden Fall helfen.

Das Flugzeug ist kein Krankenhaus

Noch 2007 legte die AUA Wert darauf, Ärzte für den Notfalleinsatz an Bord der Maschinen zu schulen. "Das ist auch notwendig", so Gabriel. Die Bedingungen an Bord, die räumliche Enge sowie die speziellen Druckverhältnisse schaffen ein völlig anderes Umfeld als in einem Krankenhaus. "Nicht ausgebildete Ärzte sind mit der Situation oft überfordert und wissen beispielsweise nicht, wie sie mit dem vorhandenen Equipment umgehen sollen. Bei 'Doc on Board' werden die Ärzte außerdem darauf geschult, wie mit Sprach- und Kulturbarrieren umzugehen ist."

Im Sommer diesen Jahres verkündete die AUA, dass aus Gründen von Einsparungsmaßnahmen das Programm nicht mehr finanziert werden könne. Austrian Airlines forderte von 'Doc on Board' Zahlungen dafür, dass Räumlichkeiten für die Ausbildung zur Verfügung gestellt werden. "Wir konnten die Forderungen nicht realisieren, ein Gegenangebot lehnte Austrian Airlines ab. Dabei sind die Kosten für die AUA relativ gering. Lediglich die Stromkosten sind zu bezahlen, da die Räumlichkeiten für die Schulungen von uns am Wochenende genutzt wurden, wenn diese ohnehin leer stehen."

"Rückschritt an den Anfang"

"Doc on Board" ist ein weltweit einzigartiges Programm, das Ärzte speziell für den Einsatz im Flieger ausbildet. "Die Internationale Flug-Transport-Vereinigung (IATA) hat bereits Interesse bekundet, 'Doc on Board' auf eine internationale Ebene zu heben", so Gabriel. Er versteht die Vorgehensweise der AUA nicht und prognostiziert eine Zunahme der Notlandungen, weil Ärzte aus Unsicherheit über die Notfallbehandlung im Flieger lieber landen lassen, anstatt etwas falsch zu machen. "Vom medizinischen Standpunkt her ist die Entscheidung der AUA ein Rückschritt an den Anfang", so Gabriel. (ham, derStandard.at, 26.11.2012)

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