14 Tote nach Feuer in Behindertenwerkstatt im Schwarzwald

27. November 2012, 11:05
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Opfer konnten identifiziert werden - Neun Menschen schwer verletzt - Ermittlungen der Unglücksursache im Laufen

Berlin - Bei einem Brand in einer Behindertenwerkstatt der Caritas im Schwarzwald im deutschen Bundesland Baden-Württemberg sind am Montag mindestens 14 Menschen gestorben. Außerdem sind neun Menschen bei der Katastrophe in der Stadt Titisee-Neustadt schwer verletzt worden sein, teilte die Polizei mit.

Die Gerichtsmediziner hatten bis Dienstagvormittag alle 14 Todesopfer identifiziert. Bei den Toten handle es sich um eine 50-jährige Betreuerin der Caritas-Werkstatt, zehn behinderte Mitarbeiterinnen im Alter von 28 bis 68 Jahren sowie drei behinderte Mitarbeiter zwischen 45 und 68 Jahren, teilte die Freiburger Polizei am Dienstag mit.

Die Untersuchungen zum Ausbruch des Feuers liefen auf Hochtouren. Zu der Unglücksursache äußerten sich die Ermittler zunächst nicht. Die Kriminalpolizei richtete eine Sonderkommission ein. Seit Montagabend seien die Beamten im Großeinsatz, teilte die Polizei weiter mit. "Die Brandermittler der Kriminalpolizei, die Spurensicherung und Sachverständige waren in der Nacht vor Ort", sagte Dienstagfrüh ein Sprecher der Freiburger Polizei.

Neun Schwerverletzte

Die Zahl der Verletzten erhöhte sich nach Angaben der Polizei auf neun. Sie seien auf verschiedene Krankenhäuser verteilt worden. Einzelne unter ihnen seien dabei in Kliniken bis nach Stuttgart gebracht worden.

Am Dienstagnachmittag soll es eine Pressekonferenz zum Stand der Untersuchungen geben. Das Feuer hatte sich Montagmittag außergewöhnlich schnell in der Behindertenwerkstatt ausgebreitet. Zum Zeitpunkt des Unglücks waren laut Caritas etwa 50 bis 60 Behinderte und Betreuer in dem Gebäude gewesen. 300 Feuerwehrleute, Katastrophenschützer, Rettungskräfte und Polizisten waren am Unglücksort im Einsatz.

Explosion in einem Lager

Bereits in der Nacht hatte eine nach dem Brand gebildete Ermittlungsgruppe der Polizei ihre Arbeit aufgenommen. Im Einsatz waren Brandsachverständige und Spezialermittler. Hinweise auf fehlende Sicherheitseinrichtungen oder Mängel beim Brandschutz habe es ersten Untersuchungen zufolge keine gegeben, hieß es.

In einem Lagerraum der Werkstatt habe es kurz vor 14 Uhr eine Explosion gegeben. Ob in dem Raum Chemikalien gelagert worden seien, war vorerst unklar. In den Werkstätten wurde jedenfalls Holz verarbeitet.

Insgesamt 120 Menschen in Gefahr

Bei Ausbruch des Brandes seien 120 Menschen in dem Gebäude gewesen, sagte Kreisbrandmeister Alexander Widmaier. Die meisten hätten sich selbst retten können. Doch 14 Menschen seien in den Flammen und dem dichtem Rauch hilflos gewesen. Für Gerettete, Angehörige und Einsatzkräfte richtete die Einsatzleitung einen Betreuungsstützpunkt ein. Dort kümmerten sich Psychologen um die Menschen, wie ein Polizeisprecher sagte.

Auch eine Stunde nach Ausbruch des Feuers war noch Rauch aus dem Gebäude gedrungen. Aus allen Nachbarregionen wurden Einsatzkräfte zusammengezogen. Mehrere Rettungshubschrauber waren im Einsatz.

Große Teile der Werkstatt zerstört

Feuerwehren und Technisches Hilfswerk (THW) waren die ganze Nacht mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Große Teile der Werkstatt wurden von Feuer und Rauch zerstört, sagte ein Sprecher der Caritas. Wann die Einrichtung wieder öffne, sei unklar.

Angehörige und die Rettungskräfte sollen auch in den kommenden Tagen psychologisch betreut werden. Die Stadt plane eine Trauerfeier, sagte Bürgermeister Armin Hinterseh. Zudem habe sie für Angehörige ein Telefon-Hotline eingerichtet.

Zuletzt 1983 ähnlich schweres Unglück

Die Polizei hatte zunächst in einer benachbarten Spedition eine Personensammelstelle eingerichtet und bat Menschen, die bei Ausbruch des Feuers in dem Gebäude waren, sich zu melden. So sollte sichergestellt werden, dass auch alle möglichen Opfer erfasst worden waren.

Es ist dies eine der schlimmsten Brandkatastrophen in einer Behinderteneinrichtung in Deutschland der vergangenen Jahrzehnte. Zuletzt war es 1983 in einem Behindertenheim zu einem ähnlich schweren Unglück gekommen: Bei einem Feuer in einem Heim für psychisch kranke Kinder in Groß-Hennersdorf bei Dresden in der DDR waren 19 Menschen gestorben. (red, DER STANDARD, 27.11.2012)

  • Vermutlich wurde das Feuer durch eine Explosion in einem Lagerraum ausgelöst. Die Ermittlungen zur Ursache laufen noch.

  • Insgesamt 120 Menschen haben sich bei Ausbruch des Brands in dem Gebäude befunden.
    foto: dpa/patrick seeger

    Insgesamt 120 Menschen haben sich bei Ausbruch des Brands in dem Gebäude befunden.

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