Ein Meisterschuldner in Wien

26. November 2012, 17:18
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Die Nationalbibliothek zeigt in Wien die Wagner-Schau "Geliebt, verlacht, vergöttert"

Wien - Richard Wagner - nicht nur ein innovativer Opernmeister des 19. Jahrhunderts, vielmehr auch ein echtes Genie des Schuldenmachens: Seine Sympathie für Wien konnte ihn denn auch nicht daran hindern, seinerzeit, 1864, auch diese Stadt fluchtartig zu verlassen, um wütenden Gläubigern zu entgehen - bis dann schließlich der Wagner-Fan und bayerische König Ludwig II. für die Bereinigung solcher Situationen zu sorgen begann.

In Wien ging es für Wagner um 12.000 Gulden Schulden (rund 70.000 Euro), in Wien ging es aber auch um die Meistersinger von Nürnberg, an denen Wagner schrieb. Hier hat sich Wagner recherchierend in Johann Christoph Wagenseils Buch Von der Meister-Singer holdseliger Kunst (von 1697) vertieft. Und auch dieses kostbare Stück ist Teil der Schau Geliebt, verlacht, vergöttert. Richard Wagner und die Wiener im Prunksaal der Wiener Nationalbibliothek.

Fan Anton Bruckner

Die Schau zeigt auch, dass Wagner - dessen 200. Geburtstag nächstes Jahr begangen wird (22. Mai 2013) - natürlich ziemlich polarisierte. Davon geben einige bissige Karikaturen Zeugnis, von denen eine zeigt, wie Wagner vor dem Wiener Musikkritiker Eduard Hanslick zu knien hat. Es gab indes auch jene hymnische Verehrung, vor der auch größte Tonsetzer nicht wirklich gefeit waren. Anton Bruckner, dem zu Recht eine Vitrine gewidmet ist, hat Richard Wagner nicht nur seine 3. Symphonie zugedacht.

Der Fan bewahrte sogar auch drei Efeublätter von Wagners Grab bei sich auf. Auch diese sind in der Nationalbibliothek zu sehen. Und natürlich wird auch daran erinnert, dass es in Wien doch nicht zu der geplanten Uraufführung von Tristan und Isolde gekommen war. Trotz immerhin 77 abgehaltener Proben.

Auch eine aktuelle Arbeit verweist auf die ambivalente Rezeption Wagners im Zeitalter der Romantik: Bühnenbildner Christof Cremer hat zwei riesige Büsten des Opernerneuerers ins Rondell der Nationalbibliothek gestellt. Die eine zeigt sich gütig, also den Kopf des Komponisten in der bekannten Form. Die andere allerdings ist karikierend zugespitzt. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 27.11.2012)

"Geliebt, verlacht, vergöttert. Richard Wagner und die Wiener" im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek. Bis 10. Februar 2013, jeweils Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 21 Uhr.

  • Dynamische Richard-Wagner-Karikatur zu den Bayreuther Festspielen.
    foto: österreichische nationalbibliothek

    Dynamische Richard-Wagner-Karikatur zu den Bayreuther Festspielen.

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