Die Kandidaten für die Clinton-Nachfolge

Ansichtssache

Nach seinem Wahlsieg muss sich US-Präsident Barack Obama nun um die Besetzung vakanter Posten in seinem Kabinett kümmern. Am prominentesten dabei ist die Suche nach einem Nachfolger für die amtsmüde Außenministerin Hillary Rodham Clinton. Mehrere Kandidaten gelten dabei als ministrabel. (red/derStandard.at, 26.11.2012)

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foto:bebeto matthews/ap/dapd

Susan Rice

Ihr Hemmschuh heißt Bengasi. Zu lange, so ihre Kritiker, habe sie als UN-Botschafterin den Terrorangriff auf das US-Konsulat vom 11. September 2011 kleingeredet, zu lange habe sie den terroristischen Charakter des Überfalls, bei dem Botschafter Chris Stevens ums Leben kam, negiert. Die republikanische Opposition droht ihre Beförderung aus diesem Grund im Senat zu "fillibustern", also durch endlose Debatten in die Länge zu ziehen. 2009 wurde sie vom Senat noch ohne Gegenstimme zur UN-Botschafterin gewählt.

Die 48-Jährige gilt als versiert im Umgang mit den neuen Medien und als beliebt bei der demokratischen Basis, ihrem Twitter-Account @AmbassadorRice folgen mehr als 220.000 Menschen. Die in Stanford und Oxford ausgebildete Historikerin verdiente ihre ersten Meriten unter Bill Clintons Chefdiplomatin Madeleine Albright. Zuvor arbeitete sie im außenpolitischen Team des gescheiterten demokratischen Präsidentschaftskandidaten Michael Dukakis. Susan Rice wird aber auch ein impulsives Temperament nachgesagt. Während einer Sitzung im Außenministerium soll sie laut einem Bericht von Washington-Post-Autor Dana Milbank in den 90er-Jahren der Diplomatenlegende Richard Holbrooke den Mittelfinger gezeigt haben.

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foto: epa/brian blanco

John Kerry

Der 68-jährige demokratische Präsidentschaftskandidat von 2004 galt lange als logischer Favorit für die Clinton-Nachfolge. Kerry wird von vielen sowohl das Format als auch die Erfahrung zugesprochen, das Amt des US-Außenministers zu bekleiden. Obama schickte ihn gleich nach seinem Amtsantritt als Unterhändler in die heikle AfPak-Region, sowohl seine afghanischen Gegenüber als auch pakistanische Gesprächspartner lernten den aristokratisch wirkenden 193-cm-Mann aus Colorado als überzeugenden Überbringer von Obamas Botschaften kennen.

Im Wahlkampf 2004 gab sich der hochdekorierte Vietnam-Veteran als Anti-Bush. Nach seinem Militärdienst zum Kriegsgegner mutiert, wollte der studierte Jurist den Unilateralismus des Republikaners beenden und die USA wieder stärker in der internationalen Gemeinschaft verankern. Nach seiner klaren Niederlage gegen Bush erwog Kerry 2008 erneut zu kandidieren, schloss sich dann aber dem Obama-Lager an. Beobachter zufolge hadert der Präsident aber auch deshalb mit der Entscheidung für Kerry, weil durch dessen Wechsel in die Regierung sein Senatssitz aus Massachusetts vakant wird – und Obama dort eine Niederlage fürchtet.

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foto: epa/michael reynolds

Tom Donilon

Der 57-Jährige ist der große Unbekannte in diesem Personalkarussell. Als Nationaler Sicherheitsberater von Präsident Obama zeichnet er nach Ansicht von Beobachtern schon jetzt für einen Gutteil der US-Außenpolitik verantwortlich. Im Sommer reiste der studierte Jurist und frühere Mitarbeiter von Präsident Jimmy Carter nach Peking, um mit China über dessen Syrien-Politik zu verhandeln.

Mit eigenständigen außenpolitischen Visionen hielt sich Donilon, der als beflissener Kenner des politischen Washington gilt, bisher zurück. Sechs Jahre lang diente er der 2008 implodierten US-Hypothekenbank Fannie Mae, politisch agitierte er auch deshalb stets gegen staatliche Regulierungen im Bankensektor. Im vergangenen Wahlkampf orchestrierte Danilon, der mit der Stabschefin von Joe Bidens Ehefrau verheiratet ist, nach Ansicht der New York Times gleich einem „geopolitischen Bodyguard“ die außenpolitischen Leitlinien seines Chefs.

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foto: reuters/yuriko nakao

Bill Burns

William Joseph Burns, derzeit Vizeaußenminister, wäre einer der wenigen Karrierediplomaten, die den höchsten Posten der US-Außenpolitik bekleiden. Einzig Lawrence Eagleburger, Kurzzeit-Außenminister zu Beginn der 90er-Jahre, stand schon vor seiner Berufung im diplomatischen Dienst. Burns, 56, wurde noch von Barack Obamas Vorgänger George W. Bush zum Under Secretary of State for Polictical Affairs ernannt, 2011 folgte die Beförderung zum Vizeminister.

Und 2009 durfte der studierte Historiker einen Tag lang als Außenminister dienen: in den 24 Stunden zwischen der Amtseinführung Obamas bis zur Bestätigung Clintons war Burns amtierender Secretary of State der USA.

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