Rudolfinum: Bis zu 3.000 Exponate akut gefährdet

26. November 2012, 14:50
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Schimmelbefall in Landesmuseums-Depot - Gebäude dringend sanierungsbedürftig

Klagenfurt - 2.000 bis 3.000 Exponate der Sammlung des Kärntner Landesmuseums Rudolfinum sind akut von Zerstörung durch Schimmelbefall bedroht oder bereits vernichtet. Das sagte Museumsdirektor Thomas Jerger am Montag. Das Gebäude sei durchfeuchtet und dringend sanierungsbedürftig. Kulturreferent Wolfgang Waldner (ÖVP) hat durch Umschichtungen im Kulturbudget 600.000 Euro freigemacht, um Notmaßnahmen zu finanzieren. Zur Auszahlung ist die Zustimmung von Finanzreferent Harald Dobernig (FPK) notwendig. Eine Anfrag im Büro Dobernig blieb zunächst unbeantwortet.

Schimmelbefall

Bei den befallenen Stücken handelt es sich um volkskundliche Exponate, aber auch um Bücher aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die Stücke liegen auf rund 200 Quadratmetern im Depot im Keller des Baus am Viktringer Ring. Der Bereich wurde bereits unter Quarantäne gestellt und darf nur mit Schutzanzügen und -masken betreten werden. Durch den Lift im Gebäude könnten die Schimmelsporen jedoch auch in die darüberliegenden Stockwerke gelangen und dort zur Gefahr für Besucher wie Mitarbeiter werden, sagte Jerger.

Waldner, der im September das Kulturreferat von Dobernig übernommen hatte, sagte, er sei "erschüttert und entsetzt" angesichts des "katastrophalen Zustands" des Landesmuseums. "Fahrlässiges Handeln und Nachlässigkeit hat zu diesem Zustand geführt." Kärnten habe sich in den vergangenen Jahren viel geleistet, wenn es um Kulturevents ging, so Waldner. "Das darf aber nicht auf Kosten der Kulturspeicher, der Kulturschätze gehen." Der jetzige Zustand sei Ergebnis jahre- und jahrzehntelanger "ignoranter Kulturpolitik".

Im Kulturreferat des Landes sei die Problematik seit Langem bekannt, sagte Jerger. Er habe den früheren Kulturreferenten Dobernig bereits im Februar informiert. Protokolle belegen, dass schon Jergers Vorgänger in der Museumsverwaltung immer wieder die Politik vom Sanierungsbedarf informiert hätten. Jerger ist seit elf Monaten Direktor des Kärntner Landesmuseums. Erst im August wäre er mit der Forderung nach einer Million Euro für Notmaßnahmen aus dem Nachtragsvoranschlag bei Dobernig abgeblitzt, sagte er.

Notmaßnahmen

Für Notmaßnahmen seien 1,1 Millionen Euro notwendig, sagte Jerger. Die Generalsanierung des Gebäudes werde aber wesentlich teurer kommen. Zuständig dafür ist die Landesimmobiliengesellschaft LIG, das Museum habe bereits eine Mietminderung vorgenommen. Sie werde erst zurückgenommen, wenn es eine fixe Zusage für eine Sanierung des Gebäudes durch die LIG gebe. LIG-Geschäftsführer Johann Polzer wollte telefonisch nicht Stellung nehmen.

Aber auch abseits des Schimmelbefalls im Keller sei das Rudolfinum in schlechtem Zustand und in vielen Bereichen weit entfernt vom neuesten Stand der Museumstechnik, sagte Jerger. Konkret gebe es etwa keine ausreichende Klimatechnik. Auch die Ausstattung gehöre überholt. 5.000 Jahre alte, filigrane Bleifiguren aus Frög etwa seien dabei, zu korrodieren und zu verklumpen. Grund: Die bei der Ausstattung der Vitrinen verwendeten Lacke seien schädlich für die Kunstwerke. (APA, 26.11.2012)

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