Osteuropa kommt 2013 aus der Krise

26. November 2012, 13:59
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Im kommenden Jahr sollen sieben der acht Länder, die heuer in einer Rezession stecken, wieder wachsen

Wien - In Mittel- und Osteuropa (CEE) wird 2013 eine leichte Erholung der Wirtschaft erwartet. Im kommenden Jahr sollen sieben der acht Länder, die heuer in einer Rezession stecken, wieder wachsen - zwischen 0,5 und 1 Prozent. Nur die slowenische Volkswirtschaft, die eine Bankenkrise zu verdauen hat, wird laut Prognosen der Ökonomen des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) auch 2013 um 1,5 Prozent schrumpfen.

Wachstumsimpulse sollen vor allem aus der Inlandsnachfrage kommen, unter anderem weil die restriktive Sparpolitik in einigen CEE-Ländern gelockert werden dürfte, so WIIW-Experte Vasily Astrov. Dazu erwarten die Ökonomen, dass auch die "Konjunkturflaute, die es derzeit in der Eurozone gibt", endlich zu Ende gehe. Astrov geht davon aus, dass auch die Kernländer der Eurozone - wie Deutschland - ihre Fiskalpolitik lockern werden, was für die CEE-Region von großer Bedeutung wäre.

Die Exporte aus der Region, die 2010/11 stark gestiegen waren, seien 2012 fast zum Stillstand gekommen, betonen die WIIW-Experten. Von dieser schlechten wirtschaftlichen Entwicklung konnten sich vor allem die Energieproduzenten wie Russland und Kasachstan absetzen, die heuer um 3,6 und 5 Prozent wachsen dürften. Aber auch jene CEE-Staaten, die weniger von der krisengeschüttelten Eurozone abhängig seien, wie etwa die baltischen Länder und die Slowakei, weisen höhere Wachstumsraten auf. Insgesamt werde sich die Situation in der Region aber nur langsam verbessern. Das sei leider "die triste Situation in Europa", betonte WIIW-Direktor Peter Havlik.

Kaum Entspannung am Arbeitsmarkt

Kaum Entspannung sieht Astrov auf dem Arbeitsmarkt. Denn es gelte für diese Länder die Daumenregel von mindestens 4 Prozent Wachstum, um positive Effekte bei der Arbeitslosigkeit zu erreichen. "Davon sind die meisten Länder weit entfernt", so Astrov. Bessere Dynamik wird unter anderem in Lettland und Rumänien erwartet, auch weil die Arbeitslosen auswandern dürften, so Astrov.

Heuer stecken acht Länder der Region in einer Rezession: Am stärksten sei Slowenien betroffen, das infolge einer geplatzten Immobilienblase mit einer heftigen Bankenkrise kämpfe, so Astrov. Die slowenische Wirtschaft wird 2012 laut WIIW um 2 Prozent schrumpfen.

Die Probleme fasste Astrov folgendermaßen zusammen: Zu einer Exportschwäche komme eine generelle Schwäche der Inlandsnachfrage und in sehr vielen Ländern eine Sparpolitik der öffentlichen Hand. "Dort wo diese drei Faktoren zusammentreffen, haben wir meistens eine Rezession", so Astrov.

Dazu komme der Entschuldungsprozess der zumeist westlichen Banken in der Region: Dies führe zu einer Kreditklemme, die die Inlandsnachfrage in der Region weiter dämpfe, was auch ein Ausdruck "steigender Unsicherheiten" sei. Anders dagegen die Lage in Russland und Kasachstan, wo die Kreditvergabe steige, so das WIIW.

WIIW-Expertin Hermine Vidovic zufolge hat das angeschlagene Slowenien einen sehr guten Reformansatz: "Man versucht jetzt vor allem auch die strukturellen Reformen anzugehen, die in der Vergangenheit versäumt worden sind." Dazu zählt sie u.a. die Pensions- und die Arbeitsmarktreform. So soll die Dauer und Höhe der Arbeitslosenunterstützung gekürzt werden.

Viele Reformen könnten aber an den Politikern bzw. an den Machtbestrebungen einzelner Parteien scheitern, warnt Vidovic. So sei ein Referendum über die geplante Schaffung einer "Bad Bank" geplant. Dies hält die WIIW-Expertin für problematisch: "Ich kann mir sehr schwer vorstellen, wie sich eine Bevölkerung für oder gegen eine Bad Bank entscheiden kann", so Vidovic. Zum Teil würden sich die politischen Parteien selbst im Weg stehen, um diese Reformen durchzuführen.

Doch Slowenien steht in Osteuropa nicht alleine im Regen: Auch Kroatien (-1,8 Prozent), Serbien (-1,5 Prozent), Ungarn (-1,3 Prozent), Tschechien (-1,2 Prozent), Montenegro (-1 Prozent), Bosnien-Herzegowina (-0,7 Prozent) und Mazedonien (-0,6 Prozent) werden heuer schrumpfen, so die Prognose. (APA, 26.11.2012)

  • Exportschwäche, flauer Inlandskonsum und Sparpolitik:  Slowenien kommt nicht vom Fleck.

    Exportschwäche, flauer Inlandskonsum und Sparpolitik:  Slowenien kommt nicht vom Fleck.

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    grafik: apa
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