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Neues Journal.
Wien - "Publish or perish" lautet die vielrezipierte Devise, die die Strahlkraft eines Wissenschafters an der Länge seiner Publikationsliste misst. Bloß zu publizieren ist dabei noch nicht genug: Auch auf die Reputation der Zeitschrift kommt es an.
Das sogenannte Peer-Review-Verfahren, das den Anspruch erhebt, wissenschaftliche Texte an vermeintlich objektiven Kriterien zu messen, hat sich zunächst in den Naturwissenschaften etabliert. Zunehmend setzt es sich auch in den Sozial- und Geisteswissenschaften durch.
Bei den Peer-Review-konformen Beiträgen handelt es sich zumeist um Texte, die "weder stilistisch noch in ästhetischer Hinsicht etwas wagen können", meint Elisabeth Schäfer. Gerade in der Philosophie bedeute das eine Einengung, "die nichts Gutes bringt".
Durch die Unsäglichkeiten, die das Peer Review in die Philosophie einschleppt, sah sich die frisch promovierte Philosophin mit einigen Kolleginnen und Kollegen zu einem mutigen Unterfangen aufgerufen: einem Queerreviewed-Journal. Morgen, Freitag, erscheint die erste Ausgabe von Sublin/mes unter dem Titel "wir versprechen wieder was".
Neben neun philosophischen Texten, die sich aus verschiedenen Perspektiven mit Versprechen beschäftigen, beinhaltet das Heft ein Manifest, einen philosophischen Werkzeugkasten mit Zitaten, die der "Weiterverarbeitung" dienen sollen, und einem herausnehmbaren Kunstwerk.
250 Stück werden an verschiedenen Lokalen und Universitäten in Wien gratis verteilt, in drei Wochen wird das komplette Heft online verfügbar sein, zudem können per E-Mail Printexemplare bestellt werden.
Auch die kostenlose Verbreitung resultiert aus der Kritik an den traditionellen Peer-reviewed-Journals, die ihre Texte oftmals zu "unverhältnismäßig hohen Preisen verkaufen", meint Schäfer. "Die Frage ist nicht, ob philosophische Zeitschriften nicht auch etwas kosten dürfen - aber sie müssen nicht immer etwas kosten und sollten freier zugänglich sein."
Und wie sieht nun das Queer-Review-Verfahren aus? Schäfer: "Das Ziel ist, etwas zu schaffen abseits vom Peer-reviewed-Stil. Für uns ist die Frage des Stils keine Frage von Dekoration, sondern sie hat inhärent mit Inhalt und Aussage zu tun." Bei der Auswahl setzt das Herausgeberkollektiv, das sich "Philosophieren von unten" nennt, auf persönlichen Austausch und Diskussionen in offenen Redaktionssitzungen.
Auch will sich Sublin/mes als "konkurrenzlos" verstanden wissen. Die Zeitschrift will sich nicht als Gegenspielerin von anderen sehen, sondern "auch andere dazu auffordern, selbst Journals zu gründen". Denn wie es im Manifest heißt: "Philosophieren von unten will endlich und unendlich wieder die Lust am Schreiben und Denken befreien." (Tanja Traxler, UNISTANDARD, 22.11.2012)
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kritisch gesehen werden - und es gibt ohne Frage Probleme, die behandelt werden muessten -, aber ich sehe keine ernsthafte Alternative dazu.
Gerade in nicht-naturwissenschaftlichen Faechern gibt es in meinen Augen schon jetzt einige Alternativen.
Ich sehe die falsche Entwicklung nicht bei den Journalen, die versuchen, gute Artikel zu publizieren und sich wissenschaftlich abzusichern. Ich sehe sie bei den Bewertungskriterien, die den Universitaeten und Forscher von der Politik oder etablierten ForscherkollegInnen auferlegt werden (vor allem denen der Geisteswissenschaft).
Dagegen hilft kein neues Journal, welches in der Community nicht akzeptiert ist.
Michael
Ganz im Gegenteil. Es ist toll, wenn sich Leute engagieren und derartige Dinge auf die Beine stellen.
Aber es ist in meinen Augen keine Alternative zum Peer-Review-Verfahren.
Und zweitens, wie gesagt, liegt das Problem fuer Forscher im Allgemeinen und Jungforscher wahrscheinlich im Speziellen an anderer Stelle - nicht unbedingt in der Unmoeglichkeit der stilistisch gewagten Publikation.
Michael
Vielleicht entwickeln sich ja neue Verfahren. Und die haben dann die Chance, gut bzw. geeignet zu werden. Nämlich durch Entwicklung.
Peer-Review wurde ja auch nicht fix und fertig auf Steintafeln von Moses vom Berg heruntergebracht - obwohl sich dessen VertreterInnen so benehmen, als handelte es sich um das Wort des Herrn :-)
Robert Pfaller (2002), Die Illusionen der anderen. Suhrkamp.
Bruno Latour (2002), Die Hoffnung der Pandora. Suhrkamp.
Slavoj Zizek (2009), Auf verlorenem Posten. Suhrkamp.
Markus Metz & Georg Seeßlen (2011), Blödmaschinen. Die Fabrikation der Stupidität. Suhrkamp.
Es reicht, wenn Sie Pfaller und Latour lesen. Vielleicht erwacht dann auch in Ihnen die Lust am Denken. Wiederkäuen ist doch, seien Sie mal ehrlich, fad. Auch wenns belohnt wird.
du gibts mir eine latte an büchern zum lesen und dann bin ich der widerkäuer? du kannst auch einfach nur argumente bringen, statt einer ewig langen literaturliste. das würde schon reichen. offenbar kannst du aber die von dir hier gelisteten bücher nicht auf das konkrete problem anwenden sondern plapperst nur dinge nach und musst deswegen auf komplette bücher verweisen
...in einer wissenschaft, in der die österreichische prägung der standards bereits derartig heruntergewirtschaftet ist, macht es natürlich sinn, einfach vom objektivsten verfahren, das derzeit bekannt ist, abzuweichen und einfach wieder die kontrolle komplett zu untergraben. immerhin müssten die leute dort sonst wirklich relevantes leisten ;)
Ich finde, dass es eine enorme Qualitätsverbesserung bedeutet, philosophische Texte nicht nach naturwissenschaftlichen und (wissenschafts-)politisch hinterfragenswerten Kriterien zu beurteilen.
Ich erwarte mir ja auch nicht, dass die Gleichungen der Elementarteilchen-Physiker Gott berücksichtigen.
was du jetzt aber vorschlägst, ist, den review prozess vollkommen wegzulassen und schliesst daraus, dass dadurch bessere ergebnisse zustande kommen. genau das gegenteil ist der fall.
was das hier mit trans und interdisziplinarität zu tun hat, ist mir vollkommen schleierhaft, zeigt doch das derzeitige peer review system, dass das keineswegs ausgeschlossen wird. im übrigen ist das derzeitige system ein peer review system, insofern ist alles das, was in der wissenschaft wirklichkeit wurde so einem system zu verdanken. zumindest in der neuzeit. früher war das alles noch viel stärker eingeschränkt. viel eher muss man sagen: nicht auszudenken, wenn sich so ein system ohne review durchsetzen würde
sämtliche wissenschaftliche erkenntnisse der NEUZEIT verdanken sich dem peer review system?
vielen dank für diesen beitrag. damit nehmen sie sich aus der diskussion und outen sich als absoluter vollhirni, der absolut keine ahnung hat, und hier nur herumtrollt. ich vermute, sie studieren im zweiten semester technische physik und haben die hosen voll, sobald das ihnen vermittelte weltbild ein paar kratzer abbekommt. such is life.
...der das gebiet vorangebracht und damit was geleistet hat. das ist zumindest der grundgedanke des derzeitigen peer review verfahrens. es ist jedem klar, dass das nicht perfekt ist und darum gehts auch nicht. genauso wie in der demokratie nicht immer die richtige lösung rauskommt, ist es derzeit doch das bestmögliche und fairste system, das wir kennen. und oh wunder, auch die demokratie hat ihre probleme, die genau denselben hintergrund haben --> "richtig" ist keine absolute kategorie. es gibt nun mal leider keinen unfehlbaren menschen oder einen gott, der das bestimmen kann (dieser probleme sind sich alle wissenschaftlich denkenden menschen durchaus bewusst)
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