USA: Neue Visa sollen Startup-Gründer anlocken

26. November 2012, 18:07
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Ausländische Firmengründer sollen künftig einfacher zu ihrem Aufenthaltsrecht kommen

Asaf Darash, geborener Israeli und aufgewachsen in Israel und Australien, reiste 2010 in die USA ein. Dabei erhielt er ein Visum des Typs "J-2", das im Zusammenhang mit dem akademischen Austauschprogramm steht, in das seine Frau als Forscherin involviert war.

In den USA gründete er das Software-Unternehmen Regpack. Dort beschäftigt man sich mit Online-Registrierungen und Datenmanagement. Umfassende Auswertungstools sollen Firmen wichtige Einblicke und Analysen ermöglichen, um durch optimierte Formulare und Prozesse Geld zu sparen. Mittlerweile hat das in San Francisco ansässige Unternehmen 15 Mitarbeiter.

Fehlende Kündigungsmöglichkeit als Hürde

Im vergangenen April suchte seine Firma schließlich um ein "H-1B"-Visum für ihn an. Gedacht ist dieses dafür, Unternehmen die Möglichkeit zu geben, ausländische Mitarbeiter dauerhaft zu beschäftigen. Der Antrag wurde von der Einbürgerungs- und Immigrationsbehörde allerdings abgelehnt. In der Begründung heißt es, dass man sich nicht sicher sei, dass es zwischen Regpack und Darash eine "valide Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehung" gäbe.

Unternehmen, die ein "H-1B"-Visum für einen Angestellten anstreben, müssen unter anderem nachweisen, dass sie diesen problemlos anstellen oder feuern können. Letzteres, so vermutet Darash, könnte dabei zu Problemen geführt haben, da er sich als Firmengründer und Unternehmensleiter selbst kaum entlassen würde. Dazu kam es auch zu Schwierigkeiten beim Erledigen der Formalitäten mit dem Vorstand.

Neuer Anlauf mit Investorenvisum

Nun probiert Darash, ein "E-2"-Visum zu erhalten. Dieses ist gedacht für Investoren aus Ländern, die ein Handelsabkommen mit den USA pflegen und größere Summen in ansässige Unternehmen investieren sowie deren Geschäfte "leiten und entwickeln". Die Behörde verweigerte gegenüber dem Wall Street Journal einen Kommentar zum konkreten Fall, hab aber an, dass man derzeit die Schwierigkeiten für Gründer im Zusammenhang mit dem "H-1B"-Visum überprüfe.

Unternehmer und Investoren werben für "Startup Act 2.0"

Das Problem haben mittlerweile aber auch Manager aus dem Tech-Bereich, Interessensvertreter, Investoren und andere "Betroffene" erkannt und lobbyieren nun bei den Kongressabgeordneten für den "Startup Act 2.0". Vorgestellt wurde dieser vom republikanischen Senator Jerry Moranm erarbeitet wurde er allerdings von einer überparteilichen Gruppe beider US-Großparteien.

Aus dem Weißen Haus gab es bislang noch keine Stellungnahme zu diesem Gesetzesentwurf, Präsident Obama deutete allerdings schon vergangenen Januar Zustimmung zu einem solchen Vorhaben an. So sagte er in seiner "Rede zur Lage der Nation" über Einwanderer, die eigene Unternehmen gründen wollten in Richtung der Kammer: "Schickt mir ein Gesetz, dass ihnen die Chance gibt, sich so ihre Staatsbürgerschaft zu verdienen, und ich werde es sofort unterzeichnen."

Der "Startup Act 2.0" würde eine Reihe von Änderungen der Einwanderungsgesetze erwirken. So stünde Immigranten ein legaler Aufenthaltsstatus gewährt, wenn sie es innerhalb eines Jahres schaffen, ein Kapital von 100.000 Dollar aufzubringen und mindestens zwei amerikanische Mitarbeiter anzustellen.

Vier Jahre für wirtschaftliche Bewährung

Dies wäre von der Branche des Unternehmens unabhängig und würde für Internetfirmen ebenso gelten wie für Abbruch-Unternehmen. Ein solches Visum, für das jährlich ein Kontingent von 75.000 vorgesehen ist, wäre vier Jahre gültig, sofern die jeweilige Firma in den letzten drei Jahren der Laufzeit zumindest einen Mitarbeiterschnitt von fünf Vollzeit-Angestellten vorweisen kann. Danach wäre der Antrag auf eine Green Card möglich, die den permanenten Aufenthalt im Land ermöglicht.

"Die mit Abstand dümmste Politik"

Dies würde auch eine Lücke im Visa-System der Vereinigten Staaten schließen. Im Gegensatz zu Ländern wie Neuseeland oder dem nördlichen Nachbarn Kanada gibt es bislang keine speziellen Visas für Unternehmer, sondern lediglich "H-1B" für Angestellte sowie den Sonderfall "O-1" für Menschen, deren "außergewöhnliche Fähigkeiten" ihnen zu nationaler oder internationaler Anerkennung verholfen hat.

Ein Problem, das auchs chon Google-CEO Eric Schmidt mit scharfen Worten kritisiert hat. "Das ist die mit Abstand dümmste Politik, die die Regierung hier in Sachen Hightech und Immigration betreibt. Diese Leute würden Milliarden Dollar an Investments kreieren und uns die Möglichkeit geben, in jeder Industriesparte zur Weltspitze zu gehören."

Anteil ausländischer Firmengründer gesunken

Manche Gegner des "Startup Act" hätten gerne tiefergehende Veränderungen der Immigrationsgesetze, andere wiederum warnen vor Missbrauch. Sie verweisen etwa auf das "EB-5"-Programm, das Visa an Ausländer vergibt, die mit Investments zur Schaffung von Arbeitsplätzen in den USA beitragen, jedoch nicht ausreichend nachverfolgt, wie sich dieses tatsächlich auswirken.

Zahlreiche ausländische Studenten studieren an US-Universitäten, trotzdem ist der Anteil an Einwanderern, die Tech-Unternehmen gründen seit 2006 von 52 auf 44 Prozent gesunken.

Betroffene suchen nach kreativen Lösungen

Um die bestehenden Hürden zu überwinden, greifen andere Unternehmer zu kreativen Lösungen. So ließ sich Collin Vine, ein Kanadier der in San Francisco das Startup Zirtual mitgegründet hat, auf Basis seiner Ausbildung als Kinesiologe zum "Corporate Wellness Director" eines Unternehmens ernennen, um ein "H-1B"-Visum zu beantragen. Derzeit wartet er in Vancouver auf die Entscheidung der Behörden. (red, derStandard.at, 26.11.2012)

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    Der "Startup Act 2.0" soll Unternehmensgründern den Weg zum dauerhaften Aufenthalt erleichtern.

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