Kroatischer Ex-General Gotovina will nicht in die Politik

26. November 2012, 12:30
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"Ich mag Krieg nicht" - Ex-Präsident Mesic: "Tudjman nicht amnestieren"

Den Haag/Zagreb - Die Begeisterung der kroatischen Öffentlichkeit über den Freispruch für den kroatischen Ex-General Ante Gotovina in Den Haag reißt auch zehn Tage nach dem Urteilsspruch nicht ab. Noch immer versammeln sich Zehntausende Menschen um Gotovina, wenn er seiner Heimatstadt Pakostane oder zuletzt Zadar einen Besuch abstattet. Gotovinas Aufritte waren dabei immer ruhig, in versöhnlichem Tonfall und mit der Botschaft, die Vergangenheit ruhen zu lassen und "gemeinsam in die Zukunft zu schauen". Das führte zu Spekulationen, dass Gotovina in die Politik möchte.

Das jedoch wies der Ex-General in den bisherigen Ansprachen und Interviews entschieden zurück: "Ich möchte am öffentlichen Leben in Kroatien nicht teilnehmen, weder durch die Politik, noch die Armee", sagte Gotovina der Tageszeitung "Vecernji list" (Montag-Ausgabe). Er betonte, ein normaler Bürger zu sein und als solcher habe er nun vor, für seine Familie zu sorgen. In Richtung Politik sagte er, dass man mit dem "Heimatkrieg" nicht manipulieren solle.

"Ich mag Krieg nicht"

"Ich mag Krieg nicht. Ich bin zufällig Soldat geworden. Es ist schwer zu beschreiben wie das ist, wenn man zum ersten Mal den Geruch des Todes wahrnimmt und um sich herum zerstückelte Körper sieht. Wer soll so etwas mögen?", fragte sich Gotovina in dem Gespräch.

Gotovina war Befehlshaber der kroatischen Militäraktion "Sturm" (Oluja), bei der die "serbische Krajina" im August 1995 zurückerobert wurde. Laut dem Haager Tribunal wurden dabei mehr als 300 Menschen getötet und 91.000 vertrieben. Davor und danach kam es zu schweren Kriegsverbrechen auf kroatischer Seite.

Gotovina und zwei weitere Generäle waren aber wegen eines "gemeinsamen verbrecherischen Unternehmens" angeklagt, das zum Ziel hatte, die Serben aus dem Gebiet zu vertreiben. Die Berufungskammer des Tribunals, die aus fünf Richtern bestand, sprach Gotovina am 16. November frei. In erster Instanz war Gotovina zu 24 Jahren Haft verurteilt worden. Die Anklage stützte sich unter anderem auf Tonbandaufnahmen eines Treffen der kroatischen Führung vor der Aktion Oluja, bei der der damalige Präsident Franjo Tudjman die Operation und den Abzug der Serben beschloss.

"Tudjman nicht amnestieren"

Der ehemalige kroatische Präsident Stjepan Mesic sagte in einem Interview mit der Zeitung "Novi list", (Montag-Ausgabe): "Diese Urteile dürfen die Politik Tudjmans nicht amnestieren." Mesic warf Tudjman vor, mit dem damaligen serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic vorgehabt zu haben, Bosnien und Herzegowina zu teilen. "Tudjman hatte nichts dagegen, dass ein Teil der Serben geht. Auch Milosevic wünschte sich, dass die Serben aus Kroatien weggingen, damit er sie auf dem Kosovo ansiedeln kann, von wo er dauerhaft die Albaner nach Albanien vertreiben wollte", so Mesic.

Mesic sagte auch, dass Gotovina nie in Haag hätte landen müssen, wenn er gegenüber den Haager Anklägern schon in Kroatien zu den Vorwürfen Stellung genommen hätte. Diese Möglichkeit habe sich geboten, versicherte Mesic. Die damalige Regierungspartei HDZ (Kroatische Demokratische Gemeinschaft) habe das aber abgelehnt. Gotovina war 2001 geflüchtet. "Es war offenbar in jemandes Interesse, dass Gotovina weiter auf der Flucht bleibt", sagte Mesic, der dahinter finanzielle Interessen von jemandem vermutete. (APA, 26.11.2012)

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