Aktionskomitee fordert Abschaffung des Selbstbehalts

26. November 2012, 12:17

Wirtschaftsvertreter von SPÖ und Grünen, Ärztekammer und Ein-Personen-Unternehmer gegen Zuzahlungen für Selbstständige

Wien - Die Abschaffung des 20-prozentigen Selbstbehaltes beim Arztbesuch für Selbstständige fordert ein überparteiliches Aktionskomitee, zu dem sich Wirtschaftsvertreter von SPÖ und Grünen, die Wiener Ärztekammer sowie Vertreter von Ein-Personen-Unternehmen zusammengefunden haben. Mit Straßenaktionen, Betriebsbesuchen und anderen Veranstaltungen sollen in den nächsten Monaten zunächst in Wien mindestens 10.000 Unterschriften gesammelt werden, um der Forderung Nachdruck zu verleihen und auch die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) und den ÖVP-Wirtschaftsbund zu überzeugen.

"Soziale Ungerechtigkeit"

Der Initiator und Gründer des Aktionskomitees, der Präsident des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes Wien, Fritz Strobl, bezeichnete den Selbstbehalt als "soziale Ungerechtigkeit" und eine "Strafe fürs Kranksein". Er verwies darauf, dass es in Österreich etwa 450.000 Selbstständige und allein in Wien rund 100.000 aktive Kammermitglieder gibt, wovon 60.000 EPUs besonders stark davon betroffen seien. Viele dieser Personen könnten sich den Selbstbehalt beim Arztbesuch einfach nicht leisten und würden deshalb oft trotz Krankheit keine medizinische Hilfe in Anspruch nehmen.

Auch der Vorsitzende der Grünen Wirtschaft Wien, Hans Arsenovic, verwies darauf, dass Selbstständige im Schnitt nur dreimal pro Jahr zum Arzt gehen, andere Versicherte hingegen fünfmal. "Der Arztbesuch darf nicht am Geld scheitern." Arsenovic machte die SVA für mehr als die Hälfte aller Konkurse verantwortlich. Jeder fünfte Versicherte werde von der SVA wegen ausstehender Beiträge gemahnt, jeder zehnte exekutiert.

Selbstbehalt als Belastung

Der Wiener Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres betonte den Zusammenhang zwischen Wohlstand und Gesundheit. Der Gesundheitszustand und die Lebenserwartungen korrelieren mit dem Einkommen und den Wohnverhältnissen. So sei in ärmeren Wiener Bezirken die Lebenserwartung geringer als in Nobelbezirken. Vor allem für chronisch Kranke könne der Selbstbehalt zu einer echten Belastung werden, meinte Szekres, der forderte, dass medizinische Leistungen für alle Patienten erschwinglich sein müssten.

Margit Gugitscher, Ein-Personen-Unternehmerin und Vertreterin der Facebook-Gruppe Amici delle SVA, beklagte, dass die EPUs unabhängig davon, ob sie etwas verdienen, die vollen SVA-Beiträge zahlen müssen. Gemeinsam mit dem Selbstbehalt werde damit die prekäre Lage vieler EPUs noch verschärft.

Die SVA nimmt nach Angaben des Aktionskomitees über den Selbsthalt jährlich rund 50 Millionen Euro ein. Eine Abschaffung des Selbstbehaltes könnte ihrer Ansicht nach über eine Aufhebung der Höchstbeitragsgrundlage finanziert werden, womit gut verdienende Selbstständige mehr an Beiträgen zahlen müssten. Gleichzeitig fordert das Aktionskomitee aber auch eine Abschaffung der Mindestbeiträge. (APA, 26.11.2012)

 

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Gerade der Selbstbehalt

ist ein fantastisches Steuerungsinstrument: Geht man zum Arzt, zahlt man eine Kleinigkeit selber, was - so gut wie überall - dazu führt, dass die Leute nur zum Arzt gehen, wenn sie etwas brauchen.

lg
Dimple

wer bitte geht ohne beschwerden zum arzt? und woher soll ich wissen, ob mein wehwehchen was ernstes ist oder nicht?
und 3x oder 5x im jahr zum arzt, wen interessierts??

Genau

und deshalb sollte der Selbstbehalt auch für alle ASVG-Versicherten, also GGK's gelten!

Hoffentlich kommt dieser Selbstbehalt dann bei solchen wie mir auch weg!

Das Glücksspiel hier betreiben die Anwälte bzw. lässt man diese betreiben. Wie hier zu lesen ist, gibt es keine verständlichen Argument dafür, dass Poker ein Glücksspiel sein kann. Es gewinnt der talentiertere Spieler, nicht der, der mehr Glück hat.

Für normal gesunde Leute ist der Selbstbehalt nicht schlimm, für andere aber unbezahlbar.

Ohne sich das Budget und die Ausgaben genau anzusehen, kann man darüber eigentlich gar keine interessante Meinung haben.

Höchstbeitragsgrundlage der SV erhöhen oder abschaffen, dafür entsprechend die Tarife senken. Selbstbehalte sind sinnlos, umständlich und machen das Kraut auch nicht fett.

diese wahlen aber auch...

seit jahr(zehnt)en haben die sich um einpesonenunternehmen überhaupt nichts "gschert". jetzt rennen/sterben ihnen die kreuzerlmacher weg und sie suchen sich das nächste kanonenfutter.

solange wir unseren mitbewerb (zb wko-gesponsponserte firmen) mitfinanzieren, die ust-befreit sind und wir damit gezwungen werden, 20% biller zu "kalkulieren" oder epus vom freien wettbewerbsmarkt bei größeren aufträgen ausgeschlossen sind (stichwort: wirtschaftlich abhängig & damit scheinselbstständig) ist dieses pack nicht wählbar.

ich finde den selbstbehalt nicht sooo schlimm...

... schlimm sind die _normalen_ vorschreibungen! die brechen einem mitunter das wirtschaftliche genick. auf normale arztbesuche (und wenn es zehn im jahr sind) wird wohl keiner wegen der selbstbehalte verzichten. ich bin jedoch auch klar dafür, diese bei zB EPU abzuschaffen.

PS und, ja, ich zahle auch in die SVA - und das nicht zu knapp!

achja... noch was nettes

wir zahlen ja für die gleiche (arzt-)leistung mehr als GKK Versicherte... das ist sowieso die nächste ungerechtigkeit.

schlimm ists

.. soweit ich gehört habe - chronisch krank bist oder dich regelmäßig ambulant behandeln musst (sagen wir irgendwelche infusionen) ... da zahlst glaub ich auch den selbstbehalt und das is heftig.

Sach und Geldleistungsberechtigte

Die SVA hebt noch immer die 2 Euro Krankenscheingebühr ein!!
Ich bin von Sach- auch Geldleistung umgestellt worden. Das heisst ich muss alles beim Arzt selbst bezahlen und bekomme es dann refundiert.
Wenn ich wieder Sachleistungsberechtigt sein möchte, so muss ich monatlich 2 Euro bezahlen.
Diese sind anno dazumal als Krankenscheingebühr eingerichtet worden um die 'Druckkosten' pauschal an die Leistungsbezieher abzuwälzen.

Jetzt frage ich mich liebe SVA Zwangsversicherung: ist es nicht einfacher für euch wenn der Arzt direkt mit euch verrechnet? Und ist es nicht viel mehr Aufwand für Euch wenn ich jede Rechnung an Euch weiterverrechne und ihr die manuell abrechnen müsst?

Ergo muss ich 2 Euro zahlen damit ihr es leichter habt...

Wenn man bei der VAEB versichert ist bezahlt man ebenfalls diesen Selbstbehalt.

Nachdem dies Eisenbahnerprivilegien sind scheint das aber niemanden zu stören.

längst überfällig

Die SVA Versicherten hatten die letzten Monate die Möglichkeit u.a. über den Selbstbehalt abzustimmen. Das Ergebnis: 82,9 % sind für die Beibehaltung des Selbstbehaltes und gegen ein Betragserhöhung

WEil der Beitrag um grössenordnungen mehr ausmacht als der Selbstbehalt.

Meryl, Sie meinen damit wohl 82,9 % der 22% die die Frage beantwortet haben? Also so um die 91.000. Von den 540.000 Versicherten, die einen Fragebogen erhalten haben. Herr Vize McDonald musste bei der Pressekonferenz auch einräumen, dass die Befragung NICHT repräsentativ gewesen sei.

Diese Höchstbemessungsgrenzen sind ja ohnehin ein Schwachsinn.

Ich war immer schon der Meinung, dass der erste Teil des

Namens "Sozial" und der tatsächliche Auftritt dieses Vereins einander ausschließen - ich zitiere nur: "für die Hälfe aller Konkurse verantwortlich"

Und statt die Selbständigen zu vertreten tritt er sie, der Herr Doppelpräsident.

Ob jetzt mit Selbstbehalt oder nicht: Entweder eine Kasse für alle, oder freie Kassenwahl! Das jetzige System ist einfach nur sinnlos.

volle unterstützung für diesen vorschlag, aber bitte auch genauso für menschen im öffentlichen dienst bzw. landwirtInnen abschaffen!

Sind diese Selbstbehalte womoeglich der Grund warum diese mit Krankenkassen in der Vergangenheit eher ausgeglichen bilanziert haben als die GKK wo es das nicht gibt? Dann waers wirklich an der zeit den ueberall abzuschaffen. Wo kaemen wir denn dahin wenn nicht alles brav schulden macht?

Nun, man kann den 10% oder 20% Selbstbehalt bei jedem Arztbesuch auch Für ALLE Sozialversicherten in Österreich einführen. Auch für die in den GKK. Aber so wie es jetzt ist - ein Teil der Versicherten muss, einfach weil sie den falschen Beruf haben, zusätzlich zahlen, ein anderer Teil nicht, das ist Ungleichbehandlung. Also: hoffentlich wird durch diese Initiative dieses Thema endlich breit diskutiert.

dieses sauriersystem! nachdem die sva die letzten jahre fast kontinuierlich 20 mio an verzusgszinsen kassierte (d.h. diese leute sind auch bei der bank über dem limit) springt dieser wert plötzlich auf 30 mio! da kommt noch eine welle nach. epu finanzieren sich nicht über Wachstum wies die wko gern hätte, sondern wollen sich einfach selbst erhalten können. einen montat krank sein kann sich in dieser kaste doch gar niemand leisten. klar dass in graz 30% selbständige kpö wählen. raus aus der sva oder sva passt sich an.

Vielleicht

hat Hans Arsenovic übersehen, dass Unternehmer eventuell doch weniger krank werden als restliche Menschen, bzw. nicht wegen jeder Nichtigkeit wie manche zum Arzt laufen.

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