Schule als Indoor-Spielplatz? Von Lust und Unlust am Lernen

Blog | Andrea Vanek-Gullner, 26. November 2012, 13:59
  • Die Wiener Bezirke auswendig lernen - auf den ersten Blick furchtbar fad.
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    Die Wiener Bezirke auswendig lernen - auf den ersten Blick furchtbar fad.

Die Wiener Bezirke auswendig lernen - auf den ersten Blick furchtbar fad. Eine Ermutigung für LehrerInnen

Nein, es macht keinen Spaß, die 23 Wiener Bezirke auswendig zu lernen. Auch nicht meinem Sohn Max, der in die Dritte geht. Und nächste Woche Sachunterrichts-Quiz hat. Na super.

Ich muss gestehen, dass bei mir selbst geschätzte zwei Sekunden vergehen, ehe ich die Wiener Bezirke aus meinem Gedächtnis abrufen kann. Ziemlich peinlich für eine Lehrerin, finde ich.

Also, wir lesen gemeinsam die Wiener Bezirke aus dem liebevoll gestalteten Sachunterrichts Heft vor. Und lernen in kleinen Dosen.
Erster Bezirk, Innere Stadt, zweiter Bezirk Leopoldstadt, dritter Bezirk Landstraße.
Mit strengem Pädagogen-Blick will ich wiederholen: Erster Bezirk? Das Schweigen meines Sohnes erfüllt den Raum.
Leopoldstadt?

Was hat denn dieses Kind für ein Gedächtnis?
Das darf doch nicht wahr sein!

Mein Max stellt unterdessen verdrossen fest, dass es furchtbar fad ist, die 23 Wiener Bezirke lernen zu müssen. Find' ich irgendwie auch.
Aber so schnell geben wir nicht auf. Die Frau Lehrerin hat ein Ziel vorgegeben, und das ist gut so, wenngleich es sich anfühlt wie das Ende einer 42,195 Kilometer langen Laufstrecke. Max muss einen Marathon bestreiten.

Beharrlich versuchen wir, beim Spaziergang mit dem Hund Eselsbrücken zu bauen. Und denken beim 8. an den Opa, der Josef heißt, und beim 16. an Papas Bier.
So geht's dann doch. Ganz langsam.
Wir wiederholen, früh, mittags, abends.
Und ich stelle zufrieden fest, dass mit jedem Tag das Gehirn meines Sohnes größer zu werden scheint.

Der Tag X naht, Sachunterrichts-Quiz steht an. Und, wie war's? Die übliche Frage einer besorgten Mutter drängt sich am Nachmittag an die Oberfläche. "Lustig."
Lustig? Mein Mann und ich blicken einander mit großen Augen an. Was bitte kann an einem Test lustig sein?

Drei Tage später bringt Max die Antwort nachhause. Und präsentiert strahlend den Test. 21 Punkte von 24. Ich lese die Antworten nicht, brauche ich auch nicht. Die Lust steckt in der Schrift, die schwarz auf weiß bestätigt, dass es lustvoll ist, durch's Ziel zu laufen. Max hat nie schöner geschrieben.

Ja, es war offensichtlich Lust-ig für Max, über die Unlust am Lernen zur Lust am Können vorzudringen. Und die neuentdeckte Lust hat sich übrigens nun auch auf die Einmaleinsreihen übertragen.

Und so habe ich als Mami etwas gespürt, was ich als Lehrerin schon lange wusste: Dass Schule kein Indoor-Spielplatz ist. Und Lust manchmal aus überwundener Unlust geboren wird.

Und übrigens lacht die ganze Familie über den neuen Spitznamen unseres Onkels Leopold: Zweiter Bezirk. (Andrea Vanek-Gullner, derStandard.at, 26.11.2012)

Haben Sie Fragen an Andrea Vanek-Gullner? Schicken Sie ein E-Mail an bildung@derStandard.at!

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Damit Ihr Sohn Max hinkünftig nicht nur planlos Fakten wiederholt, sondern auch effektiver dass gelernte ins Langzeitgedächtnis übertragen kann, http://ankisrs.net/anki2.html

Damit kann er so ziemlich für alle Fächer üben, seine eigenen Karten erstellen, und zwar so - wie es ihm am leichtesten fällt. Damit bleibt ihm mehr Zeit, Spaß zu haben, und Kind zu sein. ;-)

Was soll das eigentlich bringen, die 23 Bezirke auswendig zu lernen?

Antwort: na sowas gehört doch zum Allgemeinwissen, oder?

Mein Verdacht ist, dass das nicht zweckmäßig ist.
Viel eher sollte man ihnen beibringen wie man diese Information aus einem Stadtplan, Atlas, aus einem Lexikon oder meinetwegen aus dem Internet abrufen kann.

Aber bitte, ich bin ja schon lange aus der Schule draußen.
Mir geht das meilenweit am A.... vorbei, womit man die Köpfe der Kinder manipulieren möchte :-x

Wozu überhaupt noch irgendwas lernen, ist eh alles im Internet abrufbar?

Ja, es gehört zu Allgemeinbildung etwas über sein Lebensumfeld zu wissen. Und ja, man kann so ziemlich alles nachschlagen, trotzdem sollte man als hochintelligentes Lebewesen auch Wissen in seinem eigenen Gehirn abgespeichert haben.

ich sehe nicht so sehr den Sinn darin, auswendig die Bezeichnungen der Bezirke zu kennen, sondern den Vorgang des Lernens, die Beschäftigung mit dem Stoff.

"Und so habe ich als Mami etwas gespürt, was ich als Lehrerin schon lange wusste: Dass Schule kein Indoor-Spielplatz ist." > uaah!

Na, komisch!

Ein echtes Weanerkind saugt gleich einmal 2/3 der Wiener Bezirke quasi mit der Muttermilch auf, der Rest ist Draufgabe.

Dass das Erlernen von Bezirken des Heimatortes so schwierig sein kann, hätte ich mir nicht gedacht.

Bei uns zuhause lernt man die Ortsteile, die höchsten Berge, die Flüsse, die Hofnamen (o. k., das war übertrieben), und das alles en passant!

"Bei uns zuhause lernt man die Ortsteile, die höchsten Berge, die Flüsse, die Hofnamen (o. k., das war übertrieben), und das alles en passant!"

Namen von Bergen, Flüssen, usw. sind aber auch einfacher zu lernen, denn das ist ja etwas konkretes. Man sieht ja den Fluss oder Berg und 2 nebeneinander sind, sieht man auch, dass es 2 sind.
Bezirke hingegen sind ja rein willkürliche Aufteilungen, die man so nicht wahr nimmt.

Ich als angehende Mathelehrerin bin eher fasziniert darüber, dass es ein Lehrer hinkriegt einen Test über die 23 Wiener Bezirke zu machen und dabei 24 Punkte zu vergeben. :)

Kenne eine VS-Lehrerin, die bei jedem!!! Sachunterrichts-Test auch Punkte für Vor-, Nachnamen, Straße, Hausnummer, PLZ und Ort vergibt.

Erfolg: in der 4. Klasse VS konnten dann endlich alle Schülerinnen und Schüler ihre Adresse wiedergeben!

Wenn Sie im Schema "Richtig: 1 Punkt, falsch oder fehlt: 0 Punkte" denken,

dann sollten Sie Ihre Beurteilungsprinzipien nochmal überdenken, im Sinne Ihrer zukünftigen Matheschüler. Da kann viel einfließen, z. B. Grad der Vollständigkeit, inhaltlich richtig, Schreibrichtigkeit usw.

Keine Sorge, ich werde sicher nicht nach "typisch österreichischem" Schema beurteilen, v.A. weil ich gar nicht in Ö arbeiten werde.

Aber so wie ich es verstanden habe, wurden bei dem Test ALLE Bezirke abgefragt, und da frage ich mich halt, wie man auf insgesamt 24 Punkte kommt, denn auch wenn z.B. nicht nur der Inhalt sondern auch die Rechtschreibung und andere Punkte einbezogen werden, muss das ja trotzdem für alle 23 gelten und die höchste mögliche Punktzahl müsste deshalb meiner Logik nach ein Teiler oder Multipel von 23 sein.
Außer es wurden gar nicht alle abgefragt, dann ists natürlich was anderes :)

"Rechts oben" hat er seinen Namen richtig geschrieben.

Es gibt 2 Punkte für Rudolfsheim-Fünfhaus.

Hmmm, ja, das könnte sein.
Ich hab überlegt und bin nur auf Verarschungsfragen wie "Wie viele Bezirke gibt es in Wien?" oder "In welchem Bundesland befinden sich die Wieder Bezirke?" gekommen.

Bist du sicher, dass Mathelehrerin der richtige Beruf für dich ist?
Selbst nachdem du nachgedacht hast wie das gehen kann, ist dir keine bessere Möglichkeit eingefallen??

Mir fallen da ohne nachzudenken dutzende Möglichkeiten ein, wie man auf 24 Punkte kommen kann.

Ein paar Hinweise:
Man muss nicht alle Bezirke abfragen.
Es gibt Punkte für Nennung des Namens, für Zuordnung Namen - Nummer, für Zuordnung Namen und/oder Nummer auf der Karte, .........

Außerdem ist es bei vielen Lehrern sehr beliebt, für jeden Test die gleiche Punktezahl zu vergeben, da das die Benotung sehr vereinfacht.

Ich has eben so verstanden, dass alle 23 abgefragt wurden. Dass dem nicht so war, würde meine Verwirrung natürlich lösen :)
Natürlich kann man Punkte für viele Dinge bekommen, wie Sie schon sagen, aber alle Punkte, die Sie hier aufgelistet haben (Nennung von Namen von Bezirken, korrekte Zuteilung Name-Nummer, Lokalisierung auf der Karte; und dann würde mir noch Rechtschreibung einfallen, wobei das nicht mehr Sachunterricht wäre), kann man bei 23 Bezirken 23 mal bekommen. Wenn also alle abgefragt werden, muss die Lehrerin teilweise sehr merkwürdige Prozentzahlen als Punkte vergeben, um auf insgesamt 24 zu kommen. Wenn es so wäre, wäre es eine wahre Kunst des Schülers auf glatte 21 zu kommen ;)

wer sagt denn, dass sie nach allen frägt?

Einfaches Beispiel:
"Nenne acht Bezirke mit Namen, richtiger Zahl und zeige auf die Karte"
Pro Bezirk drei Punkte.

Ja, stimmt eh, bin davon ausgegangen, dass alle abgefragt wurden, aber hab jetzt den Artikel nochmal durchgelesen und festgestellt, dass das ja wirklich nicht dasteht :)

Ein Zusatzpunkt für das richtige Einzeichnen auf einer stummen Karte...

Dafür wäre dann aber ein einziger Punkt sehr wenig.

Na, ja. In der Mitte eins, 2 und 20 auf der Insel, dann von rechts unten nach links oben im Uhrzeigersinn die inneren. Dann wird's ein wenig inkonsequent, sollte aber leicht schaffbar sein ;-)

"sollte aber leicht schaffbar sein"

Für 8jährige? ;)

Bei uns hingegen...

...ging das damals wirklich ganz leicht. Ich selbst (als Mama - gebürtige OÖin) wusste auch nicht alle Bezirksnamen auswendig, sondern vielfach die Bezeichnungen einiger Teile in den Bezirken (Breitensee, Hütteldorf, Lobau, Nussdorf...), musste ich selbst mitlernen. Da wir viel mit Öffis unterwegs sind, konnten wir die meisten Bezirke auch mit verschiedenen U-Bahnen erreichen. Dafür "opferten" wir ein Wochenende.
Heute ist mein Sohn schon 16, aber wir diskutieren noch immer gerne über seinen Lernstoff in der Schule und erarbeiten Manches noch immer gemeinsam.

Finde die Botschaft richtig, würde nur um einiges weiter gehen: Die Namen der Wiener Bezirke sind nicht einmal Mittelstrecke, geschweige denn ein Marathon.

Kinder in dem Alter können sich erstaunlich umfangreichen Stoff merken, wenn man sie nur dafür interessieren kann. Das weiss man spätestens, wenn die Kinder auswendig die verschiedenen Parameter ihrer hunderten Lieblings-Sammelkartenspiele herunterbeten können.

So gesehen krankt die Volkschule an chronischer Unterforderung gepaart mit Motivierungsdefiziten.

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