Schneller auf neue Grippeviren reagieren

26. November 2012, 08:41
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Neue Methode soll Entwicklung von Grippeimpfstoffen beschleunigen - Herstellung basiert nur auf Viruserbsubstanz

Berlin - Deutsche Wissenschaftler haben eine schnellere Methode zur Herstellung von Grippeimpfstoffen entwickelt. Beteiligt an den Forschungen waren Experten des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) und ein biopharmazeutisches Unternehmen (Curevac GmbH) in Tübingen. "Die Herstellung basiert nur auf der Viruserbsubstanz, die in mRNA umgeschrieben wird und so die gewünschten Virusproteine für die Immunisierung bildet", sagte der Leiter des Instituts für Immunologie am FLI, Lothar Stitz.

"Während man bei der klassischen Herstellung von Impfstoffen in Eiern oder Zellkulturen von einer Entwicklungszeit von mehreren Monaten spricht, sprechen wir bei der mRNA-Methode von Wochen." Die Studie ist in "Nature Biotechnology" veröffentlicht.

mRNA (Messenger Ribonukleinsäure) dient der Zelle als Bauanleitung für Proteine und wird nicht in das Erbgut eingebaut. "Deshalb können bei einer Impfung mit dem synthetisch hergestellten Impfstoff keine nachteiligen Folgen in den Zellen und im Organismus auftreten", betonte Stitz. Bei Impfstoffen aus Eiern oder Zellkulturen bestehe grundsätzlich die Gefahr von Unverträglichkeitsreaktionen beispielsweise durch Fremdeiweißbestandteile. Auch können Eiweiße ausflocken, wie dies jüngst bei Grippeimpfstoffen geschehen war, was zu einer umfangreichen Rückrufreaktion führte.

Einsatz in den Tropen

Mit der Methode könne die Pharmaindustrie schnell auf neue oder genetisch veränderte Viren reagieren. Nach Worten von Stitz verspricht die mRNA-Methode als Plattform für die Herstellung von Impfstoffen gegen viele Infektionskrankheit zu dienen. Ein weiterer Vorteil dieser Impfstoffe sei, dass sie bei Transport und Lagerung nicht gekühlt werden müssen, sondern stabil bleiben. "Sie könnten also problemlos in tropischen Ländern eingesetzt werden."

Die Wirksamkeit der Impfstoffe sei in Tierversuchen nachgewiesen worden, betonte Stitz. Bei den Mäusen, Frettchen oder Schweinen sei eine spezifische Immunreaktion sowohl auf Antikörper- und zellvermittelter Ebene gegen Influenzaviren gefunden worden. "Die waren vor einer Infektion geschützt." Es konnte gezeigt werden, dass auch sehr junge und alte Mäuse auf die Impfung ansprachen. "Dies könnte für die vorsorgliche Grippeschutzimpfung wichtig sein, da Kinder und ältere Menschen als Risikogruppen für Infektionen gelten."

Die Forscher brauchen als Basis für die Herstellung des Impfstoffes nur die RNA-Sequenz des Erregers. Diese wird in DNA und dann in mRNA umgewandelt. "Wir haben dann gegen verschiedene Abschnitte des Virus Impfstoffe entwickelt", sagte Stitz. Als Beispiele nannte er das Oberflächen-Eiweiß Hämagglutinin, das sich sehr schnell verändert, und das im Inneren des Virus liegende Nukleoprotein, das bei allen Influenza A-Viren sich nicht ändert. Ein weiterer Nachteil bei der klassischen Impfstoff-Herstellung sei, dass es in einer Grippesaison keine Möglichkeit gebe, auf aktuelle Mutationen zu reagieren. (APA, 26.11.2012)

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