Nagl ist Gewinner, Verlierer und noch partnerlos

Der ÖVP-Stadtchef muss sich jetzt auf die Suche nach einem Koalitionspartner machen - eine schwierige Aufgabe unter diesen Bedingungen - Die KPÖ winkt ab

Graz - Lange ließ Bürgermeister Siegfried Nagl Kameraleute und Journalisten vor seiner Tür im Grazer Rathaus am Sonntagabend warten. Ausgemachte Interviews wurden abgesagt. Den ersten Platz erreichte Nagl wie erwartet, doch am Ende blieb ein Minus von 4,9 Prozent.
Schwarze Mauer

Statt Nagl trat ÖVP-Landesparteichef Hermann Schützenhöfer vor die Tür des Bürgermeisteramtes. Während Schützenhöfer Nagls enttäuschendes Ergebnis vor Journalisten verteidigte, machte hinter ihm fast die gesamte Riege der VP-Landes- und Stadtpolitiker die Mauer für den Bürgermeister, den Wahlkampfmanagerin Claudia Babel abschirmte. Landesrat Christian Buchmann, Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder, der steirische ÖVP-Klubobmann Christopher Drexler, sowie Nagls Stadträte und Justizministerin Beatrix Karl standen schweigend mit ernster Miene hinter Schützenhöfer, als dieser betonte, Nagl sei als Führungskraft unumstritten.

KPÖ erteilt ÖVP Absage

Nach der ORF-Runde, in der KPÖ-Stadträtin Elke Kahr Nagl einen klaren Korb für eine Koalition gab, ließ sich Nagl in seinem Büro von Parteifreunden feiern. Er habe sich schon "ein bisschen erholt", erzählte er dem STANDARD, aber eine Koalitionsbildung werde schwer: "Die wäre sich rechnerisch nur mit der KPÖ ausgegangen, aber die hat sie (Kahr Anm.) abgesagt." Ob Nagl für diese Koalition offen gewesen wäre, ließ er unbeantwortet.

Eine Koalition mit der Volkspartei schloss Kahr auch im Gespräch mit dem STANDARD dezidiert aus. Allerdings: "Vorstellbar sind Bereichskoalitionen, so wie es bisher ja auch ein Arbeitsübereinkommen in der Stadtregierung gegeben hat." Dieses habe bis zum Schluss gehalten. Die KPÖ wolle das Wohnungsressort behalten, "weil wir unsere Leute mögen und Kontinuität wichtig ist".

Die einzige weitere Koalition, die sich aus jetziger Sicht ausginge wäre mit ÖVP, SPÖ und den Piraten als Zünglein an der Waage. "Wir sind für Themenzusammenarbeit mit allen bereit, die unsere Werte teilen", sagt dazu der Neo-Gemeinderat und Pirat, Philip Pacanda dem STANDARD.

Rote Schmerzen

SPÖ-Spitzenkandidatin Martina Schröck sprach von einer "schmerzlichen Niederlage". Schröck: "Wir haben unser Ziel, das wir uns gesteckt haben, an Stimmen zuzulegen, nicht erreicht. " Als Parteichefin habe sie jedenfalls in den nächsten Jahren "viel zu tun, die Grazer SPÖ zu stabilisieren und zu einigen".

Für Politikberater Thomas Hofer ist das starke Abschneiden der Grazer Kommunisten "nicht verwunderlich". Elke Kahr habe sehr erfolgreich auf der Basis, die Kaltenegger mit seiner Wohnbaupolitik gelegt hatte, aufgebaut. Die KPÖ habe auch von der österreichweiten negativen politischen Stimmung profitiert, ihr Stimmenzuwachs sei aber nicht nur durch Protestwähler erklärbar.

Für den amtierenden ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl sei die Ausgangsposition überaus schwierig gewesen, der hohe Abstand zur zweitstärksten Partei macht es schwer, einen "Drive" in den Wahlkampf zu bringen.

Niederösterreichs unangefochtener Landeshauptmann Erwin Pröll stehe vor einer ähnlichen Situation wie Nagl, sagt Hofer. Pröll allerdings versucht, mit bundespolitischen Themen zu punkten: "Das hätte Nagl wahrscheinlich auch tun sollen, um Bewegung in seinen Wahlkampf zu bringen." (DER STANDARD, Printausgabe, 26.11.2012)

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