Der Magnat und die Millionen

25. November 2012, 21:05
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Stronachs Vertreter bestreiten, dass Magna vom Eurofighter profitierte - Unterlagen zeigen das Gegenteil

Wien - Über den Chef soll man nicht schlecht reden. So verwundert es nicht, dass Robert Lugar versichert: "Für Frank Stronach lege ich jederzeit die Hand ins Feuer." Das gelte auch punkto Eurofighter, sagte der parlamentarische Statthalter des austrokanadischen Wahlwerbers in der ORF-Pressestunde. Stronach behaupte zu Recht, dass er und sein Magna-Konzern nicht vom Eurofighter profitiert hätten, zumal die entsprechenden Aufträge auch so zustande gekommen wären: Schließlich habe Magna schon zuvor gute Geschäftsbeziehungen zu Daimler, Hauptaktionär des Eurofighter-Anbieters EADS, unterhalten.

An diesen Beteuerungen gibt es begründete Zweifel. Im STANDARD widersprach zuletzt Ex-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein der Darstellung Stronachs: Selbstverständlich habe Magna vom Kauf der 18 Eurofighter durch die Republik profitiert, und zwar durch Gegengeschäfte im Wert von 200 Millionen Euro. Dies könnte sogar noch unterschätzt sein: Laut übereinstimmenden Informationen von STANDARD und Profil dürfte das Volumen rund 300 Millionen betragen haben.

"Sollte Frank Stronach wirklich nichts von den Gegengeschäften gewusst haben, dann soll er mit dem Wirtschaftsministerium und der Staatsanwaltschaft kooperieren und alle Unterlagen zur Aufklärung der Eurofighter-Affäre vorlegen", sagt Peter Pilz. Der Grüne behauptet, Unterlagen zu haben, die das Gegenteil nahelegen würden, sieht den Neo-Parteigründer in den Verwicklungen um den Abfangjägerkauf aber dennoch nicht als Fädenzieher. Schließlich saß Stronach zur Zeit des Eurofighter-Deals in Kanada und war operativ nicht mehr tätig. In Europa hatte sein engster Mitarbeiter Siegfried Wolf das Magna-Geschäft in der Hand.

"Eines geht aus den Unterlagen ganz klar hervor," sagt Pilz: "Verhandlungen hat Siegfried Wolf geführt, Stronach kann jetzt natürlich sagen, er hat von nichts gewusst und alles ist hinter seinem Rücken abgelaufen. Dann darf er uns Wolf aber nicht als seinen Kanzlerkandidaten präsentieren."

Frühzeitige Millionenaufträge

Pilz glaubt, dass sich Wolf zugunsten Magnas für den Eurofighter-Kauf eingesetzt habe. Tatsächlich belegen Unterlagen, die dem STANDARD vorliegen, dass bereits vor der Typenentscheidung eine Vielzahl an Gegengeschäften mit EADS am Laufen war: Als die schwarz-blaue Regierung in der Vorbesprechung zum Ministerrat am 2. Juli 2002 die Anschaffung besiegelte, hatte Magna längst Millionenaufträge in der Tasche.

Auch ein Brief vom Juli 2001 bringt Magna als möglichen Profiteur ins Spiel. Monate, bevor der Abfangjäger-Kauf überhaupt ausgeschrieben war, bot der damalige EADS-Aufsichtsratschef Manfred Bischoff dem amtierenden Finanzminister Karl-Heinz Grasser die Lieferung von 18 Eurofightern an. In einer von Profil zitierten Passage verwies Bischoff auf die "langjährige und intensive Zusammenarbeit" mit Magna Steyr.

Dies wirft die Frage auf, was Bischoffs Hinweis an Grasser bezwecken sollte. Wollte EADS den damals noch mit Rückkehrrecht ausgestatteten Ex-Magna-Mitarbeiter locken? Bekanntlich hatte sich Grasser öffentlich gegen den Abfangjägerkauf beziehungsweise für einen anderen Typen ausgesprochen - um in der entscheidenden Regierungssitzung dann doch den teuren Eurofighter mit zu verantworten. (jo, mue, DER STANDARD, Printausgabe, 26.11.2012))

 

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