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Zwei deutsche Tageszeitungen eingestellt: Eine "Krise" ist das (noch) nicht. Sie entstünde, wenn sich zumindest eines der Flaggschiffe des deutschen Tagesjournalismus, die Süddeutsche oder die Frankfurter Allgemeine, in ernsten Schwierigkeiten befände.
Mitten in der Wirtschaftskrise traf es zwei angesehene Blätter, die seit Jahren ihre Probleme nicht abschütteln konnten. Hinter der Financial Times Deutschland stand die Idee, den Erfolg der renommiertesten Wirtschaftszeitung der westlichen Welt auf Deutschland zu übertragen und dem Handelsblatt Konkurrenz zu machen. Zwei Probleme plagten die gleichwohl ambitionierte deutsche Version von Anfang an: Das Zielpublikum las ohnehin schon die FT und brauchte keine deutschen Übersetzungen. Geist und Linie der FT in Berichte und Kommentare über Deutschland in die FTD einfließen zu lassen, musste scheitern. Denn die Redaktion in London war und ist eine EU-Gegnerin, die Leute in Hamburg konnten (und wollten) diesen Kurs nicht fahren. Zuletzt wirkte das Blatt mit dem britischen Logo nur noch fremd - verstärkt durch ein unsympathisches Layout.
Das Schicksal der Frankfurter Rundschau ist leichter abgehandelt. Die ehemalige SPD-Parteizeitung, in den 70er-Jahren noch ein führendes Organ der linksliberalen Milieus, verkümmerte und fiel schließlich Format-Basteleien und inhaltlichen Fusionen (u. a. mit der Berliner Zeitung) zum Opfer. Zu viel gespart.
Unter solchen Vorzeichen hat es immer wieder Schließungen gegeben. Weil der Zeitungspreis die Kosten bei weitem nicht deckt, waren und sind Inserate das wichtigste Finanzierungsinstrument. Sinkende Schaltungen sind das akute Problem (wie schon 2002, nach dem 9/11-Terror). Aber die Online-Medien speisen ihre Erlöse aus exakt denselben Quellen. Neue haben auch sie nicht aufgetan.
Endzeitstimmung ist dennoch nicht angebracht. Im deutschen Ad Impact Monitor wurde eben eine umfangreiche Studie mit Auswertungen hunderter Werbekampagnen veröffentlicht. Das Ergebnis: Anzeigen in Printmedien sind viel effizienter als im TV. Und man muss hinzufügen: Die Glaubwürdigkeit der Qualitätsblätter überträgt sich auf die seriöse Anzeige.
Die größte Herausforderung für Print sind aber zweifellos die ursprünglich als Instrument einer besseren Verbreitung gestarteten Internetausgaben der Zeitungen. Sie punkten vor allem unter der Jugend, bei Zeitgeistfreaks und bei Leuten mit geringem Zeitbudget. Ihre Oberflächen haben inzwischen ebenfalls Konkurrenz erhalten. In Form der iPads, wo es noch weniger Fläche gibt und die Publikation von Inseraten auf reduzierte Flexibilität stößt.
Der schnelle Konsum und die Bürger-Postings werden die journalistische Qualität nicht ersetzen. Sie bleibt aber Beweger und Erreger, ohne die Demokratie nicht funktioniert. Die Verleger (und die Journalisten) werden sich daher verstärkt überlegen müssen, wie sie auf mehreren Bühnen (von Print bis iPad) das Publikum für Aufklärung und Meinung gewinnen. (Gerfried Sperl, DER STANDARD, 26.11.2012)
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Dass die Bürger-Postings die journalistische Qualität nicht ersetzen werden/können, ist - bestenfalls - wishful thinking.
Denn 1. gibt's kaum mehr journalistische Qualität, sondern, wie weiter unten so schön gesagt, allenfalls ein Herumschreiben um eine Agentur-Meldung und 2. wird in den "Bürger-Postings" oft viel mehr Information plus Kommentar geboten, als im Ursprungstext selbst.
Um den Charakter des neuen Mediums Online-Daily besser zu definieren, müsste man vielleicht einmal die Postings in Kategorien einteilen, also in Dampfablasser-Postings, politische Unterstützungserklärungen, allerlei Kommentare und eben auch wirklich sachliche & neue Information, die die angeblichen Qualitätsjournalisten gar nicht recherchieren wollten.
Mit ein Grund für die Beliebtheit d. online-Mediums! Der journalist. gestaltete Artikel wird hier Teil eines echten Kommunikationsprozesses und damit vom ex cathedra-Podest heruntergeholt. Interessant, wie häufig die inhaltl. Qualität des Artikels mit der der postings korreliert. Ein Lichtblick für jeden aufrechten Demokraten!
weil heute einfach jeder durch einen Mausklick Zeitungen und verschiedenste Quellen miteinander vergleichen kann. Und da fällt halt schnell auf dass ein Rau oder ein Sperl halt nicht mit Kommentatoren in der Zeit, FAZ Zürchicher mithalten können.
Dass 90 % der Artikel einfach von der APA bei allen Zeitungen gleich geschreiben werden was zu einer inhaltich unkritischen Gleichschaltung eben führt.
Immer mehr werden so AllgemeinZeitungen verschwinden weil man eben nicht 12 Blätte braucht die alle den gliechen APA-Artikel abdrucken und es wird zu spezialisierungen kommen.
Und Kraut und Rüben Kommentatoren die glauben zu allem un jedem etwas schreiben zu müssen werden zum Glück ihre Jobs verlieren.
als diese KrautundRüben Kommentaristen.
Interessant ist meist die qualitative Verbesserung des Berichtsinhaltes durch die Poster.
Aber ich merke das auch schon bei vielen akademischen Diskussionen, die sind auch oft auf erschreckend niedrigem Nieveau.
.,.
decapitators inside US government: Intelligence analyst
http://fromthetrenchesworldreport.com/aipac-dec... yst/26596/
die bösen verschwörungstheoretiker und die braven status quo betonierer.
das kennen wir schon.
die völlig unkritische, beinahe panische verächtlichmachung von allem, was nicht in die "von oben" veröffentlichte ideologie passt, anstatt eine kritische auseinandersetzung damit (wofür medien eigentlich da wären), ist ein weiterer grund, warum niemand mehr für "information" bezahlen will, weil niemand mehr an der ideologie selbstausgerufener experten und deren eigentümerkonzernen interessiert ist. wenn der "von eigeninteressen gesteuerte journalismus" aufhört, findet sich auch wieder ein publikum.
um es mit der ideologie auszudrücke, die Sie so gerne veröffentlichen:
Ihr seid einfach nicht gut genug für den freien markt :)
Ach -rau-, hörens doch auf alles was ihnen nicht in den Kram passt als rechts, weltverschwörerisch und durchgeknallt zu beflegeln.
http://derstandard.at/131500601... eltenbrand
Wenn ich mir das Thema Massenvernichtungswaffen im Irak ansehe - diese Tatsache wurde sakrosankt von ALLEN Medien verbreitet, Menschen die das eigenartig fanden wurden auch als Verschwörungstheoretiker verunglimpft.
p.s.: Beim Thema 9/11 bin ich ein "Agnostiker". Es ist eher ihre pöbelnde Argumentation die den Leser verstört. Und aus.
Eines der Probleme hat sich mir gezeigt, als ich beim Standard (nach dem Erwerb eines Kindle vor etwas mehr als einem Jahr) nachfragte, ob denn eine Kindle-Ausgabe geplant wäre, bekam aber eine negative Antwort. Seitdem lese ich auch unbezahlt die on-line Ausgabe (mit den riesigen Papierwedeln komme ich einfach nicht zurecht) gratis und (weil immer wieder extrem lästig) mit einem Werbe-Blocker, so daß ich die dort vorhandene Werbung auch nicht sehe...
Wer die internet-übliche "journalistische Qualität" goutieren will (also das Geschichtenerfinden um Agenturmeldungen herum, à la Spiegelonline), muss schon Literaturwissenschaftler und Humorkritiker in einem sein.
Die Berichterstattungen bringen leider in den seltensten Fällen eine Mehrinformation als ein schneller Blick auf eine Newsseite.
Man tanzt um das Kernproblem herum: kein Printmedium distinguiert sich von einem anderen. Sie schreiben alle den gleichen Einheitsbrei und merken es nicht. Dieser Expressionsstil hat auf der Hinterseite natürlich bestimmte Besitzverhältnisse und damit korrelierende Ansichten. Ein Narr, wer hier für auch noch zahlt.
inserieren natürlich gerne in rechten und rechtsrechten Blättern, da kann ein sozialliberales Blatt wie die Frankfurter Rundschau natürlich nicht überleben.
Übrig bleibt der rechtsrechte Boulevard und die VP-Presse.
mein "Gewinn"-Abo nach fast 25 jahren gekündigt. weil ich "dank" internet einfach nicht mehr dazu komme die Zeitschrift zu lesen....
und eine zeitschrift immer 2 monate nach erscheinen zu lesen ist auch nicht immer unbedingt aufregend.
habe mich deshalb zu dem radikalen schritt entschlossen alle meine zeitungs- und zeitschriften abos in den nächsten wochen zu kündigen.
ist zum teil auch eine kostenfrage, weil weshalb soll man für etwas zahlen was man gratis im internet auch bekommt.
Ich denke die Zeitung von morgen schaut so aus:
Die Abonennten bekommen einen eInk Reader und die Artikel werden über Nacht geschrieben und sind aktuell. Daneben gibt es eine Papier-Ausgabe als Wochenzeitung mit Lesestoff.
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